Wer wird Milliardär? – Ein Kommentar zum Urteil im Rechtsstreit zwischen Oracle und SAP von Tobias Ortwein, PAC GmbH
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München, 24. November 2010: Nun ist es amtlich: Die SAP AG muss 1,3 Milliarden US-Dollar Entschädigung an ihren Intimfeind Oracle bezahlen. Die Anfang 2005 gekaufte „Tomorrow Now“ hat sich damit zu einem weiteren peinlichen Kapitel für SAP entwickelt, nachdem sich endlich langsam ein „Mantel des Vergessens“ über die gescheiterte Drittwartungsstrategie ausgebreitet hatte.
Bei Kontinentaleuropäern löst die Höhe der nun festgelegten Schadensersatzzahlung in jedem Fall Befremden aus. Offensichtlich ist es im Rahmen des Prozesses keiner der Parteien gelungen, den entstandenen Schaden nachvollziehbar zu kalkulieren und zu beziffern. Oracle hatte laut Handelsblatt 1,7 Milliarden Dollar verlangt. Wenn man sich die Aussagen einzelner Geschworener vor Augen führt, die sich innerhalb der oben genannten Bandbreite nun auf 1,3 Milliarden Dollar „geeinigt“ haben, lässt die Festlegung der Höhe der Summe offensichtlich doch ein gutes Maß an Willkür vermuten.
Vergleicht man die Causa „SAP vs. Oracle“ mit den Streitigkeiten, die sich Microsoft vor ein paar Jahren mit der Europäischen Union geliefert hat, ist das aktuelle Urteil noch weniger nachvollziehbar. Damals sollte ein Exempel statuiert werden, aber die Höhe der letzten Endes von Microsoft geforderten Zahlungen sind – vor dem Hintergrund, dass die Komplexität des damaligen Rechtstreits zwischen der EU und Microsoft deutlich höher war – verglichen mit diesem Urteil lächerlich. Damals wurde die festgelegte Höhe der Zahlungen von Microsoft sogar vom amerikanischen Justizministerium kritisiert.
Was bedeutet das Urteil aber nun für SAPs Kunden und Partner? Auf die SAP-Kunden wird es keine oder zumindest nur kaum wahrnehmbare Auswirkungen haben. Mit der Unaufgeregtheit, mit der SAPs Kunden den Prozess in den letzten Wochen verfolgt haben, lagen sie meiner Meinung nach richtig. Denn solange die Höhe des Schadensersatzes die SAP nicht essenziell bedroht – was nicht der Fall ist –, ist auch nicht mit irgendwelchen negativen Auswirkungen für die Kunden zu rechnen, in dem Sinne, dass Investitionen in Themen wie Timeless Software, BI, BBD, etc. zurückgefahren werden.
Die Leidtragenden sind meiner Meinung nach natürlich zunächst einmal die Eigentümer – sprich die Aktionäre – der SAP. Da trifft es den einen oder anderen gut Betuchten, aber auch viele Kleinaktionäre und Mitarbeiter.
Aber gerade auch die Mitarbeiter werden verstärkte Sparmaßnahmen zu spüren bekommen, die bei einer solchen Größenordnung der Schadensersatzsumme nicht ausbleiben werden bzw. dürfen. „Last but not least“ wird auch das SAP-Ecosystem, also die SAP-Partner, sicher nicht zu den Profiteuren dieses Urteils gehören. Denn im Rahmen der zu erwartenden Sparmaßnahmen der SAP kann auch das eine oder andere gemeinsame Engagement negativ betroffen sein.
Wer ist nun aber der Gewinner? Larry Ellison ist um über eine Milliarde US-Dollar reicher geworden. Zumindest in Europa, aber auch bei einigen US-Unternehmen klingt durch, dass Oracles harte Gangart bei den Geschäftspartnern zunehmend auf Befremden stößt. Da fragt sich schon der ein oder andere Kunde oder Partner von Oracle, ob sich das Unternehmen nicht lieber auf die technologische und organisatorische Integration der vielen Zukäufe konzentrieren sollte, wo man doch nach wie vor ein paar Antworten schuldig geblieben ist.
Keine Frage, die SAP geht sicherlich angeschlagen aus diesem Prozess – was sowohl ihr Image als natürlich auch die Höhe der Summe anbelangt. Ob Oracle irgendetwas – außer natürlich der im Raum stehenden 1,3 Milliarden US-Dollar – gewonnen hat, bleibt abzuwarten. Ein Imagegewinn ist dies sicher für keine der Parteien!
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Datum: 24.11.2010 - 14:22 Uhr
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