China wird auch für den deutschen Mittelstand zunehmend attraktiver
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Der Sinologe Stefan Friedrich, seit 2001 Leiter des Projektbüros der KAS in Schanghai und Mitherausgeber des "Grossen China-Lexikons", warnt vor einem zu blauäugigen Blick auf die chinesischen Verhältnisse. Dabei gebe es einigen Grund für China-Euphorie: "Das erste Formel-eins-Rennen auf chinesischem Boden, der erste Chinese im Weltall, der erste kommerziell betriebene Transrapid, chinesische Firmen, die auf den Weltmarkt drängen, die nächsten Olympischen Spiele in Peking, die Expo 2010 in Schanghai - dies alles sind Beispiele für Chinas Bestreben, eine Führungsposition in der Welt einzunehmen", so der Autor. Friedrich versucht, sowohl "China-Bashing" als auch "China-Euphorie" zu vermeiden. Die nackten Zahlen wirken in der Tat verheissungsvoll: Seit 1979 erzielt die Volksrepublik jährlich durchschnittliche Wachstumsraten von 8,5 Prozent. Davon kann das deutsche "Reich der Starre" (Kai Strittmatter) nur träumen.
In den Jahren 2002 und 2003 - so Friedrich - gelang es China, mit jeweils mehr als 50 Milliarden US-Dollar die Vereinigten Staaten vom ersten Platz der Länder mit den weltweit höchsten ausländischen Direktinvestitionen zu verdrängen. Dass China nicht nur für Grosskonzerne, sondern auch zunehmend für den deutschen Mittelstand von Interesse ist, belegen die Einlassungen von Mario Ohoven. Der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) http://www.bvmwonline.de prognostiziert: "Ein Ende der Abwanderung von Arbeitsplätzen in Niedriglohnländer ist nicht abzusehen. Kostenvorteile im Ausland könne indes das Überleben des Betriebes in Deutschland sichern." Und er nennt weitere Zahlen: Als zukünftiger Produktionsstandort und Absatzmarkt rangiere Osteuropa mit 67 Prozent für den Mittelstand zwar klar vor Asien. Aber in Asien sei China mit 78,2 Prozent weit vorne.
Friedrich verschweigt allerdings auch nicht die Risiken, die von der chinesischen Staatsführung selbst angegangen werden müssen. So bestehe die Gefahr der Überhitzung der chinesischen Wirtschaft. Die strukturell grössten Schwierigkeiten ginge aber von drei Konfliktfeldern aus: dem Umbau der dortigen Staatsunternehmen, der Reform des Finanzsektors und der hohen Arbeitslosigkeit. Euphorie für das in China Erreichte und Geleistete sowie Hoffnung in die Leistungsfähigkeit der politischen Führung seien jedoch durchaus angebracht: "Der Umbau des chinesischen Wirtschaftssystems von einer Plan- zu einer Marktwirtschaft ist in vollem Gange. Dabei sind grosse Erfolge erzielt worden, die sich insbesondere in den Metropolen manifestieren."
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Datum: 03.02.2005 - 12:00 Uhr
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