Absturz von Amts wegen: Toll-Collect, Herkules und die teutonische Malaise
ID: 13599
"Landauf, landab haben in den vergangenen 20 Jahren Ministerien und Behörden versucht, die Verwaltung elektronisch aufzumöbeln - fast immer gab es Probleme. Wie viel Geld dabei insgesamt verpulvert wurde, lässt sich nur grob schätzen. Das Toll-Collect-Trauerspiel hat bisher den Staat um weit über drei Milliarden Euro Einnahmen aus der elektronischen Mauterfassung geprellt; die virtuelle Jobbörse der Arbeitsämter hat Mehrkosten von 100 Millionen Euro erzeugt; und da der digitale Polizeifunk bis zur Fussball-Weltmeisterschaft 2006 nicht realisierbar ist, werden Millioneninvestitionen in das längst überholte analoge Funknetz nötig", führt "Die Zeit" weiter aus.
Weltweite Untersuchungen zeigen, dass zwar auch in der Privatwirtschaft ein Drittel aller Software-Projekte scheitert. Im öffentlichen Bereich ist die Misserfolgsquote allerdings besonders hoch. "Über Ausschreibung und Vergabe grosser IT-Projekte entscheiden dort häufig Juristen, denen es einfach an Sachverstand fehlt," sagt Dieter Rombach, Leiter des Fraunhofer-Instituts Experimentelles Software Engineering in Kaiserslautern. In einem Berliner Expertengespräch des Behörden Spiegels http://www.behoerdenspiegel.de, das in der Augustausgabe erscheint, warnen allerdings Vertreter des öffentlichen Dienstes und der Privatwirtschaft davor, die wichtigen Initiativen für die Modernisierung der IT-Infrastruktur zu zerreden. "Tatsache ist, dass man in allen Aufgabenbereichen der Verwaltung, sei es die hoheitliche Verwaltung, sei es die Leistungsverwaltung, gerade im IT-Bereich ohne externen Sachverstand nicht auskommen kann und dass es nur um die Rahmenbedingungen geht", sagte Heiner Wegesin, Leiter des Brandenburger Verfassungsschutzes http://www.verfassungsschutz-brandenburg.de. Der Vergabeprozess und die richtige Auswahl der Kooperationspartner müsse allerdings optimaler laufen. "Das scheint mir alles zu stark mit der teutonischen Malaise überzogen zu sein, wie auch manche anderen Dinge in der Deutschland AG. Ich wünsche mir bloss, dass man im Umgang mit öffentlichen Ressourcen unternehmerischer agiert, gerade in Zeiten knapper Kassen", betonte Wegesin im Behörden Spiegel-Gespräch.
Man müsse Kooperationsformen finden, die es Verwaltungen ermöglichen, marktnah und innovativ zu agieren. "Das Problem ist dann immer nur, dass wir es nicht pfennigfuchserisch runterbrechen müssen. Billige Lösungen können manchmal sehr viel teurer sein. Insofern gibt es auch kein Dogma, ich outsource unbedingt auf Teufel komm raus oder ich mache es selbst. Ich plädiere für etwas mehr Pragmatismus und auch etwas mehr Verantwortungsethik und unternehmerische Handlungsfreude, gerade auf den Leitungsebenen im öffentlichen Sektor", führte Wegesin aus.
Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangte Florian Doms, IT-Chef des Bundeseisenbahnvermögens http://www.bev.bund.de. "Wenn die Strukturen stimmen zwischen der handelnden Behörde und den externen Partnern, kann man eine sehr hohe Effizienz erreichen, wie sie eben gewöhnlich in der öffentlichen Verwaltung nicht zu erreichen ist, weil man in der Regel diese betriebswirtschaftlichen Strukturen nicht vorfindet". Ein Umdenken fordert auch Utz Schliesky, ITK-Verantwortlicher vom Deutschen Landkreistag http://www.landkreistag.de. "Das fängt bei Juristen an und geht bis zu Politikern. Zu einem wirtschaftlichen Denken der Verwaltung würde man viel einfacher kommen, wenn Mitarbeiter von Wirtschaftsunternehmen mal in die Verwaltung wechseln können und umgekehrt. Das ist im Moment in Deutschland sehr schwierig." Helmut Reisinger, Geschäftsführer des Stuttgarter IT-Dienstleisters Nextiraone http://www.nextiraone.de, sieht einen starken Trend zu mehr arbeitsteiliger Partnerschaft zwischen Staat und Wirtschaft: "Egal ob in der Ausprägung eines Komplett-Outsourcings oder in der Ausprägung eines selektiven Managed Services und Betreiberkonzeptes. Es muss auch entsprechend mit innovativen Finanzierungskonzepten hinterlegt sein, ob der knappen Kassen, die es einfach gibt. Und es braucht ein gehöriges Mass an beidseitiger Transparenz", so Reisinger.
