Weihnachtsgeschäft als Bewährungsprobe für UMTS
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Zwei Schlüsselfragen entscheiden nach Einschätzung von Experten über den Erfolg oder Misserfolg von UMTS. Die Frage nach dem Sinn und Zweck von hohen Übertragungsbandbreiten für kleine, mobile Endgeräte wie Handys und Smartphones konnte bisher von den Anbietern nicht beantwortet werden. Mobiler Fotoversand via MMS ist kein Geschäft und ob der Download von Musik auf das Handy ein Erfolg wird, ist sehr zweifelhaft. Selbst die "mobile Videotelefonie" ist umstritten. Und für den Zugriff auf normale Internetseiten eignen sich solche Endgeräte nicht. Displaygrössen und Browserfähigkeiten reichen für multimediale Webseiten nicht aus. Bislang wartet die Branche also noch immer auf die Killerapplikation für Multimedia-Handys.
Sonst bleibt an mobilen Anwendungen der transparente Internetzugang mittels Notebook - also eher eine stationäre Anwendung. Hier steht UMTS aber in unmittelbarem Wettbewerb mit Public WLAN. Die zweite Schlüsselfrage ist: Wie schnell setzt sich mobile IP-Telefonie durch, also VoIP auf dem Handy. Zweifellos eignet sich UMTS für IP-Telefonie, aber Brancheninsider sehen mobile IP-Telefonie unmittelbar in Zusammenhang mit einer deutlichen Reduktion der Minutenpreise. So könnte zwar mobiles VoIP den ersehnten Verkehr für die UMTS-Netze bringen, würde dabei aber nicht nur die Geschäftspläne für UMTS kippen, sondern gleichzeitig das profitable GSM-Geschäft kannibalisieren.
Bringt UMTS nicht binnen kurzem profitable Dienste für den Massenmarkt hervor, könnte sich das "Window of Opportunity" rasch schliessen. Es gibt genügend Alternativen und Nachfolgetechnologien. Mit der Konzentration auf attraktive urbane Gebiete steht UMTS mit Public WLAN-Hotspots im Wettbewerb. Den Mangel der Reichweite werden die drahtlosen Ethernet-Zugänge ab 2005 mit dem neuen Standard WiMAX ablegen.
"Eine ganze Reihe von Netzbetreibern und Herstellern stufen WLAN und WiMAX als ernstzunehmende Alternative ein. Entscheidend wird hier sein, dass die Zugangs- und Authentisierungsverfahren praktikabel und weit verbreitet sind. Wir gehen davon aus, dass sich bei WLAN ein Roaming vergleichbar mit GSM durchsetzt. Der Anwender bekommt eine Zugangskennung, die er bei der Masse der Hotspot-Betreiber per Roaming einbuchen kann," erläutert Toni Stadelmann, Geschäftsführer von WeROAM http://www.weroam.com in Bern. WeROAM ist spezialisiert auf Dienste für Wireless Internet Service Provider (WISP) und bietet Roaming, Authentisierung und Subscriber-Management sowie Konvertierung zwischen IP und SS7, dem Inter-Carrier-Protokoll für Sprachnetzkopplungen. Nicht auf das Übertragungsprotokoll und die Technik komme es an, resümiert Stadelmann, sondern auf die einfache Handhabung und die universelle Verwendbarkeit: "Der Anwender muss problemlos und automatisch in WLAN-Hotspots roamen können, am besten gleich auf Basis des Vertrags für seine GSM SIM-Karte. Wenn die Abdeckung gross genug ist, wenn er in allen für den Geschäftsalltag wichtigen Footprints roamen kann, dann hat der drahtlose, nomadisierende Internetzugang den Massenmarkt erreicht."
Mobile IP-Telefonie wird sich nach Ansicht vieler Branchenkenner sehr schnell etablieren. Welches Übertragungsverfahren ihm zugrunde liegt, ist technisch gesehen unerheblich. Aber die Kosten für den Lizenzerwerb und den Netzaufbau müssen mit den Einnahmen abdeckbar sein. Und hier könnte sich in Deutschland mit den extrem hohen Lizenzkosten aus dem Jahr 2000 das Problem für UMTS auftun. Auch in anderen Ländern sind mobile Datendienste mit anderen, günstiger zu realisierenden Übertragungsverfahren schon viel erfolgreicher als UMTS, etwa in Japan, wo KDDI mit einem Dienst auf Basis CDMA2000-1X Marktführer ist. "Drahtloser, transparenter Internetzugang ist im Grunde ein Low-end Produkt. Das wird sich bald auch in den Preisen niederschlagen. Betreibe ich darüber IP-Telefonie, so wird der Internetzugang zwar veredelt und damit höherwertiger, aber der Dienst steht dann in Wettbewerb mit anderen mobilen wie auch leitungsgebundenen Telefondiensten. Der Wettbewerb diktiert dann das Preisniveau. Daher liegen die besseren Marktchancen bei den Verfahren mit der kostengünstigeren Infrastruktur", sagt Stadelmann.
Die Wettbewerbssituation mit mobiler IP-Telefonie dürfte auch darüber entscheiden, ob UMTS noch eine Atempause für eine Marktdurchdringung bekommt oder nicht. Die meisten derzeitigen Marktführer im Mobilfunk, die auch gleichzeitig UMTS-Lizenzen erworben haben, setzen eher auf eine spätere Einführung von VoIP und wollen damit ihre Investitionen schützen. In England und den USA sind aber Anbieter wie British Telecom Mobile und Cingular bereits dabei, mobile IP-Telefonie auf Basis Public WLAN in den nächsten ein bis zwei Jahren einzuführen. "UMTS-Handys werden nur solange einen gewissen Markterfolg erreichen können, solange keine Alternative verfügbar ist. Die treibende Kraft für den mobilen Datenverkehr im Massenmarkt werden aber nicht Multimedia-Anwendungen sein, sondern die IP-Telefonie. Verbreiten sich drahtlose, telefoniefähige WLAN-Zugänge rasch, so haben sie gegenüber UMTS auch die niedrigeren Kosten und somit die besseren Preise auf ihrer Seite. Und auf attraktive Handys mit VoIP-Funktion für WLAN werden wir nicht lange warten müssen, sie sind schon in Entwicklung ", weiss Stadelmann.
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