Dumme Chatbots und kluge Dialoge – Menschen müssen Maschinen schlauer machen
ID: 26763
„Chatbots sind Mist", kanzelt der Computerlinguist Franz Guenthner von der Ludwig-Maximilians-Universität in München http://www.cis.uni-muenchen.de die Zunft ab. Mit dem Heraussuchen von Phrasen aus Datenbanken werde etwas vorgetäuscht, was nur in Spezialfällen funktioniere, so dass der Benutzer immer wieder auf die Nase falle. „Wer fragt der führt. Das ist eine alte Weisheit, die sich nicht nur gute Verkäufer zu eigen machen sollten, sondern auch Chatbot-Programmierer“, fordert Bernhard Steimel, Sprecher der Initiative Voice Business http://www.voicedays.de.
Vielfach werde das Pferd von hinten aufgezogen. „Statt Fragen zu stellen und den Kontext einzugrenzen, in dem sich ein Anliegen bewegt, wird wild drauf los gequatscht. Einen wesentlich effizientern Weg wählen E-Mail-Responsesysteme, wie sie heute bereits im Kundenservice zum Einsatz kommen, um Standardanfragen herauszufiltern und automatisch zu beantworten. Sie arbeiten nach dem Prinzip der Sprach-Mustererkennung. Telefonische Sprachcomputer gehen einen Schritt weiter und treten in eine direkte Interaktion mit dem Anrufer um das Anliegen im Dialog zu lösen. Tatsächlich ist auch hier das Verständnis der Maschine auf Grammatiken und Wortschatz beschränkt, den man ihnen vorher beigebracht hat“, erklärt Steimel.
Eine Parallele zum Menschen gebe es jedoch bei Chatbots und automatischen Sprachsystemen: „Sie lernen ständig durch die Interaktion mit dem Nutzer hinzu. Das tun sie allerdings nicht selbst, sondern ähnlich wie beim Wizard-of-Oz müssen auch hier Menschen im Hintergrund die Maschine schlauer machen“, so Steimel. Die Intelligenz liege also nicht in der Maschine, sondern in der Dialogführung seines „Schöpfers“. Der Spracherkennungsexperte Lupo Pape hält den Ansatz des Loebner-Wettbewerbs für wenig hilfreich: „Der Nutzer sollte immer wissen, dass er mit einer Maschine kommuniziert. Es geht nicht um eine Kopie menschlicher Dialoge. Die richtige Balance ist entscheidend. Ein Sprachdialog muss vom Benutzer aktiv gesteuert werden können. Er sollte in ganzen Sätzen seinen Servicewunsch äußern und auch in weiteren Dialogstufen möglichst frei agieren können. Das Dialogsystem kann sich dem Nutzer dabei anpassen und auf mehrere Äußerungen des Anrufers gleichzeitig reagieren. Erst wenn der Anrufer auf eine offene Frage nicht mehr antwortet oder es zu Verständnisproblemen kommen sollte, greift das System ein und überführt das Gespräch in einen Dialog mit klaren Anweisungen und stellt dem Nutzer Reaktionsalternativen vor“, erläutert Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge http://www.semanticedge.de in Berlin.
Das Beispiel der Chatbots zeige nach Ansicht von Steimel eine interessante Perspektive für den kombinierten Einsatz mit Sprachcomputern etwa bei Infotainment-Diensten auf. Die steigende Nutzung von IP-Diensten könnte dazu führen, dass man demnächst auch die Kommunikation über das Internet Protokoll mit einem Chatbot führe und nicht nur mit Maus und Tastatur. „Es wird interessant sein zu hören, welchen ‚Stimm-Charakter’ die künstlichen Agenten erhalten und damit mehr Persönlichkeit und Taktgefühl gewinnen, als sich mit Icons ausdrücken lässt“, so der Ausblick von Steimel.