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: cklemp
Datum: 16.07.2004 - 10:25 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 13599
Anzahl Zeichen: 0
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Matthias Schmitz
Stadt:
Hamburg/Berlin
Kategorie:
Information & TK
Meldungsart: Unternehmensinformationen
Versandart: bitte
Freigabedatum: 16.07.2004
Diese Pressemitteilung wurde bisher 834 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Absturz von Amts wegen: Toll-Collect, Herkules und die teutonische Malaise"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
medienbuero.sohn (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Und wer geht in ein Tantra-Studio? Gibt es gravierende Unterschiede zwischen Frauen und Männern? Bei den Paarmassagekursen, die Manumagic zum Beispiel auch in Köln in Kooperation mit Ananda http://www.tantramassage.de anbietet, ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern ausgeglichen. Anders si
Falsche Förderung des Fachpersonals – Unternehmen tun zu wenig für die Weiterbildung der Mitarbeiter ...
Allein 2007 gab es monatlich im Schnitt 25.000 offene Ingenieurstellen, von denen viele unbesetzt blieben. Da aber Tausende Ingenieure in Deutschland arbeitslos gemeldet sind, muss die Frage erlaubt sein, ob diese Leute den Anforderungen der Industrie nicht gewachsen sind. So einfach sei dies nicht,
SITEL und Onecircle gewinnen dritten Platz beim Win-Win-Cup 2004 ...
Stuttgart/Krefeld/Dessau, 15. Oktober 2004 - Auf grosses Interesse beim diesjährigen Win-Win-Cup vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) stiess die Präsentation des Contact und Call Center Dienstleisters SITEL http://www.sitel.de und der Düsseldorfer Werbeagentur Onecircle http://www.onecircle.de.
Weitere Mitteilungen von medienbuero.sohn
Deutscher Kinohit auf dem Handy ...
"(T)Raumschiff Surprise - Periode 1" Traumhaftes auch auf dem Handy! Handy-Inhalte zum Kino-Highlight des Sommers Köln, 12. Juli 2004 - Wir schreiben das Jahr 2304 in einer weit entfernten Galaxis. Die Mannschaft der "(T)Raumschiff Surprise" hat ein Fax bekommen. Der Befehl
IGEL Technology setzt Security-Massstäbe für Thin Clients ...
Als erster Thin Client Hersteller integriert IGEL das Kerberos Protokoll Bremen, 15. Juli 2004 - Clever Client Spezialist IGEL Technology erweitert seine Clever Client Lösungen um ein zusätzliches Sicherheitsfeature. Künftig werden alle mit der Emulationssoftware Powerterm ausgestatteten Cleve
Mercer-Studie zur Internet-Telefonie: Die Lawine rollt immer schneller ...
München - Die Internet-Telefonie hat das Potenzial zur Eroberung des Massenmarktes. Das ist das Ergebnis einer Studie von Mercer Management Consulting http://www.mercermc.de zu der in Fachkreisen "Voice over Internet Protocol" (VoIP) genannten Technik. Die auf einer Befragung von 1.000 Ve
coupons4u bringt Vorteils-Coupons unter das Volk ...
Coupons gewinnen nach dem grossen Erfolg in den USA auch in Deutschland immer mehr an Bedeutung. Unter www.coupons4u.de können jetzt auch deutsche Schnäppchenjäger mit den praktischen Rabattmarken jede Menge sparen. Ob kostenlose Zeitschriften-Abonnements, zeitlich begrenzte Einkaufsrabatte od




