Lizenznehmer des Grünen Punktes zahlen in Deutschland deutlich mehr als in Österreich
(firmenpresse) - Von Silke Landwehr
Düsseldorf/Wien, www.ne-na.de - Trotz des Konkurrenzwettbewerbs beim Grünen Punkt, der die Preise des Ex-Monopolisten Duales System Deutschland (DSD) zunehmend unter Druck setzt, zahlen Deutschlands Verbraucher nach einem Bericht des Handelsblattes für die Entsorgung ihrer Verkaufsverpackungen immer noch deutlich mehr als nötig. „Zu diesem Ergebnis kommt ein Vergleich mit dem benachbarten Österreich, wo ebenfalls nach den Vorgaben der EU-Kommission Verpackungsmüll gesammelt wird. Das Erstaunliche daran: Obwohl die Alpenrepublik - anders als Deutschland - an ihrer Monopolorganisation Altstoff Recycling Austria (ARA) festhält, liegen dort die Kosten deutlich unter denen in der Bundesrepublik. Denn während ARA ihren Geschäftspartnern aus der Konsumgüterindustrie 2007 einen Entsorgungspreis pro Tonne Verpackungsmüll von 132 Euro in Rechnung stellt, dürften die deutschen Lizenznehmer des Grünen Punkts auf mindestens 292 Euro kommen - Kosten, die sie über den Handel verdeckt an die Verbraucher weiter reichen“, schreibt Handelsblatt-Redakteur Christoph Schlautmann.
Inklusive der in Österreich nicht bepfandeten Einweggetränke-Verpackungen zahle dort jeder Verbraucher im Schnitt 13,75 Euro. In Deutschland seien es dagegen sogar ohne Pfandflaschen und -dosen zwischen 14,60 Euro und 15,90 Euro. Für die lege jeder Bundesbürger noch einmal zwölf Euro pro Jahr im Durchschnitt oben drauf. Wäre es, wie in Österreich, bei der Sammlung von Dosen und Einwegflaschen mit der gelben Tonne geblieben, müsste jeder Bundesbürger heute rund 19 Euro pro Jahr für die Verpackungsentsorgung zahlen - fast 40 Prozent mehr als in Österreich. Aber nicht nur in der benachbarten Alpenrepublik, sondern auch in Großbritannien sei die Verwertung gebrauchter Jogurtbecher und Milchtüten weitaus günstiger als in Deutschland, wie eine Analyse der Technischen Universität Berlin ergab. Die Deutschen würden bei der Verpackungsentsorgung dreimal so hoch belastet wie französische Verbraucher, monierte vergangenen Dezember der Volkswirtschaftsprofessor Carl Christian von Weizsäcker. So koste selbst unter vorteilhaften Annahmen über die werkstoffliche Verwertung von Kunststoffen jeder eingesparte Liter Rohöl aus der Getrenntsammlung des Gelben Sackes über drei Euro. Demgegenüber sei auf dem Weltmarkt der Liter Rohöl für rund 30 Cent zu erwerben.
„Das ist ein Aufpreis von mehr als 1.000 Prozent“, moniert Weizsäcker. Ähnlich sei das Verhältnis zu den kommunalen Abfallgebühren. Im Bundesdurchschnitt zahle der Verbraucher für Gelbe Tonne und Sack den 10-fachen Preis dessen, was ihn sonst der Restmüll kostet. „Denn die Sammlung des Grüne Punkt-Konzerns DSD ist keineswegs unentgeltlich. Die Kosten sind in die Verkaufspreise der Waren eingerechnet. Dieser Anteil beträgt zwischen 1,5 Prozent bei Drogerieartikeln und rund 3 Prozent bei Lebensmitteln“, erläutert Weizsäcker und verweist auf Frankreich, wo jeder Verbraucher pro Jahr nur 6,70 Euro für die Entsorgung gebrauchter Verpackungen aufbringen müsse. Die Politik sollte jetzt die Gelegenheit nutzen, die Verpackungsverordnung innovationsfördernd zu modernisieren, um den Wettbewerb der Systeme und Technologien zu fördern. Denn ohne Innovationen bei Verpackungsmaterialien und Erfassungssystemen ist ein nachhaltiger Wettbewerb nur schwer vorstellbar“, so Weizsäcker.
Unterdessen bröckelt die Front der Lizenznehmer des früheren Monopolisten DSD. Bislang zählten die großen Handelskonzerne zu den wichtigsten Stützen des Grünen Punktes. Die Kölner Rewe-Gruppe wird ab Oktober jedoch zu einem Konkurrenten abwandern. Den Auftragswert für die damit verbundene Verpackungsmüll-Entsorgung schätzt der Branchendienst Euwid auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Nach Informationen der Lebensmittelzeitung (LZ) könnte das jährliche Lizenzvolumen bei 50 bis 60 Millionen Euro liegen. „Kein Zweifel - das macht Schule. Die ganze Branche ist in Bewegung", prophezeit ein Insider gegenüber der LZ. „Der Abgang beim Grünen Punkt ist der zweite Schlag, den Rewe-Chef Alain Caparros dem DSD-Eigentümer KKR innerhalb weniger Wochen versetzt. Mitte Juni waren Topmanager der Private-Equity-Gesellschaft in der Kölner Konzernzentrale vorstellig geworden, um den Lebensmittelriesen zu übernehmen. Der 51-jährige Franzose aber ließ die Amerikaner abblitzen“, berichtete das Handelsblatt.
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