Kooperation von Unternehmen und Universitäten steckt noch in den Kinderschuhen
13.02.2006 - 12:53 | 18502
(firmenpresse) - Bonn/Köln - Lebenslanges Lernen erfordert regelmässige Weiterbildung. In den vergangenen Jahren hat Deutschland in punkto Bildungspolitik schlechte Noten bekommen. Bei der Weiterbildung sind in erster Linie die Unternehmen gefragt. Schenkt man den Ergebnissen der Weiterbildungserhebung 2005 des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) http://www.iw-koeln.de Glauben, so haben die Unternehmen ihre Hausaufgaben erledigt: Im Jahr 2004 investierten nämlich gut 84 Prozent der Unternehmen in das Know-how ihrer Mitarbeiter. Von den Firmen mit mehr als 250 Beschäftigten waren sogar 92 Prozent in Sachen Qualifizierung aktiv. Die häufigste Form der Weiterbildung sei das Training on the Job gewesen, so der IW-Report.
Insgesamt gaben die Betriebe rund 26,8 Milliarden Euro für die Weiterbildung aus: Das machte in 2004 im Schnitt 1.072 Euro pro Mitarbeiter. Diese finanziellen Leistungen betreffen Seminargebühren, Referentenhonorare und die Ausgabe für Lernmaterialien. Die Weiterbildungsausgaben unterscheiden sich von Branche zu Branche. Den grössten Stellenwert geniesst die Qualifizierung der Mitarbeiter bei Finanzdienstleistern, Unternehmensdienstleistern und in der Industrie. Viele der befragten Unternehmen wünschen sich eine engere Kooperation mit den Universitäten. "In einigen Landeshochschulgesetzen ist die Weiterbildung klar als eine Aufgabe der Hochschulen definiert", sagt Michael Müller, Geschäftsführer der a & o-Gruppe http://www.ao-services.de und Wirtschaftssenator im Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) http://www.bvmwonline.de. "Meiner Erfahrung nach geschieht hier aber noch zu wenig. Natürlich gibt es so etwas wie das Seniorenstudium. Doch das hat mit Weiterbildung im eigentlichen Sinne ja nichts zu tun. Sinnvoll wäre es, wenn die Universitäten zum Beispiel exakt zugeschnittene Angebote für Manager machen würden, damit diese mit den neuesten Ergebnissen der Forschung vertraut gemacht werden können. Dies ist angesichts der demographischen Veränderungen um so wichtiger, damit diese Eliten nicht auf einem überholten Wissensstand verharren."
Dass Weiterbildung immer wichtiger wird, betont auch Klaus F. Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) http://www.diw.de in Berlin. "Die Hauptaufgabe besteht aber darin, durch einen konsequenten Ausbau der Weiterbildungsbranche alterndes Humankapital ständig an moderne Anforderungen anzupassen", so der Ökonom. Zimmermann äussert sich kritischer als das IW Köln. Aktuellen Untersuchungen zufolge bildeten sich lediglich ein Fünftel der Erwerbstätigen regelmässig weiter. Besonders fatal: Insbesondere Arbeitslose bilden sich nur zu zehn Prozent weiter. Erwerbstätige und arbeitslose Ausländer hätten sogar nur die Hälfte dieser Aktivitätsrate. Diejenigen, die sowieso schon gut qualifiziert sind, investieren aber mehr Zeit in Qualifizierungsmassnahmen. Bei hoch qualifizierten Beschäftigten liege die berufliche Weiterbildungsaktivität bei 40 Prozent. "Menschen mit hohem Humankapital bilden sich auch deutlich stärker fort", stellt Zimmermann fest.
Dass einige Gewerkschaften den Qualifizierungsumfang jetzt im Tarifvertrag festschreiben lassen wollen, stösst auf Unverständnis bei den meisten Unternehmern. Die Situation in den einzelnen Betrieben sei zu unterschiedlich. Ausserdem sollten sich die Mitarbeiter nicht nur auf Weiterbildungsangebote des Staates oder des Arbeitgebers verlassen. "Selbständigkeit ist auch hier Trumpf. Ein flexibler und geistig wacher Mitarbeiter kann sich auch mit Hilfe von Fachzeitschriften und Fachbüchern auf den neuesten Stand bringen. Und wer es etwas moderner und spannender haben will, sollte auf E-Learning zurückgreifen", empfiehlt Günter Greff, Vorstand der e-learn AG http://e-learn.de.
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