(dts) - Fast sieben Jahre nach einem Säureattentat, bei dem sie ihr Augenlicht verlor, soll die Iranerin Ameneh B. ihrem Peiniger das gleiche Leid zu fügen. Am Samstag soll das von einem Scharia-Gericht verhängte Urteil vollstreckt und Majid M., der die Frau im September 2004 mit Säure übergossen hatte, in einem Krankenhaus in Teheran geblendet werden. "Ich taste nach seinen Augen, öffne sie und schütte ihm die Säuretropfen hinein. Das habe ich oft geübt - jeden Tag, wenn ich mir selbst Augentropfen geben muss", sagte B. der "Bild-Zeitung" (Freitagausgabe). "Ich bin glücklich, sogar sehr glücklich. Denn nach sechs Jahren Prozessen bekomme ich endlich mein Recht". Gnadengesuche der Familie des Täters erteilte sie eine Absage. "Seine Mutter hat um Gnade gebeten, ich solle Majid seine Augen lassen, er werde immer für mich arbeiten. Aber jetzt ist es zu spät. Ich brauche ihre Entschuldigung nicht." Ihre Familie habe Angst vor Rache, sie selbst nur vor neuerlichen Verletzungen, so B.: "Sie sind keine mutigen Leute. Ich schon. Und ich werde es feiern, notfalls allein. Ich habe Angst, dass ich mir bei der Vollstreckung versehentlich selbst die Hände verätze, weil ich ja nichts sehen kann. Eine Sache sind Augentropfen, eine ganz andere ist Säure." Auch nach 19 Operationen erwartet B. nicht, dass sie je das Augenlicht zurückerlangen werde: "Es gibt inzwischen Chips für Blinde, die etwas Besserung bringen. Aber bei mir geht das nicht, weil alles verätzt ist vom Krug Säure, den Majid mir über den Kopf geschüttet hat. Nach dem heutigen Stand gibt es für mich keine Chance, jemals wieder zu sehen." Mit ihrem Peiniger werde sie nach der Vollstreckung reden, so B.: "Ich werde ihm sagen: Du glaubst, dass du ein Siegertyp bist. Aber ich habe den Pokal. Keiner von uns ist Sieger. Wir sind beide Verlierer, weil wir beide viel gelitten haben."
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