Computer als persönlicher Assistent für alle Lebenslagen
ID: 27340
Wolfgang Wahlster, Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) http://www2.dfki.de in Saarbrücken und einziges deutsches Mitglied des Nobelpreiskomitees, forderte eine „Informatik für den Menschen“: Die semantische Wende spiele dabei eine wichtige Rolle für die KI-Forschung und für die Informatik allgemein. „‚Semantik’ ist ein Begriff aus den Geisteswissenschaften und steht in der allgemeinen Zeichentheorie für die Bedeutungslehre. Es geht also um die Inhalte, den Sinn, die Bedeutung von Texten, aber auch von Bildern und Gesten bis hin zu künstlerischen Darbietungen. Zwischenmenschliche Kommunikation ist multimodal. Es werden meist verschiedene Sinnesorgane gleichzeitig angesprochen und unterschiedliche Zeichensysteme in synergistischer Kombination verwendet. Aber wie kann nun dem Computer, der ja ursprünglich für die strukturelle Verarbeitung von Zeichenketten entwickelt wurde, eine Semantik vermittelt werden? Hier gibt es hauptsächlich zwei Ansätze: die intensionale Semantik und die Referenzsemantik. Die intensionale Semantik beschäftigt sich mit der inneren Strukturierung einer Begriffswelt, den Relationen zwischen den Zeichen und der Konstruktion komplexer Bedeutungsstrukturen mithilfe eines Inventars an Verknüpfungsregeln für Elementarbedeutungen. Die Referenzsemantik behandelt dagegen nicht die Relationen der Zeichen untereinander sondern die Relation zwischen den Zeichen und der Welt. Viele Computersysteme haben heute einen Zugang zur Realwelt durch Sensoren, etwa durch Digitalkameras, Temperaturfühler, Druckmesser oder RFID-Leser“, erklärte Wahlster. Eine der wichtigsten Herausforderungen für die zukünftige Wissensgesellschaft sei die Schaffung intelligenter Technologien für die Mensch-Technik-Interaktion, die den natürlichen Kommunikationsstil von Techniklaien akzeptieren, einen direkten Dialog mit der Technik unterstützen und damit Hemmschwellen bei der Nutzung von Hochtechnologie abbauen. „Semantische Technologien überbrücken die Lücke zwischen der Fachsprache der Informatik und den Sprachen ihrer Anwender, weil sie es erlauben, verschiedene Begriffssysteme ohne Bedeutungsverlust ineinander zu übersetzen. Automobilingenieure, Medizintechniker oder Logistikexperten sind mit semantischen Technologien in der Lage, ihr Wissen und ihre Prozessmodelle digital in der eigenen Fachsprache zu formulieren, ohne die speziellen künstlichen Sprachen zur maschinellen Wissensrepräsentation erlernen zu müssen“, betonte Wahlster.
Der Computer, die Maschine müsse im Kommunikationsverhalten dem Menschen entgegen kommen, ist Wahlster überzeugt. „Mein Ausgangspunkt ist der Mensch“, unterstrich auch Joseph Weizenbaum seine Position. Der „Pionier, Dissident und Computerguru“ der KI-Forschung stellte den Begriff des „Verstehens“ in Frage: „Heute ist es Mode geworden, über ‚computer understanding of natural language’ zu sprechen. Dem Computer soll also beigebracht werden, die natürliche Sprache - zum Beispiel Deutsch oder Englisch – und nicht nur die künstlichen Sprachen wie eben spezifische Computersprachen zu verstehen. Das beinhaltet die Idee, das ein Satz eine bestimmte Bedeutung hat.“ Maschinen fehle der menschliche Erlebnishintergrund. „Vielleicht könnte ein Roboter oder ein Computer unsere Sätze in einem einfachen sprachlichen Sinn auseinandernehmen, aber er könnte sie nicht richtig interpretieren, weil er nicht unsere Sozialisation und Lebenserfahrung hat“, bemängelte Weizenbaum. Diese Ansätze der KI-Forschung sind für Wahlster nicht zielführend: „Humane Roboter sind für das DFKI kein Thema. Wir sehen die Künstliche Intelligenz als Ingenieurwissenschaft, gehen pragmatisch vor und verfolgen anwendungsorientierte Fragen. Beispielsweise in der Fahrzeugtechnik für Unternehmen wie BMW oder Mercedes. Dort ist unsere Technik schon drin. Hier setzte auch Lupo Pape an, Geschäftsführer von SemanticEdge und ebenfalls Teilnehmer der Expertenrunde: „Softwaresysteme müssen intelligenter werden, damit sie besser verstehen, was der Mensch von ihnen will und damit sie sich umgekehrt dem Menschen einfacher verständlich machen“, forderte Pape am Beispiel der Sprachdialogsysteme. Um all das zu ermöglichen, arbeiten Sprachwissenschaftler, Psychologen und Informatiker ständig an neuen Sprachdialogen. Die Erkennung gesprochener Sprache im Kontext der Anwendung und ein intelligenterer und freierer Umgang des Sprachdialogsystems mit den Wünschen und Antworten des Nutzers stehe im Zentrum der SemanticEdge-Entwicklungen. Das Ziel der Sprachdialoge sei es, den Erwartungen des Menschen so nahe wie möglich zu kommen. „Bei einem Dialog mit menschlichen Zügen wird sich der Anrufer eher angenommen fühlen als bei einem mit starrer Menüführung und der Abfrage bestimmter Antworten“, erläuterte Pape. Selbst wenn man den Namen eines Geschäftspartners gerade nicht weiß, könne man über eine Suchfunktion mit der Eingabe von Branche und Standort die gewünschte Verbindung aufbauen, so der Sprachdialogexperte.
