Herhof: "Insolvenz und Wiedergeburt eines Mittelständlers"
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Anfang 2005 meldete Herhof beim Amtsgericht Wetzlar Insolvenz an. Ende einer vielversprechenden deutschen Exportchance? Muss schon wieder ein Mittelständler das Feld für Konzerne räumen?
Die Vorgeschichte liegt Jahre zurück. Die chronisch klammen Kommunen entdeckten das Instrument der Public-Private-Partnership (PPP). Sie begannen, Abfallbehandlungsanlagen, klassischerweise Deponien und Müllverbrennungsanlagen, nicht mehr zu kaufen und selbst zu betreiben, sondern übergaben diesen Teil des Geschäfts Anlagenbauern und Entsorgungsunternehmen. Die Kommunen bezahlten die Betreiber nur noch für den tatsächlich angelieferten Abfall pro Tonne. Die langfristige Finanzierung der Anlagen und das Betreiberrisiko wurde auf die Privatunternehmen übertragen. Der hohe Finanzbedarf beschleunigte den Trend zur Konzentration der Entsorger. Viele Mittelständler blieben auf der Strecke.
Mit seinen vier Trockenstabilat-Anlagen in Asslar (in Betrieb sei 1997), Rennerod (2000), Dresden (2001) und Venedig (2001) hatte sich Herhof soweit tapfer geschlagen. Auch zur Finanzierung künftiger Werke wurde der mittelgrosse Stromversoger EAM an die Seite geholt, bis dieser 2002 nach mehrheitlicher Übernahme durch den Strommulti E.ON als Finanzier wegbrach. E.ON zog es vor, Tochtergesellschaften zu unterstützen, die Müllverbrennungsanlagen bauen.
Herhof ruderte heftig im Finanzstrudel und gewann Ende 2003 die irische Vermögensgesellschaft Treasury Holdings Ltd. als neuen Eigner und Investor. Vorher war Treasury bereits Vertriebspartner von Herhof für Irland und Grossbritannien. Zu dieser Zeit blickte man auf vier Jahre zurück, in denen vier Trockenstabilat-Werke fertiggestellt wurden. Die Taktzahl hat sich seitdem erhöht. Allein in diesem Jahr sollen fünf neue Werke in Trier, Osnabrück, Nordhessen, Brandenburg und im belgischen Geel in Betrieb gehen. Weitere Anlagen seien in den Auftragsbüchern, so ist aus Fachkreisen zu vernehmen.
Wie Treasury und Herhof am 13. Januar in einer gemeinsamen Erklärung mitteilen, kam es durch einen vorübergehenden Liquiditätsengpass zu dem Insolvenzantrag. Der Insolvenzverwalter äussert sich in der Mitteilung zuversichtlich, kurzfristig eine tragfähige Finanzierung präsentieren zu können. Hinter den Kulissen liefen Verhandlungen mit neuen Investoren aus Irland und England auf Hochtoren. Darunter befinde sich eine britische Grossbank.
Um abschätzen zu können, ob Herhof das endgültige Aus oder eine Wiedergeburt bevorsteht, lohnt sich ein Blick über den Kanal. Erst kürzlich meldeten britische Medien einen Run irischen Investmentkapitals auf das Königreich, dort in alter Rivalität als beunruhigend empfunden. Das Privatkapital aus dem irischen Wirtschaftswunder schwappt von der grünen Insel auch auf das Festland und sogar nach Nordamerika und China. Der wesentliche Unterschied zwischen irischen Privatkapital und dem von deutschen Banken scheint der zu sein, dass ersteres gute Chancen sucht und Mut hat, während letzteres sich eher scheu und ängstlich verhält. Nach Erfahrungswerten mit irischen Investoren dürfte Herhof wohl eher eine Erfolgsgeschichte schreiben als das unglückliche Schicksal einiger Wettbewerber zu teilen. Thermoselect, Trienekens, RWE Umwelt, Umweltschutz Nord und Farmatic Biotech sind nur ein Teil der Liste von weniger erfolgreichen Abfallverwertern.
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Datum: 14.01.2005 - 12:58 Uhr
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