Ist die Hausbank noch eine "sichere Bank"?

Ist die Hausbank noch eine "sichere Bank"?

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(firmenpresse) - Bonn/Köln - Der Bund katholischer Unternehmer (BKU) ist ein freiwilliger Zusammenschluss von katholischen Unternehmern und unternehmerisch Tätigen. Der eingetragene Verein hat seinen Sitz in Köln und ist als gemeinnützig anerkannt. Derzeit hat er rund 1.200 Mitglieder. Der BKU wurde am 27. März 1949 in Königswinter bei Bonn gegründet und versteht sich heute als katholische überparteiliche Plattform, um aus unternehmerischer Sicht Gesellschaft, Politik und Kirche zu gestalten. Die Bundes-vorsitzende des BKU, Marie-Luise Dött, ist Mitglied des Deutschen Bundestages (CDU) und selbständige Edelsteingutachterin. In einem Beitrag für das Mittelstandsmagazin Criticón http://www.criticon.de plädiert sie für eine neue Finanzierungskultur im deutschen Mittelstand. Marie-Luise Dött schreibt: "Die Finanzierung des Mittelstandes steht vor einer Zeitenwende. Die bislang gängige Finanzierung durch die ‚Hausbank‘ ist für viele keine ‚sichere Bank‘ mehr. Aus Sicht des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) benötigen wir für die Zukunft des Mittelstandes nichts Geringeres als eine neue ‚Finanzie-rungskultur‘.

Bislang bilden Kredite den Schwerpunkt der Mittelstandsfinanzierung in Deutschland. Das Kreditgeschäft konzentriert sich dabei meist auf die ‚Hausbank‘, da bei dieser die zu vergebenden Sicherheiten liegen. Oft sind diese beim Mittelständler auch das eigene ‚Haus‘ und andere wesentliche Werte des Privatvermögens, was dem Begriff ‚Hausbank‘ eine weitere Konnotation gibt. Viele dieser Sicherheiten haben im letzten Jahrzehnt an substanziellem Wert verloren und engen somit die Kreditspielräume weiter ein. Die gesamte Situation gefährdet die Investitions- und Innovationskraft der Unternehmen und letztlich ihre Existenz. Der Mittelstand ist aber das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, hier ge-wachsen und verwurzelt, den Menschen seines Umfeldes verbunden und verpflichtet. Unbeschadet einer stärkeren globalen Ausrichtung grösserer mittelständischer Unternehmen ist und bleibt für die meisten Unternehmen Deutschland als Standort alternativlos. Man könnte auch sagen: Der Mittelstand hat ‚lebenslänglich Deutschland‘. Er ist somit mehr als internationalisierte Grosskonzerne auf günstige Rahmenbedingungen in Deutschland angewiesen, und mit ihnen ihre Mitarbeiter und Kunden. Umgekehrt ist für die Sicherung von Wachstum und Wohlstand in Deutschland der Erhalt mittelständischer Unternehmen absolut notwendig.



Eine über Jahrzehnte verfehlte Steuerpolitik liess dem Mittelstand wenig Chancen und keinen Anreiz zur Bildung von genügend Eigenkapital. Der härtere Wettbewerb auf dem Finanzdienstleistungsmarkt führt nun für die Kreditinstitute zu sinkenden Margen, und da sie durch staatliche Regulierung (Basel II, Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft der Kreditinstitute ‚MaK‘) steigenden Fixkosten und Investitionsausgaben unterliegen, wird Eigenkapital für die Kreditinstitute teuerer. Deshalb steigt auch der Druck auf die mittelständischen Unternehmen, mehr Eigenkapital zu bilden. Mehr Eigenkapital be-deutet für die mittelständische Wirtschaft mehr Bewegungsspielräume und günstigere Konditionen. Deshalb führt für den deutschen Mittelstand kein Weg an einer Geschäftspolitik vorbei, die deutlicher an der Steigerung des Eigenkapitals orientiert ist.

Diese neue Finanzierungskultur muss der Mittelständler aktiv betreiben! Er selbst beziehungsweise der angestellte Geschäftsführer muss künftig den Finanzbereich neben Einkauf, Produktion und Ver-trieb als Kernprozess begreifen. Die Unternehmer werden das innerbetriebliche Berichtswesen und ih-re Planungs- und Steuerungsinstrumente ausbauen müssen, und dazu gehört auch, dass die Hausbank beziehungsweise die Kernfinanzpartner regelmässig, rechtzeitig und ausführlich über alle relevanten Unternehmens- und Finanzentwicklungen informiert werden. Die Entwicklung neuer Finanzierungsinstrumente führt zudem zu einer höheren Komplexität, die einen intensiven Austausch der Partner erfordert. Vor allem dann, wenn die Kernqualifikation des Unternehmers im technischen Bereich liegt, empfiehlt es sich, neben dem Steuerberater andere Unternehmens- und Finanzberater als Sparringspartner zu haben oder qualifizierte und unabhängige Beiräte zu bilden.

Mittelständische Unternehmen sind häufig Familienunternehmen, in denen die Anteile von verschie-dene Familienmitgliedern gehalten werden. Auf Grund der zukünftig stärkeren Bedeutung des Eigenkapitals kommt diesen als Finanziers eine zentrale Bedeutung zu. Unterschiedliche Interessen der Familienmitglieder, von denen ein Grossteil oft nicht in die Geschäftsführung eingebunden ist, gilt es zusammenzuführen. Unternehmerfamilien ist eine langfristige Portfolio-Strategie anzuraten, die den persönlichen Bedürfnissen der einzelnen Mitglieder wie dem langfristigen Erhalt des Unternehmens dient und Grundsätze der Entnahmepolitik aufstellt. Es empfiehlt sich, ein solches ‚Familienmanage-ment‘ im Unternehmen institutionell zu verankern.

