Audi treibt den Energiewandel voran
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Audi treibt den Energiewandel voran
Von Peter Schwerdtmann 16. Mai 2011. Das Auto der Zukunft wird nicht von einem Automobilhersteller im Alleingang entwickelt werden. Selbst alle Autohersteller zusammen wären damit überfordert; denn in Zukunft geht es nicht mehr um das Gefährt auf vier Rädern allein, sondern um ein neues und ganzheitliches Konzept der klimafreundlichen Mobilität, möglichst ohne Anhängigkeit von politisch bestimmten Energielieferanten. Gesucht wird nicht weniger als eine Energiewende für den Verkehr. Audi will jetzt mit der "Audi balanced Mobility" ein Beispiel für die viele Disziplinen übergreifende Denkweise setzen.
Schon der Blick auf die Partner dieser Initiative zeigt, wie komplex die Antworten auf die Fragen nach der Mobilität der Zukunft ausfallen: Nach drei Jahren Forschung und Vorbereitung startet Audi jetzt die Umsetzung seines E-Gas-Projekts mit dem Stuttgarter Unternehmen Solarfuel GmbH, dem Zentrum für Wasserstoffforschung (ZSW) in Stuttgart, dem Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) in Kassel und der EWE Energie AG.
Die diesem Projekt zugrunde liegende Idee klingt einfach: Überschüssige Wind- und Solarenergie wird gespeichert, indem man zunächst aus Wasser per Elektrolyse den Wasserstoff gewinnt. Der kann entweder direkt in Brennstoffzellen eingesetzt werden oder wenn man den Wasserstoff mit dem Kohlenstoff aus dem Kohlendioxid verbindet, lässt sich künstliches Erdgas (Methan) herstellen. Dieses Methan kann Erdgas-Autos betreiben. Es kann aber auch in das vorhandene Erdgasnetz eingespeist und an Haushalte oder Kraftwerke geliefert werden.
Zu unserem bereits großen Erdgasnetz gehören auch riesige unterirdische Speicher, aus denen man Deutschland bis zu drei Monate versorgen kann. Genau die Fragen der Netze und der Speicherung sind es, die in der aktuellen Diskussion um die Energiewende die Experten beschäftigen. Wir suchen nach Wegen, den im Norden mit Windkraft erzeugten Strom zu den Verbrauchern zu transportieren. Hier bietet sich mit dem künstlichen Erdgas ein Weg an, der heute bereits gangbar ist. Die Netze und die Speicher sind vorhanden; der Bau neuer Erdgas-Pipelines dürfte weniger Konflikte mit den betroffenen Bürgern heraufbeschwören als neue Hochspannungsleitungen.
Man darf also gespannt sein, ob dieser Weg beschritten wird. Audi und seine Partner unternehmen jedenfalls die notwendigen Schritte, um den technischen Nachweis der Umsetzbarkeit des Konzepts zu führen. Den ersten großen Baustein des Projekts finanziert Audi gemeinsam mit einem regionalen Energieversorger. Es handelt sich um eine Windkraftanlage vor der Nordseeküste, die pro Jahr mehr als 50 Gigawatt Strom liefern soll, soviel wie eine mittelgroße Stadt verbraucht.
Der zweite Baustein des Projekts ist die E-Gas-Anlage, die Wasserstoff und Methan im industriell nutzbaren Umfang herstellen soll. Eine erste Pilotanlage konnten die Partner jetzt in Hamburg bereits vorstellen. Der erste Spatenstich für die größere Anlage soll im Juli dieses Jahres erfolgen. Diese E-Gas-Anlage wird mit einer Abfall-Biogasanlage gekoppelt, von der sie das konzentrierte Kohlendioxid beziehen kann. Pro Jahr wird sie etwa 1000 Tonnen E-Gas gewinnen und dabei 2800 Tonnen Kohlendioxid binden.
Der Strom aus Windkraft und das Methan aus der Anlage werden bereits in der ersten Phase für rund 2500 Automobile mit Energie beliefern können. Ein mit E-Gas betriebenes Erdgas-Auto der Kompaktklasse emittiert pro Kilometer weniger als 30 Gramm Kohlendioxid, wenn man die CO2-Bilanz von der Quelle bis zum Rad betrachtet. Dabei sind die Emissionen für den Bau der Windräder und der E-Gas-Anlage bereits eingerechnet.
Audi-Entwicklungsvorstand Michael Dick: "Die Audi AG realisiert mit ihren Projektpartnern ein Verfahren, das die CO2-neutrale Mobilität in greifbare Nähe rückt." Dazu gehören natürlich auch die passenden Autos im Produktportfolio. Als erstes rollendes E-Gas-Produkt kündigte Dick jetzt einen A3 an, der ab 2013 mit der Modellbezeichnung TCNG angeboten werden soll (T für Turbo und CNG für Compressed Natural Gas oder Erdgas). Den Audi A1 e-tron, ein rein batterieelektrisches Auto, steht ebenfalls auf dem Produktprogramm.
Die Idee hinter Audi balanced Mobilty ist so einfach wie faszinierend: Der überschüssige Strom aus Wind und Sonne kann gespeichert und über Wasserstoff und Methan hochflexibel für die Stromgewinnung, die Wärmeerzeugung und den Verkehr eingesetzt werden. Nun ist die Sonne in unseren Breiten selten fleißig genug, der Wind aber schon, meint das IWES. Fast 65 Prozent des Bruttostromverbrauchs von 2010 ließen sich mit Windkraft erzeugen. E-Gas und das vorgestellte Verfahren haben das Potenzial, Teil des notwendigen Energiewandels zu werden.
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Datum: 17.05.2011 - 08:00 Uhr
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