Kreditklemme: Banken sitzen wieder am Spieltisch und der Mittelstand verhungert
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„Die Banken sitzen wieder am Spieltisch, anstatt sich um die Unternehmensfinanzierung zu kümmern“, urteilt Christian Göttsch, Chef des Münchner Internet-Stellenmarkts Experteer, mit Blick auf die Börsengewinne der letzten Wochen. Wie viele andere Mittelständler hält Göttsch Staatshilfen für strauchelnde Unternehmen wie Quelle für einen „Riesenquatsch“. Besser wäre es aus seiner Sicht, den Ex-Chef der Quelle-Mutter Arcandor Thomas Middelhoff für die Schieflage des Konzerns „zur Kasse zu bitten, schon aus Gerechtigkeitsgründen“, so Göttsch gegenüber der Abendzeitung.
Göttsch selbst sieht sich mit seinem Portal, das Führungskräfte vermittelt, „im Auge des Sturms“ – auch wenn seine Umsätze trotz der Krise wachsen. Die Zahl der offenen Stellen für Manager sei allerdings um rund ein Viertel geschrumpft, berichtet er. Und die Arbeitgeber würden keine „Schönwetterkapitäne“ mehr suchen – eher erfahrene Sanierer.
Unternehmer sollten sich von den mittelstandsfreundlichen Parolen der Politik nicht einlullen lassen, proklamiert der Düsseldorfer Personalexperte Udo Nadolski. „In Wahrheit geht es bei den Finanzhilfen eher darum, übermächtige Interessengruppen zu befriedigen und schnell in der Öffentlichkeit zu punkten, wenn ein Konzern vor dem Untergang bewahrt werden soll. Dass der Konzerntanker später trotzdem an seinen hausgemachten Fehlern untergeht, interessiert die politischen Entscheider nicht. Es zählt der kurzfristige Erfolg und die Manipulation der öffentlichen Meinung. Da scheint es egal zu sein, wenn einige tausend inhabergeführte Firmen über die Wupper gehen“, kritisiert Nadolski, Geschäftsführer des IT-Beratungshauses Harvey Nash http://www.harveynash.com/de/. Für die Gesellschaft und nicht nur für die Wirtschaft sei es allerdings sehr gefährlich, wenn der Mittelbau als tragende Säule für die Volkswirtschaft wegfalle.
Machtkonzentrationen in Staat und Wirtschaft seien schädlich für die Marktwirtschaft. Davor habe Wilhelm Röpke http://roepke-institut.hwwi.net/, ein enger Weggefährte des früheren Wirtschaftsministers Ludwig Erhard, schon vor rund 50 Jahren gewarnt: „Intrigen, Strebertum, Angeberei, Missgunst, Schweifwedeln, Neid, Eifersucht und alle anderen Kontaktgifte werden, wie tausendfache Erfahrung beweist, zu Plagen, die sich in allen Organisationen und Großbetrieben ansiedeln. Neurotiker können jetzt das Leben von Hunderten, ja von Tausenden zur Hölle machen, und zu allem Unglück ist die Chance, dass just Neurotiker mit ihrem Geltungsdrang und ihrer Geschäftigkeit nach oben gelangen und Herrschaftsstellungen erlangen, überdurchschnittlich groß“, schrieb Röpke in seinem Werk „Jenseits von Angebot und Nachfrage“.
Der übelgelaunte Finanzbeamte könne sich gehen lassen, seinen Untergebenen wie den ihm ausgelieferten Steuerzahlern gegenüber; der seelisch unausgeglichene Abteilungschef könne zum scheu umschlichenen Betriebstyrannen werden, aber der überreizte von Sorgen geplagte Gemüsehändler müsse sich zusammennehmen, ohne dass er sich deswegen als Sklaven seiner Kunden zu fühlen Veranlassung fände.
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Datum: 27.08.2009 - 16:19 Uhr
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