Mangelnder Wettbewerb im Mobilfunk - Kunden zahlen in Deutschland überhöhte Preise
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Da bei Telefongesprächen in der Regel der Verursacher, also der A-Teilnehmer, die Kosten für das gesamte Gespräch in Rechnung gestellt bekommt, muss sein Netzbetreiber einen Teil der Einnahmen weitergeben, wenn das Gespräch das Netz des Betreibers verlässt. Offensichtlich halten die deutschen Mobilfunknetzbetreiber diese Terminierungspreise hoch und erzielen dadurch 15 bis 25 Prozent ihrer gesamten Umsätze. Jeder Anruf zu einem im Netz befindlichen Handy lässt die Kasse des Betreibers ordentlich klingeln. Da diese Preise in vielen europäischen Ländern deutlich niedriger liegen, ist es nicht verwunderlich, warum manche Anbieter von Festnetztelefonie Gespräche von Deutschland zu ausländischen Mobilfunknetzen günstiger anbieten können als Gespräche zu deutschen Mobilfunknetzen. "Diese Terminierungserlöse waren bisher eine sichere und profitable Einkommensquelle der Mobikfunkbetreiber. Wettbewerb hat dort im Grunde nur bei den aus dem Mobilfunknetz abgehenden Gesprächen stattgefunden. Wie so oft hat RegTP das Thema erst aufgegriffen, als sich schon eine Klage eines Anbieters abzeichnete. Übrigens hatte die EU-Kommission in Brüssel bereits Anfang 2003 die nationalen Regulierer dazu aufgefordert, den Wettbewerb im Mobilfunk unter die Lupe zu nehmen", so Khorshed. RegTP-Chef Matthias Kurth hatte das damals mit der Begründung abgelehnt, es sei genügend Wettbewerb in Deutschland vorhanden. "Wir liegen bei den zwischen den Anbietern ausgehandelten Preisen unterhalb der Entgelte in weiten Teilen Europas", äusserte sich Kurth im Februar 2003.
Dass der Wettbewerb im deutschen Mobilfunk aber gar nicht so ausgeprägt ist, belegt eine aktuelle Studie des finnischen Kommunikationsministeriums. Demnach zahlen die Mobilfunkkunden in Deutschland die höchsten Preise in Europa. Günstiges Land ist Dänemark, gefolgt von Luxemburg und Finnland, während am teuersten Ende der Skala die Schweiz und Irland vor Deutschland als dem teuersten Land kommen. Interessanterweise werden durch die hohen Preise die absoluten Erlöse der Mobilfunknetzbetreiber nicht höher, sondern der einzelne Kunde telefoniert einfach weniger. Die durchschnittlichen Erlöse im Monat pro Mobilfunkkunde in Deutschland liegen zwischen 23 und 30 Euro - etwa auf dem Niveau von Finnland. Dort bekommen die Kunden aber rund die doppelte Leistung für das gleiche Geld. Khorshed, dessen Unternehmen sich auch intensiv mit dem Themenkomplex "Dienste und Preisgestaltung" in der Telekommunikation beschäftigt, sieht mit der nach wie vor sichtbaren Tendenz zu einer Strategie hoher Preise auch die Durchsetzungsprobleme von neuen Diensten und Angeboten.
"Ob GPRS, UMTS oder WLAN, unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen funktionieren die Spielregeln des klassischen Marketings nicht mehr. Es kommt darauf an, möglichst schnell den Markt mit neuen Diensten zu durchdringen und dazu gehören Preise, die von Anfang an sehr attraktiv sind. Das altbekannte langsame Ausschöpfen des Marktes durch sukzessive sinkende Preise scheitert immer öfter", erklärt der Billingexperte. Mittelfristig werden zwar jetzt die Terminierungspreise im Mobilfunk durch Einflussnahme der Regulierungsbehörde sinken, aber von einem funktionierenden Wettbewerb, so Khorshed, könne hier keine Rede sein.
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Datum: 09.07.2004 - 16:09 Uhr
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