Jury für Nachrichtenaufklärung: Berichterstattung über Grünen Punkt unzureichend
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"Seit 1990 gibt es das Duale System der Mülltrennung, dessen umweltökonomischer Sinn bei seiner Einführung von Umweltverbänden stark bemängelt wurde. Mittlerweile gibt es jedoch nur noch selten Kritik, obwohl sich an den Bedingungen nichts geändert hat: Der Weg des Mülls ist kompliziert und bietet viele Lücken für Betrug, die Fehlerwurfquoten in den Haushalten sind unverändert hoch und finanzielle Verflechtungen der Systembetreiber mit ‚externen Gutachtern’ lassen an der Wirksamkeit der Kontrollen zweifeln", so die Jury. Jeder Bürger werde durch die Mülltrennung im eigenen Haushalt, gelbe Säcke und den Grünen Punkt auf den Verpackungen mit dem System konfrontiert - die Hintergründen kenne aber kaum jemand. "Dabei bezahlt alleine der Verbraucher das ganze System: Jede von der DSD (und anderen Systembetreibern) lizenzierte Verpackung kostet einige Cent mehr - damit wird die Entsorgung und Wiederverwertung des Produkts gleich in Rechnung gestellt", schreibt die Jury in ihrer Urteilsbegründung. Insgesamt 25 bis 30 Milliarden Euro hätten die Verbraucher in den vergangenen 15 Jahren für den Grünen Punkt gezahlt - ein erheblicher Betrag, bei dem die Kunden ein berechtigtes Interesse daran haben dürften, dass dieser auch umweltökonomisch sinnvoll eingesetzt werde. Eine Diskussion über das bestehende System mit seinen Stärken und Schwächen sei somit das Mindeste, was sie verlangen könnten.
"Obwohl das 15-jährige Bestehen der DSD im Jahr 2005 Gelegenheit geboten hätte, einmal eine Bilanz des Dualen Systems zu ziehen, wurde diese Chance von kaum einem Medium genutzt. Die DSD war zwar vor allem in der Wirtschaftspresse Thema, als dieses zuvor Non-Profit-Unternehmen durch eine Private-Equity-Firma, die US-amerikanische KKR, aufgekauft wurde. Einzig in einem taz-Artikel darüber wurden einige der recherchierten Bereiche angesprochen, auf keinen wurde jedoch ausführlich eingegangen", so das Fazit der Jury.
Die Initiative Nachrichtenaufklärung wurde im Mai 1997 von Professor Peter Ludes in Siegen gegründet. Zu dem Gründerteam und zu der ersten Jury gehörten Imme de Haen, Ingrid Kolb, Professor Ulrich Saxer, Georg Schütte und Dr. Hermann Meyn. Vorbild der Initiative Nachrichtenaufklärung ist das US-amerikanische "Project Censored". Ziel der Initiative Nachrichtenaufklärung ist es, wichtige Nachrichten und Themen (hauptsächlich aus dem deutschsprachigen Raum), die in den Medien nicht genügend berücksichtigt wurden, stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen.
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Datum: 17.02.2006 - 14:02 Uhr
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