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Die HSH Nordbank hat nach Informationen des Radioprogramms NDR Info offenbar versucht, einen der wichtigsten Zeugen der Staatsanwaltschaft mit der Weitergabe eines Dossiers unter Druck zu setzen. Der vom Chefjustiziar der Bank, Wolfgang Gößmann, unterzeichnete halbfertige Untersuchungsbericht wurde unmittelbar nach Erstellung an mehrere Zeitungen weitergeleitet. In dem Papier wird der frühere Geschäftsführer der HSH-Filiale London, der Spanier Luis Marti Sanchez, mit dubiosen Geldflüssen und mittelbar mit Betrug und Untreue in Verbindung gebracht. Zum Zeitpunkt der Weitergabe war bekannt, dass Sanchez plante, sich auch gegenüber den Ermittlungsbehörden im Verfahren gegen Verantwortliche der HSH ausführlich zu äußern und damit den Vorstand um Bankchef Dirk Nonnenmacher erheblich zu belasten. Auf Grund des weitergeleiteten Dossiers berichteten mehrere Zeitungen in großer Aufmachung über die angeblichen Verfehlungen des Mannes. Allerdings stellte sich wenig später heraus, dass die Vorwürfe haltlos waren. Der Vorstand der HSH hatte den fraglichen Vorgang selbst genehmigt.
Auslöser für die öffentlich erhobenen Vorwürfe gegen Sanchez waren offenbar den HSH-Vorstand belastende Aussagen gegenüber Sonderprüfern der Kanzlei Freshfields. Der Spanier hatte den Anwälten im August 2009, ein halbes Jahr nach seinem Ausscheiden aus der HSH, über die umstrittenen Omega-Geschäfte der Bank berichtet. Außerdem hatte er seine Bereitschaft erklärt, auch bei der Hamburger Staatsanwaltschaft auszusagen. In der zweiten Oktoberwoche 2009 erhielten Medien das von HSH-Justiziar Gößmann - einem der engsten Vertrauten von Bankchef Nonnenmacher - unterzeichnete zwölfseitige Papier, in dem nahegelegt
wird, dass sich Sanchez durch Zahlungen über eine angebliche Scheinfirma bereichert habe. In einer gleichzeitig per Pressemitteilung bekanntgemachten Strafanzeige sprach die HSH von "Vermögensdelikten zu Lasten der Bank".
Ein von der Personalabteilung der HSH erstelltes Gutachten war nach Informationen von NDR Info jedoch bereits zu dem Schluss gekommen, dass die Zahlungen unbedenklich waren. Zudem stellten selbst die vom HSH-Aufsichtsrat beauftragten Freshfields-Anwälte in ihrem Rechtsgutachten Anfang November 2009 fest, dass nach sechs Monaten Untersuchung "keine durchschlagenden Zweifel an der Zuverlässigkeit" des Spaniers geblieben seien. Für die Hamburger Staatsanwaltschaft war die Aussage von Sanchez später ausdrücklich der Grund, das zunächst allgemein gegen Verantwortliche der HSH geführte Verfahren jetzt direkt gegen Bankchef Nonnenmacher und seine Vorstandskollegen zu richten.
Der derzeit von der Bank freigestellte Chefjustiziar Gößmann ließ seine Anwälte feststellen: "Herr Dr. Gößmann hat zu keinem Zeitpunkt ein Papier der (...) beschriebenen Art Journalisten ausgehändigt." Die HSH Nordbank wollte zu dem Sachverhalt keine Stellungnahme abgeben.
Zitate frei bei Nennung NDR Info. Rückfragen beantworten Jürgen Webermann und Peter Hornung, NDR Info-Reporterpool, Tel.: 040/4145-2284.
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