Angebote für öffentliche Aufträge nur noch online - Stufenplan des Beschaffungsamtes
30.08.2007 - 15:00 | 34675
(firmenpresse) - Von Gunnar Sohn
Bonn - Seit der Novellierung des deutschen Vergaberechts am 01.11.2006 können öffentliche Auftraggeber die Kommunikationsmittel zur Vergabe öffentlicher Aufträge frei wählen. In der Bekanntmachung oder den Vergabeunterlagen wird künftig angegeben, inwieweit mit den Unternehmen per Post, Fax, direkt oder elektronisch kommuniziert wird.
Das Bundeswirtschaftsministerium hat in Zusammenarbeit mit dem Beschaffungsamt http://www.bescha.bund.de des Bundesministeriums des Innern, dem BDI, DIHK und ZDH einen Plan erstellt, der die branchenweise Umstellung auf ausschließlich elektronische Angebote bis 2010 regelt. Mit der Einführung des Stufenplans werden die Ziele der EU-Kommission umgesetzt, die in der i2010-Initiative ihre Mitgliedsstaaten auffordert, „ihre gesamte Auftragsvergabe zu 100 Prozent elektronisch abzuwickeln und dafür zu sorgen, dass bis 2010 mindestens 50 Prozent der öffentlichen Aufträge oberhalb des EG-Grenzwerts tatsächlich elektronisch vergeben werden.“
Das Beschaffungsamt wird nach eigenen Angaben im ersten Schritt die IT und TK- Industrie auffordern, ihre Angebote über das Internet abzugeben. „Unter http://www.evergabe-online.de ist das erste Verfahren eingestellt - die Angebote für Funkmeldeempfänger können nur über die Vergabeplattform abgegeben werden. Ab Oktober folgen weitere Ausschreibungen für ein Vergabemanagementsystem, Faxgeräte und Mobilfunkdienstleistungen. In der zweiten Phase des Stufenplans werden ab dem 1. Oktober 2008 Angebote aus der Kfz-Industrie nur noch in elektronischer Form akzeptiert. Für die restlichen Branchen gilt der Startschuss 1. Januar 2010“, teilt das Beschaffungsamt mit.
Branchenexperten begrüßen die Maßnahme der Bundesregierung. Axel Schnell, Chief Operating Officer des Stuttgarter ITK-Systemintegrators NextiraOne http://www.nextiraone.de sieht ein enormes Einsparpotenzial: „Durch die elektronische Vergabe öffentlicher Aufträge konnten beispielsweise in Italien im Jahr 2003 3,2 Milliarden Euro eingespart werden“, so Schnell. Bei uneingeschränkter EU-weiter Einführung der elektronischen Vergabe öffentlicher Aufträge sei mit Einsparungen von bis zu 80 Milliarden Euro zu rechnen. „Bei einem Einkaufsvolumen der deutschen Behörden von rund 250 Milliarden Euro, ist das Potenzial für eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit staatlicher Ausgaben beachtlich. Hier ist jetzt auch ein stärkeres Engagement der privaten Wirtschaft als Auftragnehmer gefordert, um Angebote nur noch elektronisch abzugeben“, fordert Dr. Manfred Wirl von der Bonner Forschungsgruppe Dienstleistungsökonomie.
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