Mittelständische Entsorgungsunternehmen fürchten die Marktmacht der grossen Konzerne
27.01.2006 - 15:27 | 18154
(firmenpresse) - Bonn - Der mittelständische Abfallwirtschaft steht nach Angaben des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) eine Fusionswelle bevor. Die grossen der Branche führten einen Verdrängungswettbewerb zu Lasten des Mittelstandes. Auch die kommunalen Unternehmen prüfen den Wiedereinstieg ins Müllgeschäft. "Der BVSE fordert von der Politik, eine ‚Regulierungsinstitution’ zu schaffen, die den kleineren Entsorgungsfirmen einen transparenten und diskriminierungsfreien Zugang zu den Müllverbrennungsanlagen gewährleistet", schreibt die Frankfurter Rundscahu. Ein Warnzeichen sei die "Megafusion" des Entsorgungskonzerns Rethmann mit RWE Umwelt zum Marktführer Remondis. Mit der Ende 2005 vollzogenen Übernahme des Unternehmens Cleanaway durch den Herforder Entsorger Sulo sei als Nummer zwei ein weiteres Super-Schwergewicht entstanden - mit einem Umsatz von 1,2 Milliarden Euro, 200 Dienstleistungsstandorten und rund 8000 Beschäftigten.
"Weitere Fusionen sind angekündigt. So will die Berliner Alba-Gruppe den Kölner Entsorger Interseroh übernehmen. Alba plant damit, in die Verpackungsentsorgung einzusteigen und dem Dualen System Deutschland (DSD) Konkurrenz zu machen. Ziel ist, ein eigenes System für Rücknahme und Verwertung von Verkaufsverpackungen aufzubauen. Bisher ist das DSD noch unangefochten Marktführer in diesem Segment, in dem der Jahresumsatz bei 1,4 Milliarden Euro liegt. In Branchenkreisen halten sich zudem hartnäckig Gerüchte, dass Remondis beim DSD einsteigen könnte", so die Frankfurter Rundschau. Gleichzeitig komme offenbar eine Rekommunalisierung in Gang. "Eine Reihe öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger will das Müllgeschäft künftig wieder in Eigenregie führen", führt die Frankfurter Rundschau weiter aus. Auch die aggressive Übernahmestrategie von Finanzinvestoren verschärfe den Konzentrationsprozess in der Abfallbranche.
"Bei ihrer europaweiten Jagd auf Müll sind Finanzinvestoren jetzt in den Niederlanden fündig geworden. Ein Konsortium aus CVC Capital Partners, Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) und Oranje-Nassau Groep ist sich mit der Rotterdamer Stadtverwaltung einig, deren Unternehmen AVR für 1,4 Milliarden Euro zu übernehmen. Die Transaktion reiht sich ein in eine Vielzahl von Deals in der Konsolidierung der Abfallbranche - auch und gerade in Deutschland", berichtet die Börsen Zeitung.
Finanzinvestoren seien seit einiger Zeit "heiss" auf den Müll - auch auf Aktivitäten in Kontinentaleuropa, nachdem einige Aufbereiter in Grossbritannien schon länger in den Händen der auf Infrastruktur konzentrierten Fonds sind. Hierzulande habe KKR die Grüne-Punkt-Firma Duales System Deutschland (DSD) erworben und Blackstone gemeinsam mit Apax 2004 den Entsorger Sulo übernommen, der wiederum vor einigen Wochen 570 Mill. Euro für Cleanaway zahlte. Entstanden war daraus Europas fünftgrösster Müllkonzern.
Der Deal in den Niederlanden könnte nach Einschätzung des Handelsblattes auch Auswirkungen auf den deutschen Markt haben. Die Londoner KKR-Sprecherin Zoe Watt schränkte zwar ein, dass Synergien zwischen den beiden Beteiligungen DSD und AVR noch nicht absehbar seien, das Geschäft sei aber dasselbe. Zudem plane AVR, in den Nachbarstaaten durch weitere Akquisitionen zu wachsen. "In Deutschland gibt es für uns noch keine konkreten Übernahmeziele", sagte Watt gegenüber dem Handelsblatt. "Falls sich eine Gelegenheit bietet, sind dort Zukäufe aber denkbar." Anders als DSD verfüge der Marktführer auf dem niederländischen Entsorgungsmarkt AVR über eine eigene Müllverwertung.
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