Auf der Call Center World in Berlin werden der Computerkritiker Professor Joseph Weizenbaum, KI-Forscher Professor Wolfgang Wahlster und SemanticEdge-Geschäftsführer Lupo Pape bei einem Expertenforum auf der Call Center World (27. Februar 2007, 14 bis 15 Uhr, Hotel Estrel, Berlin-Neukölln, Halle 1, Messestand B 5) über die Chancen und Grenzen der Mensch-Maschine-Kommunikation diskutieren. Moderiert wird die Runde von Jürgen Liminski (Deutschlandfunk).
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: cklemp
Datum: 14.02.2007 - 10:10 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 26763
Anzahl Zeichen: 0
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Gunnar Sohn
Kategorie:
Information & TK
Meldungsart: Unternehmensinformationen
Versandart: kein
Freigabedatum: 14.02.07
Diese Pressemitteilung wurde bisher 1428 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Dumme Chatbots und kluge Dialoge – Menschen müssen Maschinen schlauer machen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
medienbüro.sohn (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Facebook-Browser könnte soziale Netzwerke umpflügen Berlin/München, 27. Februar 2009, www.ne-na.de - Millionen Deutsche sind mittlerweile in sozialen Netzwerken wie XING, Wer-kennt-wen, Facebook oder StudiVZ organisiert, haben ein Profil und präsentieren sich auf irgendeine Art im Web, ob mi
Finanzbehörden müssen mit Mittelstand innovativer umgehen ...
Schnelle Verfahren zur Stundung von Steuern und Anpassung von Vorauszahlungen Berlin, 26. Februar 2009, www.ne-na.de – Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) www.bvmw.de fordert die Finanzbehörden und Sozialversicherungen zu einem flexiblen und innovativen Umgang mit kleinen un
Kritik von Abfallexperten: Novellierte Verpackungsverordnung zementiert Grünen Punkt ...
Müllkonzern, fördert Preisdumping und unseriöse Recyclingmethoden Berlin/Bonn, 25. Februar 2009, www.ne-na.de - Einige Medien berichteten am Anfang des Jahres von der wundersamen Wiederauferstehung des Grünen Punktes http://www.gruener-punkt.de. So soll der frühere Müllmonopolist Duales Sys
Weitere Mitteilungen von medienbüro.sohn
CeBIT 2007: Effizientes Datenbankmanagement mit „conaex“® ...
(Berlin, Februar 2007) Speziell für Administratoren mittlerer und großer Unternehmen mit einer IBM Lotus Notes/Domino-Infrastruktur hat die conis Informationssysteme GmbH die Software „conaex® – conis Application Explorer“ entwickelt. Mit conaex steigern Unternehmen die Effizienz ihrer Date
IT Advisory Group mit neuem ILM-Tool auf der CeBIT 2007 ...
Mainz, 13. Februar 2007. Mit dem neuen Tool CRT4ILM bietet die IT Advisory Group Unternehmensberatung AG (ITAG), Mainz, einen Einstieg in ein unternehmensweites Information Lifecycle Management (ILM). Das Tool nimmt den aktuellen Ist-Zustand von Storage-Umgebungen auf und liefert den Unternehmen hie
Superflacher Transponder für die Textil- und Wäschelogistik: X-ident präsentiert den Dura-Tag ...
Großwäschereien, Hotels, medizinische Einrichtungen, Textil- und Kostümverleiher haben mit dem Handling und der Reinigung ihrer Wäsche oder Kleidung eine große Aufgabe zu bewältigen. Die RFID-Technologie trägt heute in diesem Bereich zu einer echten Arbeitserleichterung bei, indem in die Wäs
Unternehmen Online:Software verhindert Mails ohne rechtssichere Signatur ...
Eine noch weitgehend unbekannte Gesetzesänderung droht zur Abmahnfalle für Unternehmen zu werden. Denn seit dem 1. Januar 2007 gilt das „Gesetz über das elektronische Handelsregister und Genossenschaftsregister sowie das Unternehmensregister“ (EHUG). Hinter dieser sperrigen Bezeichnung verber




