Wie sich mit Datenprofilen Menschen fernsteuern lassen
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Die unheimliche Transparenz der Bürger in Zeiten schier unbegrenzter Datensammlungen - Fachtagung (19. Mai) , Lesung (19. Mai) und ein Buch zu einem drängenden Problem dieser Tage

(PresseBox) - "Staat und Wirtschaft betreiben die vollständige De-Anonymisierung der Menschen, sind aber nicht in der Lage, die gesammelten Daten sicher aufzubewahren. Mit grober Fahrlässigkeit setzen sie die Bürger und Kunden beliebigen Risiken aus", sagt Joachim Jakobs, Journalist und Co-Autor des Buches "Vom Datum zum Dossier", das Ende Mai erscheint. Tatsächlich sind bei Ärzten, Arbeitsämtern, Banken, Meldeämtern und Steuerberatern schon zahlreiche Daten von Millionen Menschen gespeichert. Wer diese Daten zu Personenprofilen zusammenfasst, erhält individuelle Dossiers mit beeindruckender Detailtiefe. Diese Dossiers sollen nun durch die Neuauflage der Vorratsdatenspeicherung mit weiteren, "verdachtsunabhängigen" Informationen angereichert werden. Die Daten stammen von Facebook, Google, Twitter und anderen Diensten. Das heißt: Das Internet und andere "öffentliche Räume" müssen "flächendeckend" beobachtet werden. Damit ließen sich nicht nur Terroristen fassen, sondern auch Ordnungswidrigkeiten ahnden: Die Bundeskanzlerin hatte bereits vor Jahren verlangt, das "Parken in der dritten Reihe" mit Hilfe der Videoüberwachung zu verfolgen.
Personendossiers sind nicht nur für Strafverfolger von Interesse. Onlinehändler können heute schon mit diesem Wissen "personalisierte Preise" (mit maximalem Gewinn) durchsetzen, Arbeitgeber könnten mit ihnen nicht nur die Arbeitseinstellung der aktuell Beschäftigten, sondern auch politische Präferenzen künftiger Mitarbeiter feststellen, Banken könnten an Hand des Lebenswandels die Wahr-scheinlichkeit berechnen, mit der der Kreditnehmer das Rückzahlungsdatum seines Darlehens erlebt. Und schließlich besteht die Möglichkeit, dass der Fiskus für jeden Steuerpflichtigen individuell das Risiko beziffert, dass dieser beim Lohnsteuerjahresausgleich schummelt.
In der Informationsgesellschaft der Zukunft überwacht Jeder Jeden: Der Arzt den Staatsanwalt und der Polizeibeamte den Bankvorstand. Dieser Trend beschleunigt sich in dem Maß, in dem die Technik bei sinkenden Preisen an Leistungsfähigkeit zunimmt. Geht es aber der Gesellschaft durch diese Entwicklung insgesamt besser? Lebt sie sicherer? Mit Sicherheit hat bislang allenfalls die organisierte Kriminalität profitiert: Die "Untergrundwirtschaft" verdient inzwischen mehr Geld durch den Missbrauch von geklauten Daten als mit Waffen oder Drogen.
Datenschutztag Berlin: 19. Mai, 9 - 17 Uhr
Hotel Aquino, Tagungszentrum, 10115 Berlin-Mitte. Anerkannte Experten aus der Wissenschaft berichten, in welche Richtung die Informationsgesellschaft mit ihren zahlreichen personenbezogenen Daten treibt (u.a. Dr. Alexander Dix, Berliner Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit, Hendrik Speck, Professor für Digitale Medien FH Kaiserslautern, Professor Dr. Norbert Pohlmann, Institut für Internet-Sicherheit | if(is),)
Journalisten sind nach Anmeldung herzlich willkommen
Autorenlesung mit Podiumsdiskussion in der Humboldt-Universität:
19. Mai, ab 18 Uhr, Altes Palais, Unter den Linden 9, Raum 213
Die Teilnahme an der Informationsgesellschaft ist mit dem Risiko des Verlusts personenbezogener Daten verbunden. Die Realität weist uns täglich nach, dass dieses Risiko keine graue Theorie ist. Die notwendige Schlussfolgerung, nur die tatsächlich notwendigen Daten zu erheben, bleibt allerdings aus. (öffentliche Veranstaltung)
Weitere Informationen zum Datenschutztag und zur Autorenlesung: http://www.heise.de/tp/artikel/34/34645/1.html
Vom Datum zum Dossier
Wie der Mensch mit seinen schutzlosen Daten in der Informationsgesellschaft ferngesteuert werden kann Dr. Astrid Auer, Joachim Jakobs, Dr. Niels Lepperhoff
"Vom Datum zum Dossier" erscheint in der Telepolis-Reihe des Heise Verlags. Es ist Ende Mai 2011 im Buchhandel für 16,90 Euro erhältlich.
Mai 2011
182 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-936931-70-9 16,90 Euro(D) / 17,40 Euro(A) / 25,90 sFr
Heise Verlag
Mehr zum Buch: http://www.dpunkt.de/daten_klau
Über Telepolis
Telepolis-Bücher basieren auf dem Themenkreis des Online-Magazins Telepolis. Die Reihe schaut wie das Online-Magazin über den Tellerrand eingefahrener Abgrenzungen hinaus und erörtert Phänomene der digitalen Kultur und der Wissensgesellschaft. Herausgeber ist der Heise Verlag (www.telepolis.de).
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Datum: 10.05.2011 - 14:34 Uhr
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