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Golden Bazaar: Trends in Markt und Welt - Neo-feudalistische Victory-Zeichen und negative Assets

14.10.2005 - 12:26 | 16708
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(firmenpresse) - Bonn, www.ne-na.de - Ab Dezember wird der Finanzexpte Hans-Peter Raddatz als ständiger Mitarbeiter in der Printausgabe von NeueNachricht http://www.ne-na.de, die dann vierteljährlich erscheinen wird, wichtige Trends in Wirtschaft und Finanzwelt kommentieren. Da sie mit Menschen zu tun haben, werden dabei auch Anmerkungen über politische und gesellschaftliche Vorgänge erforderlich. Hier schon ein kleiner Vorgeschmack:

Der Zusammenhang zwischen globalen Ursachen und regionalen Wirkungen ist bekannt. Wir können daher nicht vermeiden, zuweilen auch an die Interaktion zwischen Politik und Ökonomie zu erinnern.

Primär wollen wir uns auf wichtige Markttrends konzentrieren und dabei hoffen, dass die Sachanalyse einigermassen unbehindert bleibt. Weder neo-feudalistische Victory-Zeichen von Bankvorständen noch deren Plakatierung als "Heuschrecken", die nach neo-sozialistischer Wahrnehmung über die Länder herfallen, können den komplexen Abläufen unserer Zeit gerecht werden.

In der Hauptsache nehmen wir Deutschland und Europa in den Blick, die allerdings im trilateralen Kontext - Europa, USA, Fernost - zu sehen sind. Unsere Rubrik des "Golden Bazaar" ist eine milde Umschreibung des Globalrennens um Produktivität, Profitabilität und Re-Investment, in dem der Wettbewerb um Basisressourcen wie Arbeit, Rohstoffe und Staatsmonopole (Kommunikation, Energie, Altersversorgung, Gesundheit, Wasser etc.) sowie um technologische Marktanteile deutlich wird.

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Mithin sind die Weltbörsen kaum voneinander zu trennen. Seit Jahren bilden die "Vorgaben aus New York" eine feste, nicht immer rationale Grösse in der Kursdynamik Europas. Auch die Konkurrenz um fernöstliche Absatzmärkte erschwert die "Prudence", das Abwägen zwischen kurzfristigem Vorteil und langfristigem Sinn der Investition. Mit anderen Worten: Aktionen des unternehmerischen "Fitmachens", die positiv auf Kursbildung und Kreditrating wirken, erscheinen weniger konstruktiv für die Interessen der "Volks"-Wirtschaft. Die Globalisierung strebt den optimalen Standort, d.h. die staatlichen Ressourcen an und muss somit auch die ökonomische und finanzielle Effizienz nomadisieren.



Nahezu ratlos schauen Weltbank und Weltwährungsfonds auf die von ihnen selbst geschaffenen Ungleichgewichte, die sich erkennbar aufzustauen beginnen. Seit Jahren schieben die USA eine immense Verschuldung vor sich her, die nicht nur die interne Inflation antreibt, sondern auch eine externe Gefährdung der globalen Zins- und Liquiditätsstruktur bedeutet. Während das Weltwachstum auf 4% veranschlagt wird, steht Europa mit 2 Prozent zu Buche, während Deutschland mit 1 Prozent - nur für wenige überraschend - negativ aus dem Rahmen fällt.

Dieses Land wird also unter besonderen Druck geraten, wenn es aufgrund eines möglichen Domino-Effekts der US-Zinsen zu einem Run in Staatspapiere kommt. Weiterhin gelten die USA als sicherer "Kapitalhafen" und können von steigenden Zinsen eher profitieren. Letztere treffen die ebenfalls defizitären Haushalte der EU-Führungsländer weitaus härter, weil Investments dort schwächere Renditen und Wachstumsbedingungen vorfinden. Deutschland führt diese Negativspirale an, wobei die steigenden Energiepreise eine fatale Rolle spielen. Sehr gefährdet bleibt der Immobilienmarkt, der sich trotz historischen Zinstiefs kaum erholen konnte.

Auf eine solche Entwicklung verweist auch die hohe Liquidität, die führende Banken derzeit aufbauen. Gerade sie haben sich global engagiert und müssen mit vermehrten Einbussen rechnen, die mithin im Euroland höher als in den USA ausfallen. Auch in Fernost sind geringere Folgen zu erwarten, weil Japan und die Tigerstaaten aus ihrem Desaster gegen Ende des abgelaufenen Jahrhunderts gelernt und die Unternehmen ihre Kapitaldecke aufgestockt haben.

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Vor diesem längerfristigen Hintergrund tritt die Zwischenhausse der europäischen Börsen - in Deutschland, England und Frankreich, aber auch in der Schweiz - zunächst in eine gebremste Phase mit wachsendem Korrekturdruck ein. Wenn sie noch etwa 5 Prozent über den Stand von Ende September zulegen, stossen Dax, CAC, FTSE und SMI an Widerstände, die eine Weiterentwicklung erschweren, zumal auch der Dow Jones eher schwächer tendiert. Ein Retest der 10000 gehört hier zum Programm der nächsten Wochen, sobald die 10350 überwunden sind.

Diesem Muster entsprechen auch die Währungen. Bei Minuspotentialen von Euro und Sterling auf etwa 11850 bzw. 17500 kann sich der Dollar gegen den Yen noch auf Werte um 11450 befestigen, während das Plus in Richtung Schweizer Franken weitgehend ausgereizt ist. Die Zinsen bleiben vorläufig stabil, nähern sich allerdings wichtigen Levels, ohne sie zu durchbrechen. Bis auf weiteres ist das Szenario durch begrenzte Bewegungsräume und erhebliche Labilität gekennzeichnet.

Dabei wird die politische Instabilität, wie sie in Deutschland nicht erst nach den Wahlen besteht, die Neigung der Unternehmen zum Abbau ihres Engagements weiter verstärken. Die Parteien müssen sich nicht nur fragen, ob die personelle und sachliche Qualität ihrer Wirtschaftsberatung den kommenden Aufgaben entspricht, sondern auch, ob sie die erforderliche Distanz bewahren.

Solange die Governance (Staatsführung) als Management verstanden wird, kann Deutschland eindeutig als negatives "Asset" gelten. Aus dieser Sicht sind dessen Institutionen zu sanieren, indem man sie von den Interessen des Staates abkoppelt und auf das globale Projekt ausrichtet. Bei unseren Streifzügen durch die Märkte des "Golden Bazaar" wird kein Mangel an Anschauungsmaterial herrschen.

Hans-Peter Raddatz, promovierter Volkswirt und Orientalist, mit langjähriger USA- und Nahosterfahrung im Bank- und Firmenbereich, erlangte grössere Bekanntheit als Buchautor zu sozialpolitischen Fragen der Globalisierung und Migration.

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Freigabedatum: 14.10.2005


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