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Deutschland braucht bessere Manager

19.01.2007 - 16:21 | 25943
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(firmenpresse) - Risikobereite Führungskräfte mit Verantwortung müssen keine Neiddebatten fürchten

Von Ansgar Lange

Bonn/Düsseldorf - Sind die Manager ihr Geld wert? Man macht es sich zu einfach, das Ganze nach dem Motto „Nicht schon wieder eine Neid-Debatte“ abzuwürgen. Roger Köppel, wirtschaftsliberaler Chefredakteur der Schweizer Weltwoche http://www.weltwoche.ch, berichtete in seinem Blatt vor kurzem über die neue „Aristokratie der angestellten Multimillionäre“. Es drohe eine „Diktatur der Angestellten“: „Die Managermillionäre profitieren von einer schleichenden bis galoppierenden Entmachtung der Eigentümer. Die Gehälter werden von Verwaltungsräten abgesegnet, die im Stil von DDR-Funktionären über das ihnen anvertraute Firmeneigentum verfügen.“ Köppel bemängelte, die „fürstlich entlöhnten Angestellten“ seien Unternehmer „ohne unternehmerisches Risiko“. Nur durch eine Stärkung der Position der Eigentümer und mehr Druck der Aktionäre auf die Angestellten könne man diesen Teufelskreis verlassen.

In Deutschland stellt sich die Situation ähnlich dar wie in der Schweiz. Bei Porsche http://www.porsche.de beispielsweise haben sich die Managergehälter verdoppelt. Die Bezüge des sechsköpfigen Vorstandes für das Geschäftsjahr 2005/2006 stiegen von 26 Millionen Euro auf 45,2 Millionen Euro. Wird Otto Normalverbraucher, der sich eine Nobelkarosse aus Zuffenhausener Produktion gar nicht leisten kann, da nicht zu Recht neidisch? Doch beim Fall Porsche liegen die Dinge ein wenig anders. Am 31. Juli 2006 beschäftigte der Konzern 11.384 Personen. Im Vorjahr waren es „nur“ 10.895 gewesen. Der Sportwagenbauer konnte zudem seinen Absatz um zwölf Prozent steigern. Und Leistung soll sich ja bekanntlich lohnen.

Ausnahme Porsche: Leistung muss sich lohnen

Nach einer Studie des Manager-Magazins http://www.manager-magazin.de schneiden die deutschen Unternehmen im Vergleich mit ihren europäischen Nachbarn in punkto Rentabilität nach wie vor jedoch nur mäßig ab. Und trotzdem langen sie weiter ungeniert zu. So ist die Vergütung der Dax-Vorstände im vergangenen Jahr um 15 Prozent angestiegen; mittlerweile kassieren die Führungsgremien im Schnitt fast 16 Millionen Euro pro Jahr.



Und wie sieht es in der Alpenrepublik aus? Hier gibt es fast nur Ableger internationaler Großkonzerne, so dass der Vergleich mit den deutschen Dax-Vorständen hinkt. Jahr für Jahr publiziert die Unternehmensberatung Kienbaum http://www.kienbaum.org Vergütungsstudien für beide Länder „Leitende Angestellte“ (bezogen auf Deutschland) und „Führungskräfte in Österreich“. Die Gesamtbezüge von deutschen Geschäftsführern weisen eine starke Streuung auf. Die Spannbreite reicht von weniger als 30.000 Euro bis zu über eine halbe Million Euro. Im Schnitt verdiente eine deutsche Führungskraft 2006 107.000 Euro. Wer bei einem großen Unternehmen als leitender Angestellter arbeitet, männlich ist und über eine gute Bildung verfügt, der kann am meisten verdienen. „Die Führung größerer Unternehmen stellt höhere Anforderungen. Je verschachtelter die Unternehmensstruktur ist, desto komplexer die Aufgabe. Damit steigt die Verantwortung und das Gehalt“, lautet der Erklärungsversuch von Christian Näser, Projektleiter der Kienbaum-Studie.

In Österreich stellt sich die Frage, ob Manager das Gefühl für die Angemessenheit ihrer Bezüge verloren haben. Laut der Vergütungsstudie „Führungskräfte in Österreich 2006“ verdienten die Geschäftsführer in Unternehmen mit 500 bis 1000 Mitarbeitern durchschnittlich 245.000 Euro pro Jahr. „Österreichische Unternehmen, insbesondere die großer Konzerne, sind sehr vorsichtig mit Grundgehaltserhöhungen“, sagt Alexander von Preen, Geschäftsführer und Partner von Kienbaum. Allerdings hätten die Unternehmen beim variablen Anteil in den Gehaltsverhandlungen durchaus großzügiger agiert. Die Steigerungen der Gesamtgehälter seien vor allem durch erfolgs- und leistungsorientierte Vergütungsbestandteile erzielt worden.

