Alternativmethoden ersetzen Tierversuche: 20 Jahre erfolgreiche Arbeit der ZEBET am BfR
ID: 130521
Alternativmethoden ersetzen Tierversuche: 20 Jahre erfolgreiche Arbeit der ZEBET am BfR
ZEBET begeht Jubiläum mit internationalem Symposium am BfR in Berlin
Chemikalien, Kosmetika, Pflanzenschutzmittel und Arzneimittel müssen für Verbraucher sicher sein. Dazu müssen die Inhaltsstoffe auf unerwünschte Wirkungen getestet werden. Dies geschieht überwiegend mit Tierversuchen. Wo immer es zuverlässige Alternativen gibt, müssen diese anstelle der Tierversuche angewendet werden. Bereits 1959 haben die englischen Wissenschaftler Bill Russell und Rex Burch ein wissenschaftliches Konzept zum Ersatz von Tierversuchen entwickelt, das sogenannte "3R-Prinzip". Danach muss eine Alternativmethode mindestens eine der drei folgenden Anforderungen erfüllen:
das Leiden und die Schmerzen der Versuchstiere werden vermindert ("Refinement")
die Zahl der Versuchstiere wird reduziert ("Reduction")
durch ihre Anwendung werden Tierversuche ersetzt ("Replacement")
50 Jahre nachdem das 3R-Prinzip entwickelt wurde, ist es heute die allgemein anerkannte wissenschaftliche Grundlage für die Forschung zur Verminderung von Tierversuchen. Auch dieses Jubiläum bildet einen Schwerpunkt des Symposiums.
Als die ZEBET 1989 gegründet wurde, gab es keine tierversuchsfreie toxikologische Prüfmethode, die in Deutschland, Europa oder weltweit von Behörden für die Prüfung von chemischen Stoffen oder Produkten akzeptiert wurde. Bereits 1990 wurde gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Europa und den USA ein wissenschaftliches Konzept für die experimentelle Validierung toxikologischer Prüfmethoden entwickelt, das als Grundlage für den Leitfaden Nr. 34 der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) diente und weltweit anerkannt ist.
Die Gründung der ZEBET stand im engen Zusammenhang mit dem Inkrafttreten der EU-Richtlinie zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere (86/608/EWG) aus dem Jahr 1986 und des 1987 novellierten deutschen Tierschutzgesetzes. In Deutschland dürfen danach Tierversuche nur durchgeführt werden, wenn sie unerlässlich und im Hinblick auf den Versuchszweck ethisch vertretbar sind. Dementsprechend ist die ZEBET mit einem sehr breiten Aufgabenspektrum beauftragt. Die ZEBET ist für die Dokumentation und Bewertung von Alternativmethoden zum Tierversuch verantwortlich und hat hierfür die kostenfreie, über das Internet zugängliche Datenbank AnimAlt-ZEBET in englischer Sprache aufgebaut. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der ZEBET beantworten Anfragen aus Behörden, Wissenschaft, Tierschutz, Industrie und der Verbraucherschaft rund um das Thema Alternativen zum Tierversuch auf nationaler und internationaler Ebene. Im Zuge der Revision der EU-Richtlinie 86/609, die den Umgang mit Versuchstieren regelt, steht die ZEBET dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) beratend zur Seite.
Seit 1990 fördert die ZEBET in Deutschland Forschungsprojekte und forscht selbst zur Entwicklung und Validierung von tierversuchsfreien Alternativmethoden. Einige dieser neuen Methoden sind bereits international anerkannt und in den Richtlinien der EU und der OECD als offizielle Prüfmethoden verankert. Wegen der internationalen öffentlichen Kritik an Tierversuchen zur Entwicklung von Kosmetika hat sich die ZEBET besonders mit Alternativmethoden zur Verträglichkeitsprüfung an Haut und Auge beschäftigt. Dafür kann heute anstelle von Kaninchen rekonstruierte menschliche Haut eingesetzt werden. Darüber hinaus entwickeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der ZEBET Alternativmethoden zur Vorhersage entwicklungstoxischer Eigenschaften: Mit Hilfe embryonaler Stammzellen prüfen sie, ob Chemikalien und Arzneimittel bei einer Anwendung in der Schwangerschaft Embryonen schädigen können.
Der von der ZEBET in Zusammenarbeit mit der Industrie entwickelte Zellkulturtest auf phototoxische Eigenschaften - das heißt, ob ein Stoff durch Sonnenlicht aktiviert wird und dadurch im Körper giftig wirkt - hat heutzutage bei der Prüfung neuer Arzneimittel und Chemikalien den Tierversuch vollständig ersetzt. Chemische Stoffe werden mittlerweile nur noch an menschlichen Hautmodellen auf ätzende und reizende Eigenschaften an der Haut getestet, während bis vor kurzem noch Tests an Kaninchen dafür vorgeschrieben waren. Auch die Testung auf Augen reizende Eigenschaften chemischer Stoffe ist heute teilweise mit Alternativmethoden möglich. Dabei könnten rekonstruierte menschliche Hornhautmodelle nach Abschluss aller Studien einen Beitrag dazu zu leisten, auch die letzten noch vorgeschriebenen Tests am Kaninchenauge zu ersetzen.
