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Staat wendet das meiste Geld für die Älteren auf

18.01.2006 - 16:13 | 18017
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(firmenpresse) - Bonn - Der demographische Wandel wird Europa in unterschiedlicher Form treffen. Der künftige Bevölkerungsrückgang in Europa geht vor allem auf das Konto Osteuropas, schreibt Martin Schulte in der Januar-Ausgabe von IWG aktuell, den Informationen aus dem Institut für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG) Bonn http://www.iwg-bonn.de. Nach einer Projektion der Vereinten Nationen sinkt die europäische Bevölkerung bei unverändert niedrigen Geburtenraten bis 2050 trotz Zuwanderung und steigender Lebenserwartung von heute 728 Millionen um 122 auf 606 Millionen. Mit 96 Millionen entfallen allerdings fast vier Fünftel des europäischen Bevölkerungsschwundes auf Osteuropa, so Schulte.

Nach Einschätzung von Michael Müller, Geschäftsführer der a & o-Gruppe http://www.ao-services.de und Wirtschaftssenator im Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) http://www.bvmwonline.de, hat dies langfristige wirtschaftliche Folgen: "Zurzeit profitiert beispielsweise Österreich ökonomisch sehr stark davon, dass es als Drehscheibe zwischen Ost und West fungiert. Auf lange Sicht wird die wirtschaftliche Bedeutung der mittel- und osteuropäischen Länder aber wieder abnehmen. Die rückläufige Bevölkerungsentwicklung wird aller Voraussicht dazu führen, dass Osteuropa als Absatzmarkt und Produktionsstandort an Attraktivität einbüssen wird."

Doch auch wenn der Bevölkerungsanteil West- und Nordeuropa von 39 Prozent auf 46 Prozent im Jahr 2050 ansteigen dürfte, müssen sich die westeuropäischen Staaten auf diesen Wandel einstellen. "Bisher waren insbesondere die jüngeren Fachkräfte für Innovationen zuständig. Universitätsabsolventen sorgten oft für frischen Wind, da sie über neues Wissen verfügen. Demnächst muss die Innovationsoffensive auch von den Älteren angestossen werden", folgert Marc Emde, Geschäftsführer der Kölner Kirch Personalberatung http://kirchconsult.de, aus den Forschungsarbeiten des IWG.

Laut Stefanie Wahl, Geschäftsführerin des IWG, müssen sich die Deutschen rechtzeitig auf alternde Belegschaften einstellen. Dies heisst zunächst, dass die Alterszusammensetzung der Belegschaft analysiert werden sollte. Altersbezogenes Personalmanagement hat dafür zu sorgen, dass auf der Grundlage der demographischen Analyse eine Personal- und Karriereplanung auch für ältere Mitarbeiter aufgestellt wird. Wahl räumt mit gängigen Vorurteilen auf: "Aus Sicht Personalverantwortlicher von Betrieben ist die Leistungsfähigkeit älterer, eingearbeiteter Arbeitskräfte häufig nicht schlechter als die jüngerer." Die Bonner Wissenschaftlerin empfiehlt ferner die Einrichtung eines altersgerechten Arbeitsumfeldes. Zudem müsse die Weiterbildung älterer Arbeitnehmer ausgebaut werden.



Eine Beibehaltung des Senioritätsprinzips wird sich nach Auffassung von Wahl als Beschäftigungshürde erweisen. "Die Vergütung sollte bei der Leistung und nicht beim Lebensalter ansetzen", meint auch Emde. Die IWG-Geschäftsführerin befürwortet allgemein die stärkere Berücksichtigung gewinn- und erfolgsabhängiger Komponenten bei der Entlohnung. Abschliessend rät die Forscherin dazu, die Arbeitsbedingungen in deutschen Unternehmen familienfreundlicher zu gestalten und Zuwanderer konsequent zu integrieren.

Kritik übt Wahl an der Politik der Grossen Koalition. Es sei nicht nachvollziehbar, dass das schwarz-rote Bündnis als "eine der ersten Amtshandlungen" die umstrittene 58er-Regel bis 2007 verlängert habe. Danach können Arbeitslose ab 58 auch dann Arbeitslosengeld beziehen, wenn sie keinen Job mehr annehmen wollen. Die 58er-Regelung "schönt" letztlich die Arbeitslosenstatistik, da die nicht arbeitsbereiten Personen auch nicht als Arbeitslose registriert werden. "Statt ältere Arbeitnehmer gezielt zu fördern, können Unternehmen die Lasten der Alterung ihrer Belegschaften weiter der Arbeitslosenversicherung und damit der Allgemeinheit aufbürden", warnt Stefanie Wahl. Ausserdem gebe der Staat bisher mit 21.300 Euro 2005 für über 59-jährige fast doppelt so viel aus wie für unter 20-jährige und sogar 2,6 mal so viel wie für 20- bis 59-jährige.


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