Zu jung für die Pension, zu alt für den Arbeitsmarkt
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Wenn das Wissen veraltet, wird Weiterbildung immer wichtiger

(firmenpresse) - Von Ansgar Lange
Bonn/Wien – www.ne-na.de Ungefähr vor einem Jahr wurde überall die Parole ausgegeben, Österreich sei das bessere Deutschland. Das kleine Nachbarland sonnte sich in rosigen Wirtschaftsdaten, viele Menschen insbesondere aus Ostdeutschland zog es in die Alpenrepublik, weil man dort suchte, was man in Deutschland nicht fand: nämlich Arbeit. Doch Österreich ist nicht fehlerfrei. Das zeigt sich insbesondere bei der Beschäftigung Älterer. Es war schon lange Brauch, Leute über 50 in Rente und Pension zu schicken. Darüber freuten sich (kurzsichtig) die nicht mehr ganz Jungen, und für die Arbeitslosenstatistik war es auch nicht schlecht. So geht es natürlich nicht mehr länger weiter. In Deutschland wurde ja gerade die Rente mit 67 eingeführt, um dem demographischen Wandel Rechnung zu tragen. Dass es sich hierbei um eine versteckte Rentenkürzung handelt, weil gar nicht genug Jobs für diese Personengruppe da sind, sei nur am Rande erwähnt.
Die Schweden haben es vorgemacht. Dort liegt die Erwerbsquote der über 55-jährigen bei 70 Prozent. Die Europäische Union strebt im Rahmen der Lissabon-Strategie die Anhebung der Beschäftigungsquote auf 70 Prozent bis zum Jahr 2010 an. Um dieses Ziel zu erreichen, muss unter anderem die Erwerbsquote der 55- bis 64-jährigen auf 50 Prozent gehoben werden. Österreich hat da noch einiges vor sich: Dort arbeiteten laut OECD im Jahr 2005 in dieser Gruppe nur 28,7 Prozent. „Menschen ab 45 Jahren weht ein rauer Wind am Arbeitsmarkt entgegen“, konstatiert Thomas Meickl in der österreichischen Wochenzeitung Die Furche http://www.furche.at. Die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) http://www.ba-ca.com sei ein klassisches Beispiel: Die Bank wolle ihren Personalstand um bis zu 700 Beschäftigte kürzen. Diese Maßnahme trifft vor allem ältere Mitarbeiter, die mit Sonderabfertigungen und Frühpensions-Aktionen (Teile des Gehalts werden bis zum Pensionseintritt weitergezahlt) zu einem „freiwilligen Ausscheiden“ aus dem Betrieb bewegt werden sollen.
Laut Meickl wird oft die Notwendigkeit von Kostensenkungen als Argument für „Freisetzungen“ ins Feld geführt: „Doch vielfach ist die Erhöhung von bereits bestehenden Gewinnen die wichtigere Komponente. Auch hier ist die BA-CA beispielgebend: Im Zwischenbericht zum 30. September 2006 ist die Rede von einem ‚Rekordergebnis in den ersten neun Monaten: Periodenüberschuss ohne Fremdanteile steigt um 86 Prozent auf 1.533 Millionen Euro.’ Dennoch, die Personalkosten müssen, so scheint es, runter.“
Die Arbeitslosenstatistik des Arbeitsmarktservices (AMS), so der Furche-Redakteur, spreche eine deutliche Sprache: Ende Januar 2007 waren von rund 295.000 Arbeitslosen 55.123 älter als 50 Jahre. Experten begründen dies damit, dass sich die Arbeitswelt rasend schnell entwickle. So lägen die Halbwertszeiten von Wissen im IT-Bereich bei fünf bis sechs Monaten und in den anderen Bereichen der Wirtschaft bei drei bis fünf Jahren. Um diesem Notstand abzuhelfen, schlagen Arbeitsmarktexperten vor, dass ein Mitarbeiter nach 15 Jahren Arbeit für ein halbes Jahr auf die Hochschule oder die berufsbildende höhere Schule (BHS) gehen solle, um sein Wissen aufzufrischen. Würde aus der Theorie Praxis, könnte man nicht mehr behaupten, dass Mitarbeiter mit 45 Jahren nicht mehr auf dem neuesten Stand seien.
„Die österreichischen Probleme sind auch in Deutschland nicht unbekannt. Hier zu Lande liegt die Erwerbsquote der 55- bis 64-jährigen mit rund 41 Prozent ebenfalls unter der Quote anderer europäischer Länder. Und auch bei der immer wichtiger werdenden Weiterbildung der Älteren gibt es Nachholbedarf. Zurzeit bekommen nur knapp acht bis neun Prozent dieser Personengruppe eine Chance, das eigene Wissen aufzufrischen. Experten weisen darauf hin, dass die Quote in Dänemark bei fast 40 Prozent liegt“, sagt Udo Nadolski vom Düsseldorfer Beratungshaus Harvey Nash http://www.harveynash.de. Besonders eng werde es in Zukunft für die ungelernten Arbeiter, die sich nicht um Qualifizierungsmaßnahmen bemühten. Bei Fach- und Führungskräften hingegen sei schon längst angekommen, dass man auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft chancenlos sei, wenn man sich nicht regelmäßig auf den neuesten Stand bringe.
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