Interview: Der richtige Umgang mit Derivaten wie Zinscaps und Zinsoptionen/Zinswarrants kann vor Zinserhöhung und Inflation schützen
Interview mit Wolfgang Bäder, Chefanalyst der Swiss X Trade Partners AG, zum Thema Zinserhöhung und Inflation als Wachstumsbremse oder als Chance die Teuerungsraten zu begrenzen
Wie akut ist die Inflationsgefahr in der Euro-Zone und in der Schweiz?
Wolfgang Bäder: Aufgrund der Ereignisse in Japan und in Libyen hat sich die Gefahr in der Euro-Zone stark minimiert. In der Schweiz sieht das jedoch ganz anders aus. Momentan fließt noch sehr viel Geld in den Schweizer Franken, da er als sehr sichere Währung in Krisenzeiten (Safe Haven) gilt, wodurch sich die Inflationsgefahr extrem verstärkt hat.
Wie sollten die EZB und die SNB bei der nächsten Zentralbankratssitzung in Puncto Zinsanpassung reagieren? Wie werden sie reagieren?
W.B.: Die EZB sollte den Zinssatz aktuell nicht anheben und wird das wegen des Tsunamis aller Voraussicht nach auch nicht tun. Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen ist gedämpft, weshalb die Inflationsgefahr auch zurück-gegangen ist. Die Schweizer Nationalbank wird sich dem Druck der Entscheidung der EZB beugen.
Ab wann können wir mit einer Anhebung des Zinssatzes in Europa und in den USA rechnen?
W.B.: In der Euro-Zone können wir damit Mitte des Jahres, also Mai bis Juli, rechnen. Das gilt, wenn sich bestätigt, dass überhaupt noch eine Inflation vorhanden ist. Aber wegen Japan ist hier vorerst Abwarten angesagt. Die Bank of England hat mit einer Inflationsrate von über 4,2% YoY die meisten Gründe die Zinsen anzuheben. In den USA wird das in absehbarer Zeit nicht geschehen. Im Moment gibt Japan US-Staatsanleihen zurück, weshalb hier eher die Gefahr einer Deflation besteht. In den USA gilt „Wachstum um jeden Preis“, da spielt die Inflation eine eher untergeordnete Rolle.
Was für Auswirkungen hat ein steigender Zins auf die stark verschuldeten Staaten der EU?
W.B.: Ein Erhöhung der Leitzinsen würde natürlich das an sich kaum vorhandene Wachstum weiter hemmen. Trotzdem muss man beachten, dass eine Leitzinserhöhung nur ein wenig Kosmetik ist. Bei der Rückzahlung aktueller Kredite gilt weiterhin der Marktzins von einem Prozent, selbst nach einer Erhöhung. Deshalb ist die Wirkung auch sehr beschränkt.
Worauf ist die aktuelle Inflation zurückzuführen?
W.B.: Zunächst muss man einmal beachten, dass mit den Vorkommnissen in Japan der Inflationsdruck abgenommen hat. Zuvor hatten wir eine Inflation, die auf die starke Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen und somit auch nach Rohstoffen aufgrund der anziehenden Weltkonjunktur zurückzuführen ist. Die anziehenden Teuerungsraten haben ihr übriges getan. In Europa muss man hier gerade die starke Konjunktur der führenden EU-Staaten hervorheben.
Welche Auswirkungen hat eine hohe Inflation auf die Schwellenländer?
W.B.: Die starke Inflation dort ist durch das enorme Wachstum begründet. Durch die Inflation wird die Währung stärker, weshalb sich auch nicht mehr so viel exportieren lässt. Dadurch hat die Inflation eine gewisse hemmende Wirkung. Dazu kommt, dass es bei Ländern, die nicht sehr diversifiziert sind, zur Blasenbildung kommen kann. Beispielsweise kann die Immobilienblase in Brasilien dadurch zusammenfallen.
Was bedeutet die Inflation für Investoren und Verbraucher?
W.B.: Bei Investoren kommt es ganz klar auf die Form der Investition an. Sachwerte wie z.B. Immobilien bleiben gleich in ihrem Wert und können hier sogar zulegen, Geldwerte wie z.B. Anleihen schwinden. Für Verbraucher bedeutet es schlichtweg, dass die Preise steigen und zwar für alles. Besonders betroffen sind die Verbraucher die ihre Investition z. B. in Immobilien mit variabler Zinsvereinbarung finanziert haben.
Wie kann man sich vor Inflation schützen?
W.B.: Bei einer Inflation besteht die Gefahr, dass die Zinsen steigen. Derivate bieten hier gute Möglichkeiten, sich vor steigenden Zinsen zu schützen oder möglicherweise sogar davon zu profitieren. Zinscaps, Zinswarrants und Zinsoptionen sind die geeigneten Instrumente dafür. Aber hier ist besondere Vorsicht geboten, um eine optimale Lösung zu finden. Daher sollte man sich auf jeden Fall von Spezialisten beraten lassen. Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
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Datum: 22.03.2011 - 17:34 Uhr
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Freigabedatum: 22.03.2011
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