Wenn die Milch nach Farbe riecht
ID: 304991
Skandal in russischem Landwirtschaftsbetrieb / Nahrungsmittelfälscher genießen Schutz
des globalen Internethandels/ Etiketten als Sicherungsinstrument gewinnen an Bedeutung
Landwirtschaftsbetrieb nach Schätzungen der russischen Polizei ein halbes Jahr lang
illegal Leime, Lacke und Spachtelmassen hergestellt und mit den Etiketten namhafter
Hersteller versehen. Chemikalien und Bindemittel gerieten dabei in den
Nahrungskreislauf der Kühe. Das geht aus einem Bericht der
Internetseite www.russland-news.de hervor. Bei einer Überprüfung des Betriebs sei den
Beamten schließlich aufgefallen, dass die Milch stark nach Farbe roch. Der Betrieb wurde
umgehend geschlossen. Der Fall reiht sich ein in eine lange Kette von
Lebensmittelskandalen.
Etiketten, einst entwickelt, um primär Schmuck- und Informationsfunktionen zu
übernehmen, stellen heute für Unternehmen eine kostengünstige Lösung im Kampf
gegen Manipulation und Produktpiraterie dar. „Das synthetische Papier der sogenannten
TE-Etiketten besteht aus mehreren hauchdünnen Lagen, der entstehende Verbund
zerfasert beim Ablösen. Da diese Siegeletiketten also nicht spurlos ab- und
wiederaufgeklebt werden können und zudem nur vom Originalhersteller zu beziehen sind,
fehlen sie auf Produkten, die illegal umetikettiert wurden“, erklärt Marc Büttgenbach, Sales
Director Labels and Consumables beim Unternehmen Bizerba. Eine Manipulation ließe
sich somit für den Empfänger der Waren, sei es ein Zwischenhändler oder der
Endkunde, leicht feststellen. Besonders hochwertige Lebensmittel, CDs, Parfüms und
technische Geräte ließen sich mit diesen Siegeletiketten sichern.
Im Kampf gegen die Marken- und Produktpiraterie beschlagnahmte der Deutsche Zoll im
Jahr 2009 Waren im Wert von insgesamt 363,7 Millionen Euro. Das geht aus
der Jahresstatistik 2009 der Bundeszollverwaltung hervor. Knapp 113 Millionen Euro
entfielen dabei auf Waren aus der Produktkategorie „Persönliches Zubehör“, also auf
Accessoires wie Taschen, Sonnenbrillen, Uhren und Schmuck. Rund 64 Prozent der
gefälschten Markenartikel stammten aus China, Thailand oder Hongkong. Das
beliebteste Transportmittel der Fälscher ist das Flugzeug, knapp 81 Prozent der Aufgriffe
erfolgten am Flughafen, lediglich 3,8 Prozent an den Autobahnen und Landstraßen.
Die Identifikation gefälschter Nahrungsmittel erweist sich als deutlich schwieriger.
Wurden laut Statistik von 2008 lediglich Produkte im Wert von 400.000 Euro
beschlagnahmt, tauchen sie in der 2009er Statistik garnicht mehr als Kategorie auf. Doch
Experten wissen: Über den Internethandel gelangen falsche Waren mittlerweile nicht
mehr per Container ins Land, sondern werden auf dem Postweg direkt an den
Endverbraucher geschickt. Die Dunkelziffer dürfte also entsprechend hoch ausfallen.
Unter dem Titel „Globalisierte Warenströme – Sichere Lebensmittel“ finden am 25. und
26. November 2010 in Berlin ein Symposium des Bundesamtes für Verbraucherschutz
und Lebensmittelsicherheit (BVL) statt. Vertreter der Lebensmittelwirtschaft, des Handels
und der europäischen Kontrollbehörden sowie Wirtschaftspartner und
Schwesterbehörden aus Drittländern kommen in Berlin zusammen, um über die
Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit im freien Warenverkehr zu beraten.
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Datum: 28.11.2010 - 22:27 Uhr
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