Spaßkultur und Technikbegeisterung kein Widerspruch
ID: 25614

(firmenpresse) - Kulturkritische Bildungsdiskussion in Deutschland geht an Bedürfnissen der Jugendlichen vorbei
Von Gunnar Sohn
Berlin, www.ne-na.de - 2007 soll ganz im Zeichen der Geisteswissenschaften stehen. Doch die Ausstrahlung der Germanistik oder Geschichtswissenschaft auf die Öffentlichkeit ist nach Expertenmeinung eher marginal. Anders als in den angelsächsischen Ländern schotten sich manche Gelehrte gern von der breiten Masse ab und bewohnen ihre Eigentumswohnung im Elfenbeinturm. Unter dem Motto „Geisteswissenschaften. ABC der Menschheit" wird das Wissenschaftsjahr 2007 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) http://www.bmbf.de gemeinsam mit der Initiative "Wissenschaft im Dialog" http://www.wissenschaft-im-dialog.de ausgerichtet.
Was bleibt aber vom Informatikjahr 2006? Es habe die Erwartungen seiner Organisatoren erfüllt. Bildungspolitiker und Informatiker zeigten sich zufrieden. Nun gelte es, die positiven Wirkungen nicht wie ein Strohfeuer verpuffen zu lassen und Technikfeindlichkeit, IT-Fachkräftemangel sowie digitale Spaltung weiterhin nachhaltig zu bekämpfen, berichtet das Onlineportal der ZDF-Nachrichtensendung heute http://www.heute.de. Die Experten fordern, der Informatik ein weiteres Wissenschaftsjahr zu widmen. Dass die Gesellschaft ein besonderes Interesse für Naturwissenschaften und Technik zeigt, daran meldet der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg Lothar Späth erhebliche Zweifel an. Früher sei das anders gewesen: „Lokomotivführer und Astronauten waren lange Zeit Galionsfiguren der modernen Industriegesellschaft." Späth zufolge haben sich die kindlichen Berufswünsche geändert, „weil sich unsere Gesellschaft mit der Beherrschung von moderner Technik nicht mehr so stark identifiziert wie früher, geschweige denn den ‚Fortschritt durch Technik’ mit Leidenschaft betreibt". Cicero-Chefredakteur Wolfram Weimer habe darauf hingewiesen, dass die „Heldenkultur von einst", die Entdecker, Erfinder und Tüftler in den Mittelpunkt der Verehrung gerückt habe, der „Welt der Models, Fußballer und Showmaster" gewichen sei.
Schwierigkeiten mit einem solchen kulturkritischen Ansatz hat Michael Sander von der Lindauer Unternehmensberatung Terra Consulting Partners (TCP) http://www.terraconsult.de. „Späth will eine - wie er sagt - kulturelle Haltung überwinden, um Naturwissenschaften und Technik wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Eine solche geistig-moralische Wende ist sehr schwer zu bewerkstelligen. Angesichts des sich schon jetzt abzeichnenden Mangels an Fachkräften können wir uns das aber nicht leisten", sagt Sander. Man solle sich gar nicht darauf konzentrieren, den jungen Leuten ihren Spaß an Sportstars oder sonstigen Superstars zu vergällen, die sie täglich bei deren Arbeit im Fernsehen beobachten könnten. „Für mich heißt das, dass die Tüftler und Ingenieure noch stärker als bisher auf die jungen Leute zugehen müssen, zum Beispiel in den Schulen. Jugendliche begeistern sich doch durchaus für moderne Technik. Sie mögen Computer, Autos oder iPods. Es ist besser, durchaus auch den Spaßfaktor bei modernen Technik zu sehen. Früher wollten die Kinder ja schließlich auch Lokomotivführer oder Astronaut werden, weil sie sich diese Tätigkeiten als spannend vorstellten. Kein Kind möchte später Ingenieur werden, um das Land vor einem Mangel an Ingenieuren zu bewahren", so der Berater. „Wenn Späth plakativ Naturwissenschaft statt Selbstinszenierung fordert, ist mir das zu defensiv. Auch mit dem dauernden Lamento über den Hedonismus und die vermeintliche Oberflächlichkeit der Gesellschaft kommt man bei den Jugendlichen nicht weiter“, betont Sander.
