(firmenpresse) - Frauen entscheiden sich seltener für eine Geldanlage in Wertpapieren als Männer. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Derivate-Instituts. Bei den traditionellen Spar- und Anlageformen wie Sparkonto, Lebensversicherung oder Immobilien liegen Frauen und Männer fast gleichauf. Die grössten Unterschiede im Anlageverhalten gibt es beim Besitz von Aktienfonds, Aktien, Anlagezertifikaten sowie Investmentfonds.
Obwohl es wohl nichts geschlechtsneutraleres als Geld gibt, wird das Thema immer wieder aus männlichem oder weiblichem Blickwinkel betrachtet. Nicht zuletzt, weil Banken mit einer gezielten "Frauenberatung" neue Geschäftsfelder erschliessen wollen. So geht beispielsweise die Raiffeisenbank im österreichischen Gasteinertal in die Offensive mit einer "Bank für Frauen", deren Interesse an Geldanlagen damit geweckt werden soll. Mit einer bankeneigenen Plattform "Women and Finance" will sie Frauen die Scheu vor Geldanlagen nehmen. Der Studie des Derivate-Instituts zufolge besitzen elf Prozent der befragten Männer Aktien, während es bei den Frauen lediglich fünf Prozent sind. Entsprechend ist das Interesse für die Finanzmärkte verteilt. Das hat unterschiedliche Gründe, weiss Fleur Platow, die (nicht nur) Frauen mit ihrem Buch "Mehr Sicherheit beim Geldanlegen" einen Wegweiser durch das Börsendickicht an die Hand gibt. Allerdings hat sie kein wissenschaftliches Lehrbuch vorgelegt, sondern plaudert aufschlussreich über die Geheimnisse der modernen Finanzwelt. Sätze wie "Um das Finanzielle kümmert sich mein Mann" sollen nach der Lektüre von Platows Buch der Vergangenheit angehören.
Dabei stellt sie unmissverständlich klar, dass geschlechtsspezifische Gründe für Erfolg oder Misserfolg an der Börse nicht existieren: "Wenn Männer und Frauen die gleichen Bedingungen haben, dann unterscheiden sie sich nicht in der Geldanlage." Noch immer verfügen Frauen allerdings über rund ein Drittel weniger finanzielle Ressourcen als ihre männlichen Mitstreiter und somit über eine dünnere finanzielle Basis. Ausserdem scheint vielfach die Vermögensbildung Männersache zu sein, wie die Bankberaterin Barbara Aigner von der Raiffeisenbank im Gasteinertal feststellt: "Bei der Beratung ist deutlich heraus gekommen, dass das Bankengeschäft noch meist von Männern durchgeführt wird und die Produktthematik bei Frauen noch wesentlich vertieft werden kann. Insofern ist da noch viel Potenzial vorhanden."
Das will Fleur Platow mit ihrem Buch befördern, auch weil immer mehr Frauen sich auch eigenverantwortlich um ihre Altersvorsorge kümmern müssen. Denn drei Viertel aller Frauen, so das ernüchternde Ergebnis einer Studie des Kölner Marktforschungsinstitutes Psychocomics, werden im Alter über kein ausreichendes Einkommen verfügen um ihren Bedarf zu decken. Wer aber Erfolg an der Börsen haben will, für den sollten Bücher, Seminare und die regelmässige Zeitungslektüre zum Pflichtprogramm gehören, rät die Tochter des Begründers der Platow-Börsenbriefe nicht nur ihren Geschlechtsgenossinnen.
Fleur Platow fand erst relativ spät den Weg zum Börsengeschehen. "Naturgemäss langweilte mich diese für ein Kind allzu trockene Materie", beschreibt sie ihre Jugend, die sie im finanzmarktaffinen Elternhaus verbrachte. Zum Leidwesen ihres Vaters konnte sie sich für die wirtschaftspolitischen Themen des Tages nicht erwärmen: "Ihm gelang es trotz vielfältiger Bemühungen zunächst nicht, mich von einem anlagepolitischen Greenhorn in einen Börsenfreak zu verwandeln." Erst in den siebziger Jahren holte sie die Thematik ein, sie habe die Banken- und Finanzwelt mit anderen Augen gesehen und die Meinung abgelegt, dass es genüge, charmant, freundlich und smart aufzutreten. "Man muss sich, um kompetent zu sein, im finanzpolitischen Dschungel zurechtfinden!" Bevor sie eine Marktlücke entdeckte und das Thema Frauen und Börse zu ihrem Schwerpunkt machte, war sie unter anderem Korrespondentin für International Reports in Zürich.
Aus ihren Erfahrungen hält sie das so genannte schwache Geschlecht für weniger risikofreudig. Daher informierten sich Frauen nach ihrer Meinung vor einem Aktienkauf ausführlicher. "Der grosse Vorteil von Frauen bei der Geldanlage ist, dass sie mehr Intuition besitzen", meint Platow. Das Dilemma folgt auf dem Fuss: Je mehr sie über die Finanzmärkte wissen, desto mehr wird der Instinkt überlagert. Drei wichtige wie einfach zu befolgende Ratschläge gibt Platow ihren Lesern mit auf den Weg über das mitunter glatte Börsenparkett: "Niemals alle Eier in einen Korb legen", die Anlagen also auf unterschiedliche Segmente verteilen. Zweitens sollten Investoren nur günstig bewertete Aktien kaufen, wobei sie sich vor allem das Kurs-Gewinn-Verhältnis anschaut. Und drittens legt sie bereits beim Kauf Limits fest, und zwar für steigende wie fallende Kurse.
Fleur Platow: Mehr Sicherheit beim Geldanlegen - Frauen investieren anders.Hoffmann und Campe Verlag: Hamburg 2002. 240 Seiten, 16,90 Euro, ISBN 3-455-09351-5
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