Deutschland weiterhin Zentrum der Ingenieurselite? – Viele Stellen offen, Gehälter steigen
Bonn/Düsseldorf – Was macht Länder erfolgreich? Dass Indien mittlerweile im IT-Sektor punkten kann, gilt als unbestritten. Für indische IT-Milliardär Azim Premji, der Wipro http://www.wipro.com zum führenden Technologiekonzern des Subkontinents gemacht und dabei ein privates Vermögen von 13 Milliarden US-Dollar aufgebaut hat, ist die Antwort klar: Indien erziele den „Vorsprung durch Mathematik“, wie er im Gespräch mit dem Monatsmagazin Cicero http://www.cicero.de sagte. Seit dem Aufbau der nationalen Industrie durch Jawaharlal Nehru seien Ingenieure sehr gefragt, so Premji: „Auf den Lehrplänen hat Mathematik ein besonderes Gewicht, selbst in den entlegensten Dörfern. Eltern ermutigen ihre Kinder, Ingenieur zu werden, weil die Berufschancen gut sind. Das Angebot an Talenten steigt daher immer weiter.“

(firmenpresse) - Inzwischen ließen sich auch deutsche Unternehmen verstärkt in Indien nieder, weil „gute Ingenieure in Deutschland zur Mangelware geworden seien“. Dabei stehe das Land im Hinblick auf Technologien in Europa noch bei weitem am besten da: „35.000 Ingenieure schließen pro Jahr ihr Studium an deutschen Universitäten ab, in den USA sind es rund 75.000. Indien hat im Jahr 2006 aber 400.000 fertige Ingenieure ausgebildet.“ „Die Zahlen aus Indien sind doch kalter Kaffee. Ich weiß nicht, welche Botschaft die Aussage von Herrn Premji vermitteln soll“, kommentiert Michael Zondler, Regionalmanager Süd beim Beratungsunternehmen Harvey Nash http://www.harveynash.de. „Außerdem werden Äpfel mit Birnen verglichen. Indien ist noch immer ein Entwicklungsland. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt bei 544 Euro pro Jahr. Die genannten 400.000 Ingenieure – vorausgesetzt, diese Zahl stimmt – bedeuten gerade einmal 0,03 Prozent der Bevölkerung – in Deutschland bilden wir jedes Jahr rund 25.000 hochqualifizierte Ingenieure an Fachhochschulen und Universitäten industrienah aus. Das entspricht Faktor 110 mal mehr als in Indien.“
Zondler bestreitet nicht, dass es akute Herausforderungen gebe, die vielen offenen Stellen für Ingenieure zu besetzen oder mit Kursen, internen Schulungsmaßnahmen oder Weiterbildungen die vorhandenen Spezialisten für die Vakanzen zu qualifizieren. „Wir erleben nach wie vor Steigerungsraten von 20 Prozent pro Jahr bei den offenen Ingenieurstellen. Im April 2006 waren laut VDI 18.000 Stellen unbesetzt - zum Jahreswechsel lag die Zahl bereits bei 22.000 - Tendenz steigend! Gleichzeitig meldet die Bundesagentur für Arbeit zirka 30.000 arbeitslose Ingenieure. Und bei BASF haben mittlerweile 25 Prozent der neu eingestellten Ingenieure einen ausländischen Pass.“
Zondler definiert die Herausforderung, vor der sein eigenes Haus steht, folgendermaßen: „Wir bei Harvey Nash sehen unsere Aufgabe darin, den Unternehmen in der Automobilindustrie und im Maschinenbau zu helfen, die nicht im primären Sichtfeld der Spezialisten liegen. Viele dieser Unternehmen sind nicht in der Lage, aus eigener Kraft, für die Rekrutierung Maßnahmen zu ergreifen die den BMW´s, Bosch´s und Daimler´s etc. Paroli bieten können. Für sie gehen wir aktiv über Direktansprachen in den Spezialistenmarkt, finden passende Kandidaten und führen sie mit dem suchenden Unternehmen zusammen - dies nehmen wir als Trend wahr, weil es sich die meisten Unternehmen heute und in der Zukunft nicht leisten können, passiv über Anzeigen oder die Presse zu rekrutieren.“
Im Vorfeld der Hannover Messe hat die Online-Jobbörse Monster http://www.monster.de aktuelle Branchenzahlen erhoben. Nach eigener Auskunft verzeichnet Monster derzeit fast 60.000 offene Ingenieursstellen. In vielen Ingenieurberufen sei die Nachfrage bereits jetzt weit aus höher als das Angebot an Arbeitskräften. „Stagnierende Absolventenzahlen und der demographische Wandel geben trotz der eigentlich positiven Entwicklung auch Anlass zur Sorge“, erklärte Willi Fuchs, Direktor des Verbands deutscher Ingenieure (VDI) http://vdi.de. „Der Ingenieurmangel verschärft sich, und dies kann sich der Technikstandort Deutschland volkswirtschaftlich nicht leisten.“ Laut VDI würden vor allem Kandidaten gesucht, die über fundiertes Spezialwissen und Schlüsselqualifikationen wie betriebswirtschaftliches Denken, analytische Fähigkeiten, Führungsstärke und Internationalität verfügen.
Der Mangel an Fachkräften hat für die Bewerber aber auch etwas Gutes, denn die hohe Nachfrage nach Ingenieure macht sich bei den Gehältern bemerkbar. Die Einstiegsgehälter stiegen im Vergleich zum vergangenen Jahr um rund 500 Euro, so die Monster-Gehaltsanalyse. Das durchschnittliche Einstiegsgehalt liegt jetzt bei 40.500 Eurojährlich. Für Gruppenleiter stiegen die Löhne von durchschnittlich 51.000 Euro auf 53.000 Euro, auf Abteilungsleiterebene von 62.500 Euro auf 64.500 Euro jährlich. Nur an der Spitze auf Bereichsleiterebene blieben die Löhne konstant bei 70.000 Euro pro Jahr. Große Unterschiede gibt es bei einer regionalen Aufschlüsselung der Gehälter: Während in Baden-Württemberg und Bayern ein angestellter Ingenieur ohne Leitungsfunktion im Schnitt jährlich 47.000 Euro verdient, kommt sein Kollege in Sachsen oder Berlin lediglich auf 35.000 beziehungsweise 39.000 Euro.
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Datum: 12.04.2007 - 15:28 Uhr
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