Vorsichtiges Österreich

„In den angelsächsischen Ländern ist die Erfolgsorientierung bei der Managementkompensation wesentlich höher und damit das Verhältnis zwischen fester und variabler Vergütung. Ein Mischungsverhältnis von 50:50 ist dort durchaus keine Seltenheit“, so Udo Nadolski, Geschäftsführer des Beratungshauses Harvey Nash http://www.harveynash.de. Nadolski hat selbst mehrere Jahre in den Vereinigten Staaten gelebt und gearbeitet. In den USA seien die Zieleinkommen ungefähr zehn bis fünfzehn Prozent höher als im DACH Bereich (Deutschland, Österreich, Schweiz), dafür müsse aber auch eine messbare Leistung erbracht werden. „Die Zielvorgaben orientieren sich beinahe ausschließlich an betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, nur in seltenen Fällen kommen qualitative Kriterien, wie zum Beispiel die Fluktuationsrate, zum Zuge“, so der Unternehmensberater. In Österreich gehöre der eigene Dienstwagen für die Geschäftsführer der obersten Ebene mit einer Verbreitung von 93 Prozent fast schon zum Standard, im Gegensatz etwa zu Großbritannien, wo Firmenfahrzeuge wegen der dort herrschenden Steuergesetzgebung unattraktiv und daher nicht üblich sind. Häufig bestehe die britische Lösung in einer so genannten „Car Allowance“. Hierunter versteht man einen Gehaltsaufschlag für ein Fahrzeug, das dann von der Führungskraft in eigener Regie entweder gekauft oder geleast wird.

Wir brauchen bessere Manager

Selbst wenn man unterstellt, dass die Manager-Gehälter in Deutschland oder Österreich in letzter Zeit nicht über Gebühr gestiegen sind, so wirkt sich die Debatte um horrende Top-Management-Gehälter bei gleichzeitigen Ankündigungen von Entlassungswellen verheerend aus. „Die Dauer-Diskussion hat neben vielen anderen negativen Folgen vor allem zu sinkender Identifikation der Mitarbeiter mit ihren Unternehmen geführt. Daher besteht eine zentrale Aufgabe der Unternehmensführung darin, für eine wertemäßige Orientierung zu sorgen“, meint Michael Sander vom Lindauer Beratungshaus TCP Terra Consulting Partners http://www.terraconsult.de. „Dies geschieht aber viel zu selten und in der Öffentlichkeit schon gar nicht. Insofern darf man sagen, dass Unternehmensethik eine vergessene Disziplin der Unternehmensführung ist. Doch es fehlen uns nicht Ethik und Moral, sondern bessere Manager.“ Dabei gehe es nicht um wirklichkeitsfremden Altruismus, sondern darum, das Wissen und die Leistungsbereitschaft der Masse der Mitarbeiter eines Unternehmens in Form von Innovationen, Kundenservice et cetera zu aktivieren: „Dies gelingt aber in freien Gesellschaften ausschließlich Managern, deren Integrität nicht angezweifelt wird, das heißt Führungskräften, für die ‚man durchs Feuer geht‘.“

Problematisch wird es, wenn die Begriffe Manager und Unternehmer nicht mehr sauber getrennt werden. Das Wesen eines Managers ist das eines Angestellten, da er kein eigenkapitalbasiertes Risiko trägt. Der Unternehmer hingegen muss mit seinem eigenen Vermögen für sein Handeln haften: „Ein derartig wirksames Korrektiv gibt es auch bei den Super-Stars im Management nicht. Die Abfindungen sind bereits vertraglich festgeschrieben, so dass kein Super-Star am Ende vor dem finanziellen Ruin steht“, sagt Sander. Eigentlich müssten daher die Aktionäre der Global Player das Korrektiv bilden. In extrem vielen Fällen handelt es sich dabei allerdings um Pensionsfonds, die auch wiederum von Managern, den Super-Stars im Finanzmanagement, geführt werden. Diese partizipieren am möglichen Erfolg der Global Player. Warum sollte also ein Super-Star im Finanzmanagement seinem Super-Star im Unternehmensmanagement nicht das gleiche horrende Gehalt gönnen, wenn es ihm den Erfolg seines Fonds sichern hilft?

Amerikanische Führungskräfte tragen höhere Risiken

Zur Wirklichkeit gehört aber auch: Amerikanische Manager verdienen deutlich mehr als ihre Kollegen in Europa, doch sie tragen dafür auch ein wesentlich höheres Risiko und müssen bei schweren Vergehen mit hohen Gefängnisstrafen rechnen. So wurde der ehemalige Enron-Chef Jeffrey Skilling zu einer Gefängnisstrafe von 24 Jahren und drei Monaten verurteilt. Bei solchen Strafen hätte Josef Ackermann von der Deutschen Bank sicher von vornherein auf Victory-Zeichen verzichtet.
Vielleicht sollte man den Blick von den angestellten Managern zu den richtigen Unternehmern lenken. Und da muss es einem um Österreich nicht bange sein, wenn man einer aktuellen und international angelegten Studie der Universität Linz Glauben schenkt. Über konkrete unternehmerische Erfahrung verfügen demnach 4,7 Prozent der Studierenden. In der Schweiz sind es nur 3,4 Prozent, in Deutschland sogar nur 2,7 Prozent. Und zehn Prozent der österreichischen Studenten wollen sich selbstständig machen. Die „Diktatur der Angestellten“ muss also noch etwas auf sich warten lassen.


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