Bauern nehmen Bienenschutzmaßnahme gut an. Förderung gestoppt.
ID: 364051
Bayerischer Landwirtschaftsminister Helmut Brunner bremst Blühflächenprogramm. Motto: Das Schlimmste vermeiden, aber nicht zu erfolgreich damit sein.
Als sogenannte "Agrarumweltmaßnahme" fördert der Freistaat Bayern die Anlage blumenbunter Blühflächen auf Äckern. Dadurch sollen Bienen in der immer intensiver genutzten Agrarlandschaft wieder Nahrung finden.
Finanziert wird die Maßnahme über die "Zweite Säule" der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP). Dieses Instrument dient unter anderem dazu, durch intensive Landwirtschaft entstandene Schäden am Naturhaushalt wenigstens teilweise auszugleichen. Brüssel und das jeweilige Land oder Bundesland teilen sich die Kosten.
Bayerische Bauern, die am Blühflächenprogramm auf freiwilliger Basis teilnehmen, säen auf einer vertraglich vereinbarten Fläche eine Pflanzenmischung aus, die Bienen optimale Nahrungsquellen bietet. Je nach Bodenqualität erhält der Bauer pro Hektar und Jahr 400 bis 800 Euro. Das entschädigt ihn für seinen Ernteausfall und deckt die Kosten für das Saatgut und die Arbeit. Der Vertrag läuft über 5 Jahre.
2010 war das Programm in Bayern besonders erfolgreich. Die Vertragsfläche erhöhte sich von 13000 auf 19000 Hektar. Mit diesem Erfolg - und den damit verbundenen Kosten - hatte das bayerische Landwirtschaftsministerium wohl nicht gerechnet. Jedenfalls will Landwirtschaftsminister Helmut Brunner 2011 keine neuen Verträge schließen.
Imker und Naturschutz laufen dagegen Sturm. So schrieb der Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) am 27.01.2011in einer Pressemitteilung: "Das Blühflächenprogramm ist eine der wenigen Maßnahmen auf Ackerflächen innerhalb des bayerischen Kulturlandschaftsprogramms, das auf Grund seiner guten Honorierung von den Bauern auch in den intensiven Agrarvorranggebieten angenommen wurde. Die Förderung war ... auf die Bodengüte abgestimmt, so dass Landwirte auf guten Böden eine höhere Entschädigung erhielten als auf schlechteren Böden.
In den Intensivlagen herrscht heute ein dramatischer Mangel an Nahrungsangebot für Insekten, wie Schmetterlinge, Wildbienen und Hummeln. Auch für die Bienenvölker wird das Angebot an Nektar in den Intensivlagen immer geringer. Doch nicht nur für den Obstanbau oder den Rapsanbau sind Bienen wichtig, sondern sie haben auch eine elementare Bedeutung zur Bestäubung für die gesamte Wildflora. Die Bestäubungsleistung der Bienen wird von Imkerverbänden auf ca. 500 Millionen EUR/Jahr in Deutschland geschätzt."
BN- Landesvorsitzender Hubert Weiger weist in der Mitteilung darauf hin, dass die Imkerei existentiell bedroht ist, wenn der dramatische Verlust heimischer Acker- und Wiesenpflanzen in der Agrarlandschaft weiter voranschreitet. Weiger: "Im Bayernplan 2020 wurde klar darauf hingewiesen, dass die Landwirtschaft wesentliche Beiträge leisten muss, um die Biodiversität zu fördern. Eine Maßnahme, die von den Landwirten in den Agrarvorranggebieten angenommen wird, darf deshalb nicht gestoppt werden. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner muss den Antragsstopp für das Blühflächenprogramm auf Ackerflächen zurücknehmen."
Der Fall steht beispielhaft für ein Grundprinzip unserer Agrarpolitik: Die gibt zunächst praktisch 100 % der Agrarlandschaft zur hemmungslosen Ausbeutung und Belastung frei. Und dann werden Wasserschutzgebiete ausgewiesen, um irgendwo noch sauberes Trinkwasser gewinnen zu können. Dann werden die übriggebliebenen Moore, Magerrasen, Heiden, Hecken und die auf sie angewiesenen Pflanzen- und Tierarten unter Naturschutz gestellt, wenn sie kurz vor der Ausrottung stehen. Bauern, die Verträge eingehen, diese Restbestände zu schützen und zu pflegen, werden dafür entlohnt. Auch dieser Minimalschutz richtet sich nach der jeweiligen Kassenlage.
Agrarpolitik und Landwirtschaft heute, das ist gelebter Raubbau dicht an der Grenze des Zusammenbruchs der verbliebenen, gebeutelten Vielfalt des Lebens. Das ist kaum gezügelte Gier nach immer höheren Erträgen. Vielleicht auch Ausdruck einer kollektiven Angst der Politiker, ihr Land in einem wie auch immer begründeten globalen Kampf um Exportanteile nicht optimal aufgestellt zu haben. Träfe dies als Motiv zu - es wäre wenigstens halbwegs ehrenhaft. Auch könnte man diese Angst und die Fixierung auf ständiges Wirtschaftswachstum (http:www.landsicht.net/274198/292877.html) auf ihre Rationalität überprüfen. Das Dumme an irrealen Einstellungen ist: Sie werden mitsamt ihren Folgen von den Betroffenen meistens geleugnet. - Eine Bilanz der bisherigen Agrarpolitik (http://www.landsicht.net/287977/539261.html)
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Datum: 10.03.2011 - 09:55 Uhr
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