In Europa wird die Entwicklung von Alternativmethoden durch die Kosmetik- und Chemikaliengesetzgebung gefördert, die auf den Ersatz von Tierversuchen in den nächsten fünf bis zehn Jahren abzielt. Die National Institutes of Health (NIH) der USA fördern seit dem vergangenen Jahr ein großes Schwerpunktprogramm mit dem Namen "Toxicology in the 21st Century", das die Vorhersage unerwünschter Nebenwirkungen von Arzneimitteln und anderen Chemikalien für den Menschen ohne Tierversuche zum Ziel hat. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse aus dem Tierversuch auf den Menschen ist häufig unbefriedigend. Stattdessen sollen molekularbiologische und molekulargenetische Methoden mit menschlichen Zellen und Geweben und zum Beispiel mit Einzellern, Fliegen und Fischen sowie Computermodelle entwickelt werden.
Bundesinstitut für Risikobewertung
Pressestelle
Thielallee 88-92
14195 Berlin
Tel.: +49-(0)30-18412-4300
Fax: +49-(0)30-18412-4970
E-Mail: pressestelle@bfr.bund.de
Bereitgestellt von Benutzer: pressrelations
Datum: 27.10.2009 - 10:48 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 130521
Anzahl Zeichen: 0
pressrelations.de – ihr Partner für die Veröffentlichung von Pressemitteilungen und Presseterminen, Medienbeobachtung und Medienresonanzanalysen
Diese Pressemitteilung wurde bisher 642 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Alternativmethoden ersetzen Tierversuche: 20 Jahre erfolgreiche Arbeit der ZEBET am BfR"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
BfR startet Forschungsprojekt zur Gruppierung von Nanomaterialien in Gefährdungskategorien Am 14. und 15. Januar 2016 haben sich am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) internationale Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Behörden und Industrie zur gemeinsamen Auftaktveranstaltung f
Wild und Wein - aber sicher ...
BfR gibt Verbrauchertipps auf der Internationalen Grünen Woche 2016 Was ist eigentlich Wein, welche Kategorien und Qualitätsklassen gibt es und welche Verfälschungen? Worauf sollte beim Verzehr von Rohwurst aus Wildfleisch geachtet werden? Antworten auf diese und weitere Fragen erhalten Besu
Übertragbare Colistin-Resistenz in Keimen von Nutztieren in Deutschland ...
BfR weist auf die Übertragbarkeit eines Resistenzgens in der Human- und Veterinärmedizin hin Erste Untersuchungsergebnisse aus dem Resistenzmonitoring am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zeigen, dass das erstmalig in China nachgewiesene übertragbare Gen mcr-1, das eine Resistenz geg
Weitere Mitteilungen von Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
Terra X-Dokumentation 'Die Jahrtausendkathedrale', 'nachtstudio' und 'ZDF-History': ZDF-Programmakzent am 1. November zum Jubiläum des Mainzer Doms ...
hmen seines Engagements zum 1000-jährigen Jubiläum des Mainzer Doms widmet das ZDF dem Gotteshaus am Sonntag, 1. November 2009, einen besonderen Programmakzent. Kernstück ist eine 45-minütige Dokumentation "Die Jahrtausendkathedrale - Der Mainzer Dom", die um 19.30 Uhr in der Reihe &qu
Wenn das Schwerkraftmonster vom CERN die Erde verschlingt ...
Es geht um die im November beginnenden Versuche am Teilchenbeschleuniger CERN, der Urknallmaschine. Bisher gab es dort ein beängstigendes Szenario an Pannen. In dem Roman "Sekunde Null. Das Urknall-Experiment" tritt der „Worst Case“ ein, der schlimmste Fall. Ein gigantischer Rettungsp
Toms Bike Corner setzt auf Gore ...
Rosenheim, Oktober 2009. Sobald der Herbst einbricht geht die Bike-Saison dem Ende entgegen. Viele Radfahrer machen ihr Rad winterfest und verstauen es im Keller. Doch gerade im Herbst ist eine Ausfahrt in die Natur ein wahres Erlebnis. Angenehme kühle Luft, bunte Landschaft und interessante Lichts
Kenneth Heyer Philip Geipel: Pole und 2. Std 22. Min auf Platz 1 in Assen ...
> Vom Startplatz 1 im AD Porsche 997 gestartete Philip Geipel (D) behauptete beim 6. Lauf zum Dunlop Sports Maxx Endurance Cup (2,5 Stunden Rennen) in Assen (NL) von Beginn an die Spitze in seiner Klasse. Er mischte auch im Gesamtklassement konstant vorne mit. Dort lag er immer zwischen "




