Die Grippe kommt, wenn die Sonne geht
ID: 23188
Lange haben die Wissenschaftler gerätselt, wieso die Grippewellen fast immer in der "dunklen Jahreszeit” über das Land schwappen, warum der Virus sozusagen das Licht scheut.
Eine Gruppe englischer, kanadischer und US-Forscher, darunter so bekannte Namen wie die Profs. R. Vieth, M. F. Holick, C. F. Garland, W. B. Grant und E. Giovanucci, glauben jetzt, die Antwort gefunden zu haben:
Vitamin D-Mangel durch mangelnden Sonnenschein auf der Haut.
Schon 1981 hatte der britische Wissenschaftler R. Edgar Hope-Simpson die Vermutung geäussert, dass es da einen "saisonalen Auslöser” gäbe und hatte ihn bereits in Sonnenstrahlen, oder besser, dem Mangel daran vermutet.
Die in Kürze erscheinende (online vorpublizierte) Review-Studie von Prof. Vieth und anderen gehen jetzt einen Schritt weiter. Aus früheren Studien ist der Einfluss des Vitamin D (genauer des Hormons 1,25(OH)2D) auf das Immunsystem bekannt. Einerseits hilft das Vitamin bei der Produktion der antimikrobiotischen Peptide, die die Viren bekämpfen, andererseits sorgt es aber auch dafür, dass der Kampf nicht aus dem Ruder läuft und z.B. Lunge und Atemwege zerstört.
Da etwa 90 Prozent der Vitamin D-Bildung in der menschlichen Haut durch die Sonnenseinstrahlung gebildet wird, wird das Vitamin D auch "Sonnenschein-Vitamin" genannt.
Da in unseren Breiten bereits Anfang Oktober der "Vitamin D-Winter” beginnt, wo die Produktion von Vitamin D im Körper durch die Sonneneinstrahlung immer geringer wird
und schliesslich ganz aufhört, können die Grippeviren in dieser Zeit die natürlichen Verteidigungsbarrieren des menschlichen Körpers durchbrechen und sich massenhaft ausbreiten. Hinzu kommt, dass der moderne Mensch, vor allem der Stadtbewohner, ohnehin durch seine Lebens- und Arbeitsweise mit Sonne "unterversorgt” wird.
"Die Standard-Behauptung in Medien und selbst in Fachorganen , ein paar Minuten täglich mit blossen Händen und Gesicht in der Wintersonne genüge für eine ausreichend Vitamin D Produktion im Körper ist gleich aus mehreren Gründen Unfug", so Dr. Norbert Schmid-Keiner, Mediziner und Vorsitzender des Photomed-Verbands: "Die normale Wintersonne ist nicht stark genug, überhaupt die Vitamin D-Synthese in der Haut in Gang zu setzen. Zudem scheint nun einmal die Sonne im Herbst und Winter nicht täglich und nicht alle Menschen haben die Zeit und Gelegenheit, sich in der Mittagszeit zu sonnen. Hier wird eine bewusste Verharmlosung zum Nachteil der Gesundheit breiter Bevölkerungsschichten betrieben."
Mehr Sonne (egal ob natürliche oder künstliche) gegen die Grippe? Ganz so weit gehen die Forscher in ihren Aussagen (noch) nicht. Eine begründete Vermutung aber führt die Wissenschaft oft genug auf die Spur einer wirkungsvollen Therapie. Und die Sonne hat sich als heilende Kraft bereits an vielen Fronten bewährt - in den letzten Jahren zunehmend auch von der Wissenschaft (wieder-)entdeckt.
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Datum: 29.09.2006 - 14:45 Uhr
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