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: cklemp
Datum: 02.03.2007 - 14:08 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 27340
Anzahl Zeichen: 0
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Gunnar Sohn
Kategorie:
Information & TK
Meldungsart: bitte
Versandart: kein
Freigabedatum: 02.03.2007
Diese Pressemitteilung wurde bisher 903 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Computer als persönlicher Assistent für alle Lebenslagen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
medienbüro.sohn (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Facebook-Browser könnte soziale Netzwerke umpflügen Berlin/München, 27. Februar 2009, www.ne-na.de - Millionen Deutsche sind mittlerweile in sozialen Netzwerken wie XING, Wer-kennt-wen, Facebook oder StudiVZ organisiert, haben ein Profil und präsentieren sich auf irgendeine Art im Web, ob mi
Finanzbehörden müssen mit Mittelstand innovativer umgehen ...
Schnelle Verfahren zur Stundung von Steuern und Anpassung von Vorauszahlungen Berlin, 26. Februar 2009, www.ne-na.de – Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) www.bvmw.de fordert die Finanzbehörden und Sozialversicherungen zu einem flexiblen und innovativen Umgang mit kleinen un
Kritik von Abfallexperten: Novellierte Verpackungsverordnung zementiert Grünen Punkt ...
Müllkonzern, fördert Preisdumping und unseriöse Recyclingmethoden Berlin/Bonn, 25. Februar 2009, www.ne-na.de - Einige Medien berichteten am Anfang des Jahres von der wundersamen Wiederauferstehung des Grünen Punktes http://www.gruener-punkt.de. So soll der frühere Müllmonopolist Duales Sys
Weitere Mitteilungen von medienbüro.sohn
eDoc solutions: mit DMS/ECM-Highlights und CRM-Anbindung auf der CeBIT ...
Weilerswist, 2. März 2007. Die eDoc solutions AG, Weilerswist, informiert auf der CeBIT 2007 über integrierte Lösungen für Enterprise Content Management (ECM), Dokumenten-Management (DMS) und Customer Relationship Management (CRM). Am Stand von d.velop in Halle 1 stellt eDoc solutions die Anbind
Sopra Group schließt Übernahme des deutschen B2B-Software-Geschäfts von Atos Origin für Tochtergesel ...
Beide Organisationen ergänzen sich gegenseitig, so etwa hinsichtlich ihrer geographischen Präsenz und ihres Fachwissens im Kundengeschäft. Damit wird Axway zu einem führenden Anbieter für B2B-Software in Deutschland. Außerdem kann Axway durch diese Akquisition seinen Vorsprung bei EDI- und
Die richtige Dosis: Mit MyVitaminB startet ein neuer Online-Business-Club ...
München, 1. März 2007. Business as usual war gestern – heute ist MyVitaminB: Das neue Karriere-Netzwerk macht nicht alles anders, aber vieles besser. Neben effizientem Kontakt-Management mit unkomplizierten Suchfunktionen bietet MyVitaminB die Möglichkeit, Firmenprofile zu erstellen sowie Termi
Sparruf: So sparen Tchibofon-Kunden auch bei Handy-Gesprächen ins Ausland ...
Das Angebot ist nicht schlecht: Für 15 Cent pro Minute telefoniert der Tchibofon-Kunde im Komfort-Tarif in alle deutschen Netze. Und wenn er sich bis Ostern für die Flatrate entscheidet, kann er für monatlich 10 Euro ins deutsche Festnetz telefonieren, bis der Arzt kommt. Vorsicht geboten ist