So wie börsennotierte Adressen Ihre Investoren, Aktionäre sowie Kapitalgeber und Analysten im Sinne von ‚Investor Relations‘ pflegen, werden auch die mittelständischen Unternehmer die Beziehung zu ihren Kapitalgebern pflegen müssen. Es gilt der Grundsatz, sich um seine Finanziers genauso intensiv und regelmässig zu kümmern, wie um seine Mitarbeiter, Kunden und Zulieferer. Was für Anteilseigner in der eigenen Familie gilt, gilt natürlich in mindestens gleichem Masse für dritte Anteilseigner und andere Kapitalgeber. Sich um sie als Finanziers zu kümmern, muss Chefsache sein. Gemeinsam mit der Hausbank, dem Beirat und/oder unabhängigen Finanzpartnern gilt es dann, die für das jeweilige Un-ternehmen adäquaten Finanzierungsinstrumente zu ermitteln.

Manche Bank hat in den vergangenen Jahren beim Mittelstand Vertrauenskapital verspielt. Dies gilt es zurückzugewinnen. Dies gelingt am ehesten durch Kontinuität der Geschäftspolitik und einer systema-tischen Mittelstandsorientierung der Kreditinstitute, durch Kontinuität, Professionalität und Individualität in der Kundenbetreuung, die mit Einfühlungsvermögen in unternehmerisches Denken und Handeln und ein Mindestmass an Branchenkompetenz einhergehen muss, sowie durch Systemtransparenz des bankinternen Ratingprozesses und durch Transparenz der Einzelbewertung des kundenspezifischen Ratingergebnisses. Gerade der Ratingprozess im Rahmen von Basel II bietet hier Chancen: Das Ra-tingverfahren führt nämlich zur Systematisierung der Kreditprozesse und zur besseren Aufdeckung von Schwächen und Stärken im Unternehmen. Gerade die in den Regionen verankerten Kreditinstitu-te verfügen oft durch langjährige Kundenbeziehungen über spezifisches Wissen, das zur differenzier-teren und aktuelleren Risikobewertung führt, wovon sowohl der Kunde wie auch das Kreditinstitut selbst profitieren.

Bei fundierter Vorbereitung sowie partnerschaftlicher Begleitung durch die Hausbank können zusätzliche Unternehmenspotenziale gehoben werden: eine strategische Planung und optimierte Steuerung der Betriebsabläufe sowie eine intensive Produkt- und Leistungsentwicklung können gelingen, und Fragestellungen wie die der Unternehmensübergabe können rechtzeitig angegangen und kommuni-ziert werden. Ein so weiterentwickeltes Hausbank-Prinzip stellt eine offene, regelmässige und vertrau-ensvolle Kommunikation in den Mittelpunkt der Geschäftsbeziehung.

Die Höhe der Steuersätze, die kontinuierlich gewachsenen Sozialabgaben und insbesondere ein Steuersystem, das die Eigenfinanzierung bestraft und die Kreditaufnahme belohnt, haben sich in den vergangenen Jahrzehnten als thesaurierungsfeindlich erwiesen. So lange die Zinsen von bereits versteuerten Gewinnen, die wieder in das Unternehmen investiert werden, im folgenden Jahr erneut mit der vollen Steuerlast belegt werden, während die Zinsen für aufgenommene Kredite die Steuerlast des Unternehmens mindern, solange wird eine zukunftsfähige Eigenkapitalausstattung des Mittelstan-des politisch verhindert. Auf diese Benachteiligung des Mittelstandes hat die Politik immer nur mit staatlichen Finanzierungsprogrammen reagiert. Bei besseren Rahmenbedingungen und in einer le-bendigen freiheitlichen Wirtschaftsordnung wären diese Programme grösstenteils überflüssig.

Neben dieser steuerlichen Behinderung, der absoluten Höhe von Steuern und Sozialabgaben ist vor allem die mangelnde Berechenbarkeit der Steuerpolitik ein unkalkulierbares Risiko. Die häufigen und im Zeitabstand immer schneller sich ereignenden Veränderungen des bereits heute schon unüberschaubaren Steuerrechts machen in zunehmendem Masse jede für ein Unternehmen unabdingbare mittel- und langfristige Planung unmöglich. Für die Zukunft des Mittelstandes ist deswegen eine bere-chenbare Steuerpolitik, die das Re-Investieren einmal versteuerter Gewinne in das Unternehmen fördert und die Generationennachfolge erleichtert, unverzichtbar. Dies ist eine Kernforderung des BKU.

Vor allem für kleine und mittlere Betriebe stellt die überbordende Bürokratie eine enorme zeitliche und finanzielle Belastung dar. Unternehmer wollen entwickeln, produzieren, Arbeit schaffen und sich um ihre Kunden kümmern, nicht aber nach einem 12-Stunden-Tag in Geschäft oder Betrieb noch stundenlang endlose Formulare ausfüllen und Papierkriege führen. Statt dirigistischer Eingriffe und einengender Gesetzgebung sollten Politik und Verwaltung für transparente und einfache Regelungen sorgen. Die besonders in Deutschland lähmend langsamen Genehmigungsverfahren sind ein enormer Wettbewerbsnachteil für die deutsche Wirtschaft, und der Mittelstand leidet darunter besonders. Sollen Innovationen zügig in Investitionen und damit in konkurrenzfähige Produkte und Dienstleistungen umgesetzt werden, dann müssen bei Genehmigungen zeitliche Dauer und Aufwand, die immer auch finanzielle Kosten bedeuten, unverzüglich und umfassend reduziert werden.

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Datum: 05.11.2004 - 14:41 Uhr
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