Top News zum Start des LHC am CERN: Was man über kleine Schwarze Löcher wirklich wissen sollte
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Am Freitagabend wurde die Urknall-Maschine in Betrieb genommen. Viele fragen sich, ob von den möglicherweise entstehenden schwarzen Löcher eine reale Gefahr ausgeht. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten im Rahmen eines Interviews mit dem langjährigen Max-Planck-Wissenschaftler Dr. Rolf Froböse.
Cover des Buches "Sekunde Null"(firmenpresse) - ?: In Ihrem Buch "Sekunde Null. Das Urknall-Experiment" entsteht bei einem Versuch ein kleines Schwarzes Loch, das ständig wächst und die Erde ernsthaft bedroht. Gibt es hierfür einen realen Hintergrund?
Froböse: Ja – die Wissenschaftler am CERN schließen die Entstehung eines Schwarzen Lochs selber nicht aus. Allerdings behaupten sie, dass von mikroskopischen kleinen schwarzen Löchern keine Gefahr ausgehe. Ich sehe das völlig anders.
?: Welche Argumente werden vom CERN genannt, die gegen eine akute Bedrohung sprechen?
Froböse: Es gibt zwei unterschiedliche Argumente. Als erstes beruft man sich auf die so genannte Hawking-Strahlung. So hat Stephen Hawking postuliert, dass Schwarze Löcher Strahlung abgeben. Diese soll umso stärker sein, je kleiner die Masse des Schwarzen Loches ist. Das hätte wiederum zur Folge, dass mikroskopisch kleine Schwarze Löcher sehr rasch zerstrahlen. Entscheidender Schönheitsfehler: Es ist reine Theorie – kein Mensch hat die Hawking-Strahlung bisher nachweisen können. Vielmehr zeige ich in meinem Buch physikalische Gründe auf, weshalb gerade kleine Schwarze Löcher besonders aggressiv sind und ohne Übertreibung als Piranhas im Teilchenzoo bezeichnet werden dürfen.
?: Und das zweite Argument?
Froböse: Dieses ist rein empirischer Natur. Hierbei berufen sich die CERN-Wissenschaftler auf die hochenergetischen Protonen der kosmischen Strahlung, die seit Milliarden von Jahren auf die Erdatmosphäre treffen, ohne dass es jemals Probleme wegen eines spontan entstandenen Schwarzen Loches gegeben habe. Dabei werden allerdings Äpfel und Birnen verglichen, denn ein in der Erdatmosphäre auf natürliche Weise gebildetes Schwarzes Loch würde den Erdball mit Lichtgeschwindigkeit in Bruchteilen eine Sekunde durchqueren, ohne dass es zu einer nennenswerten Wechselwirkung kommt. Ganz anders ist die Situation beim LHC. Hier werden die Teilchen stark abgebremst. Dabei besteht durchaus die Gefahr, dass ein einmal gebildetes Schwarzes Loch sich schlimmstenfalls im Erdmantel einnistet und unaufhörlich wächst.
?: Sicherlich haben die Befürworter des Versuchs hierzu auch Beschwichtigendes zu sagen – oder?
Froböse: Deren Argument lautet sinngemäß wie folgt: Selbst wenn es zu diesem unwahrscheinlichen Fall käme, wäre die Massenzunahme so gering, dass es einige Milliarden Jahre dauern würde, bis es zu einer tatsächlichen Bedrohung käme. Das wäre zu einem Zeitpunkt, wo sich die Sonne längst zu einem Roten Riesen aufgebläht habe und die Erde unbewohnbar geworden sei. Dieses Szenario setzt allerdings eine lineare Massenzunahme des Schwarzen Lochs voraus.
?: Was Sie wiederum nicht für realistisch halten?
Froböse: Nein. Viel wahrscheinlicher ist es meines Erachtens, dass die Massenzunahme in einem sich selbst verstärkenden Prozess exponentiell erfolgt. Im schlimmsten Fall könnte es nur wenige Monate dauern, bis der gesamte Erdball implodiert. Zurück bliebe eine schwarze Murmel im All mit einem Durchmesser von knapp einem Zentimeter. Das wäre das Ende des Blauen Planeten.
?: Abschließende Frage. Das hört sich alles in allem doch eher nach einem Sachbuch an – oder?
Froböse: Nein – es ist ein Roman, da die Handlung und die Personen frei erfunden sind. Real ist dagegen der wissenschaftliche Hintergrund. Dies betrifft insbesondere Thesen neueren Datums über die Stabilität mikroskopisch kleiner Schwarzer Löcher.
Buchinfo: Sekunde Null. Das Urknall-Experiment, BoD GmbH Norderstedt, ISBN 978-3837053142, 156 Seiten, EUR 16,90. Jetzt im Handel.
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Datum: 23.11.2009 - 15:00 Uhr
Sprache: Deutsch
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Forschung und Entwicklung
Meldungsart: Interview
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Freigabedatum: 23.11.2009
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