Liste von mehr als 10.000 nicht rückerstatteten Kunstobjekten jetzt im Internet. Aufruf an Museen und Kunsthändler, ihre Bestände zu prüfen
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Liste von mehr als 10.000 nicht rückerstatteten Kunstobjekten jetzt im Internet
Aufruf an Museen und Kunsthändler,
NS-Akten und Fotos von mehr als 20.000 Kunstobjekten aus dem Besitz französischer und belgischer Juden sind jetzt online in einer Suchdatei verfügbar. Daraus geht hervor, dass mindestens die Hälfte dieser Objekte nicht an ihre ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben wurde. Die jetzt veröffentlichte Liste ermöglicht die Recherche nach Objekt, Künstler, Eigentümer und erfolgter Rückgabe und ist besonders für die Nutzung durch Museen, Kunsthändler und Auktionshäuser zur Ermittlung von NS-Raubkunst gedacht; aber auch für Familien, die lang entbehrte Familienerbstücke suchen.
Viele Familien wissen oder vermuten, dass im Holocaust ermordete Angehörige Kunstwerke besaßen, kennen aber möglicherweise Titel oder Künstler nicht. Die Liste kann bei der Suche nach Familienbesitz behilflich sein. Allerdings gibt es kein zentrales Anspruchsverfahren für nicht rückerstattete Kunst- und Kulturgüter. Anders als frühere Ansätze zur Identifizierung von NS-Raubkunst, bei denen man sich vornehmlich auf Sammlungslisten von Museen oder Verlustlisten einzelner Opfer oder deren Erben gestützt hatte, setzt die neue Datenbank auf die Gesamtheit dessen, was geraubt wurde und wem es geraubt wurde; so konnte eine Liste all jener Kunstobjekte erstellt werden, auf die noch keine Ansprüche erhoben wurden.
"Plünderung von Kulturgut durch den Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg: Datenbank mit Kunstobjekten im Jeu de Paume" unter www.errproject.org/jeudepaume ist ein Projekt der Conference On Jewish Material Claims Against Germany (Claims Conference) mit technischer Unterstützung des United States Holocaust Memorial Museum. Sie dient der Recherche nach dem Verbleib von mehr als 20.000 Kunstobjekten aus über 200 jüdischen Privatsammlungen aus Frankreich und Belgien unter deutscher Besatzung zwischen 1941 und 1944.
In einem beispiellosen systematischen Raubzug versuchte das "Dritte Reich" der Kunst- und Kulturgüter der europäischen Juden durch Diebstahl, Konfiszierung und Zwangsverkauf habhaft zu werden. Eine Einsatzgruppe, der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) häufte hunderttausende Kunst- und Kulturobjekten von Juden und anderen Opfergruppen an; ebenso aus Museen, Bibliotheken und anderen kulturellen Einrichtungen. Der ERR agierte auf den von den Nazis besetzten Gebieten mit Sammelstellen von Paris bis Gorky in Russland.
"Jahrzehnte nach dem größten Massendiebstahl der Geschichte können jetzt Familien, denen hoch geschätzte Kunstgegenstände gestohlen wurden, anhand der Liste nach ihren lang entbehrten Schätzen suchen" sagte Julius Berman, Vorstandsvorsitzender der Claims Conference. "Es liegt jetzt in der Verantwortung von Museen, Kunsthändlern und Auktionshäusern, ihre Sammlungen auf NS-Raubkunst zu untersuchen. Die Veröffentlichung der Raubkunstunterlagen im Internet ist ein wichtiger Schritt, historisches Unrecht zu korrigieren. Es ist nicht zu spät dafür, Kunstgegenstände zurückzugeben, die in den Familien weitergereicht worden wären und keineswegs für dafür bestimmt waren, die Wohnungen von Nationalsozialisten zu schmücken und oder in NS-Einrichtungen angehäuft zu werden.
In Paris hatte der ERR mehr als 20.000 Kunstobjekte auf Karteikarten oder auf Inventarlisten erfasst und im Jeu de Paume sortiert, um sie dann in Depots in Deutschland und Österreich zu überstellen. Die Datenbank erfasst alle Unterlagen in elektronischer Form und listet die Objekte in Indices nach Karteikartennummer, Titel und Künstler und enthält ferner eine detaillierte Objektbeschreibung. Viele Einträge enthalten Fotos der Kunstgegenstände wie auch das originale ERR-Dokument in gescannter Form. Die Datenbank hat Suchfunktionen nach Eigentümer, Künstler, Sammlung oder auch als kombinierter Suchmodus.
Die Datenbank führt die originalen ERR-Akten der im Jeu de Paume zusammengetragenen Kunstwerke zusammen, die nach dem Krieg verstreut wurden. Die jetzt in der Datenbank zusammen geführten Akten und historischen Daten waren im Wesentlichen auf folgende drei Depots verteilt: National Archives and Records Administration of the United States, das Deutsche Bundesarchiv und den Ministère des Affaires Etrangères et Européennes (MAEE).
Die Website enthält auch Fotos von Mitarbeitern des ERR bei der Erfassung und Sortierung der jüdischen Familien gestohlenen Kunst- und Kulturgüter. Fotos von NS-Raubkunst im Druckformat finden Sie unter www.claimscon.org/artphotos.
Die Conference on Jewish Material Claims Against Germany (Claims Conference) ist der 1951 gegründete Dachverband 24 internationaler jüdischer Organisationen. Sie vertritt die Interessen der jüdischen Gemeinschaft bei Verhandlungen zur Entschädigung von NS-Opfern und deren Erben. Im Auftrag der Bundesregierung verwaltet die Claims Conference verschiedene Härtefonds und ist Rechtsnachfolgerin für erbenloses und nicht beanspruchtes jüdisches Vermögen in den neuen Bundesländern. Mit den Verkaufserlösen aus erbenlosem Vermögen fördert sie weltweit eine Fülle von Sozialprogrammen für Überlebende des Holocaust sowie Programme, die der Erinnerung an die Shoah und deren Erforschung gelten.
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Cornelia Maimon Levi
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Datum: 18.10.2010 - 18:16 Uhr
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