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Holland nicht mehr in Not - Gesundheitspolitik im Nachbarland könnte Vorbild für Deutschland sein

25.01.2006 - 13:11 | 18117
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(firmenpresse) - Hamburg/Lindau - Die Gesundheitspolitik ist eines der heikelsten Felder für die Grosse Koalition in Berlin. Tausende Ärzte reagieren auf die vermeintliche Untätigkeit der Politik mit Demonstrationen. SPD und Union müssen einen Kompromiss finden zwischen der Bürgerversicherung und der Kopfpauschale. Als mögliche Variante erscheint das so genannte niederländische Modell. Seit dem 1. Januar 2006 gelten dort neue Regeln. Die Niederlande trennen nun zwischen Basisversorgung und zusätzlicher Eigenvorsorge. Die Gesundheitsvorsorge für die Kinder wird aus Steuern finanziert.

Dies bedeute aber nicht, dass sich der Sozialstaat verabschiedet habe, schreibt die Wochenzeitung Die Zeit http://www.zeit.de. Jeder Niederländer müsse krankenversichert sein. Die Basisversicherung koste etwa neunzig Euro im Monat. Zusätzlich zu der Prämie leisten Arbeitnehmer einen einkommensabhängigen Beitrag. Der liege momentan bei 6,5 Prozent und werde vom Arbeitgeber erstatte. Selbständige und Freiberufler zahlten einen verminderten Beitrag, für Sozialhilfeempfänger komme der Staat auf. Wer im Laufe eines Jahres keine Gesundheitsleistungen in Anspruch nimmt, bekommt sogar bis zu 255 Euro zurück. Und wer weniger als 25.000 Euro brutto verdiene, dem zahle der Staat einen Versorgungszuschlag von bis zu 400 Euro.

Auch wenn der holländische Fall jetzt auch in Deutschland diskutiert wird, bezweifeln Experten, dass hier zu Lande eine grundlegende Reform möglich sei. Das niederländische Gesundheitssystem sei jahrzehntelang in einem Atemzug mit den extrem üppig ausgestatteten Wohlfahrtsstaaten in Skandinavien genannt worden. "Als die öffentlichen Mittel ab den 80er und 90er Jahren knapper zu werden begannen, beeindruckten die Niederlande durch ihren Reformwillen, und dies nicht nur im Gesundheitsmarkt, auch im Arbeitsmarkt oder beim Steuerrecht. Insofern ist das Bewundernswerte an der Reform in Holland weniger der Inhalt der Reform, als die Tatsache, das Gesellschaft und Politik sich überhaupt auf eine grundlegende Reform verständigen konnten. Für Deutschland scheint dies nicht zu gelten", so Michael Sander, Geschäftsführer der TCP Terra Consulting Partners GmbH http://www.terraconsult.de in Lindau und Marketingvorstand des CareHelix-Instituts für Management und Dialog im Gesundheitswesen http://www.carehelix-institut.de.



Wenn man einen wirklichen Gesundheitsmarkt mit mehr Wettbewerb wünsche, dann müsse auch die gesamte selbstverwaltende Organisation auf den Prüfstand. Es könne dann nicht länger sein, dass Kassen nur mit den Verbandsorganisation von Ärzten, Apothekern und Krankenhäusern Einkaufsverhandlungen führen können, sagt Sander: "Will man allerdings auch den Versicherten in Eigenverantwortung nehmen, dann muss man auch in Frage stellen dürfen, warum es ein naturgegebenes Gesetz sein soll, dass die Arbeitgeber an die Krankenkosten gebunden sind. Warum darf es nicht in Frage gestellt werden, dass ein Arbeitgeber für den privaten Ski-Unfall, im Rahmen der Lohnfortzahlung bezahlen muss."

Ohne schonungslose Offenheit werde es aber nicht zu einer grundlegenden und überlebensfähigen Reform des Gesundheitswesens kommen. Möglicherweise hat auch nur ein relativ kleiner Staat wie die Niederlande noch die gesellschaftliche Konsistenz, derartige Reformen einfach einmal anzupacken, etwas auszuprobieren, um dann zu sehen, wo man nachsteuern muss. "Dabei ist es dann völlig egal, ob auf dem Etikett Kopfpauschale oder Bürgerversicherung vermerkt ist. Intelligente Elemente haben beide Modelle. Wenn ich ein Auto baue, dann muss ich mich vom Motorenkonzept irgendwann entscheiden, ob der Motor auf der Vorderachse oder Hinterachse sitzt. Beide Varianten erlauben den Bau hervorragender Autos, nur die Varianten mit zwei Motoren oder einem Motor mittendrin, machen von der Sache her am wenigsten Sinn, sind aber am wahrscheinlichsten in der Politik zu erwarten", gibt der Berater zu bedenken.


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