Die Wertediskussionen von Politikern, Pädagogen und Wissenschaftlern gehe nach Ansicht von Michael Müller, Geschäftsführer der auf IT-Dienstleistungen spezialisierten a&o-Gruppe http://www.ao-services.de und Wirtschaftssenator des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), am Kern der Probleme in Deutschland vorbei: „Die Lehrkräfte vermitteln keine Technikbegeisterung, keinen Gründergeist und keine positive Einstellung zur Markwirtschaft. Das beweist der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) der Universität Hannover. In der Kategorie‚ gesellschaftliche Werte und Normen, also der Akzeptanz von Selbständigen und Gründern, ist Deutschland mittlerweile ins unterste Drittel von 33 untersuchten OECD-Staaten abgerutscht. Eine Kultur des selbständigen Handelns wird in Schulen und Universitäten von den öffentlich-rechtlich abgesicherten Lehrern und Professoren nicht vermittelt. Bei der gründungsbezogenen schulischen Ausbildung liegen wir nur auf Platz 29. Selbst China hat uns überholt“, kritisiert Müller. Ökonomen, Naturwissenschaftler, Unternehmer und Erfinder würden in der Öffentlichkeit wenig Anerkennung genießen. „Hauptmeinungsbildner sind eher Schriftsteller und Kulturschaffende, die ihre antikapitalistischen und technikfeindlichen Ressentiments pflegen. In einem Land, dessen Zukunft von Wirtschaftskraft und technischem Fortschritt abhängt, ist das ein Alarmzeichen“, warnt Müller. Links- und Rechtsintellektuelle verströmten keinen progressiven Geist. „Die meisten sind technologische Angsthasen, globalisierungsfeindlich eingestellt und hängen an überholten Kulturbildern, die mit der Lebenswelt des 21. Jahrhunderts nichts mehr zu tun haben“, moniert Müller. Die staatszentrierte Sichtweise sei nach Auffassung Hans-Wolff Graf vom Bundesverband für Steuer-, Finanz- und Sozialpolitik http://www.zeitreport.de ein Ergebnis des politischen Systems. Selbständigkeit als Antrieb für Veränderungen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel werde von den Staatsparteien überhaupt nicht gewünscht. „Unsere Politiker leben zu gut von dem System der Entmündigung“, so Graff im Interview mit der Zeitschrift brandeins http://www.brandeins.de.
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: cklemp
Datum: 09.01.2007 - 10:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 25614
Anzahl Zeichen: 0
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Gunnar Sohn
Kategorie:
Bildung & Beruf
Meldungsart: Unternehmensinformationen
Versandart: kein
Freigabedatum: 09.01.07
Diese Pressemitteilung wurde bisher 879 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Spaßkultur und Technikbegeisterung kein Widerspruch"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
medienbüro.sohn (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Facebook-Browser könnte soziale Netzwerke umpflügen Berlin/München, 27. Februar 2009, www.ne-na.de - Millionen Deutsche sind mittlerweile in sozialen Netzwerken wie XING, Wer-kennt-wen, Facebook oder StudiVZ organisiert, haben ein Profil und präsentieren sich auf irgendeine Art im Web, ob mi
Finanzbehörden müssen mit Mittelstand innovativer umgehen ...
Schnelle Verfahren zur Stundung von Steuern und Anpassung von Vorauszahlungen Berlin, 26. Februar 2009, www.ne-na.de – Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) www.bvmw.de fordert die Finanzbehörden und Sozialversicherungen zu einem flexiblen und innovativen Umgang mit kleinen un
Kritik von Abfallexperten: Novellierte Verpackungsverordnung zementiert Grünen Punkt ...
Müllkonzern, fördert Preisdumping und unseriöse Recyclingmethoden Berlin/Bonn, 25. Februar 2009, www.ne-na.de - Einige Medien berichteten am Anfang des Jahres von der wundersamen Wiederauferstehung des Grünen Punktes http://www.gruener-punkt.de. So soll der frühere Müllmonopolist Duales Sys
Weitere Mitteilungen von medienbüro.sohn
Fußpflegelehrgang nach der Schweizer Methode Ernst Crameri ...
Es gibt Fußpflege und Fußpflege auf dem Markt. Der Markt ist riesengroß, nahezu jeder behauptet er wäre der Beste. Nun denn, der Erfolg ist letztlich entscheidend. Wird das Angebot von den Kunden mit Begeisterung angenommen? Werden aus Einmalkunden – Stammkunden? Bezahlen diese auch ein entspr
"Beraten und verkauft"? - Erfolgreiche Zusammenarbeit mit Beratern und Trainern ...
Im Rahmen eines kostenlosen Workshops erhalten Unternehmer und Personalverantwortliche am 09. Februar 07 Informationen, Anregungen und Checklisten zu folgenden Themen: Wie strukturiert sich der Beratermarkt? Worin unterscheiden sich die gängigen Beratungskonzepte? Wie kann man Berater und Trai
Erfolg fällt einem nicht einfach in den Schoß ...
Genie sei zu zehn Prozent Inspiration und zu 90 Prozent Transpiration, soll Thomas Alva Edison einmal gesagt haben. Erfolg fällt einem nicht einfach in den Schoß. Erfüllung im Beruf, Begeisterung für das was wir tun. Tolle Arbeitsergebnisse muss man sich konsequent erarbeiten. Voraussetzung ist,
Fasten ist sehr stark am boomen ...
Fasten ist so alt wie die Menschheit. Hier streiten sich einmal mehr die Geister. Es gibt absolute Fasten-Anhänger. Die sind voll und ganz begeistert. Haben das jährliche Fasten ganz in ihr Gesundheits-Programm aufgenommen. Dann gibt es die Gruppe der Einmal-Faster. Einmal ausprobiert und es ist g




