Nash Technologies-Manager Stahl: Energiewende erfordert neues Internet und nicht nur Netzausbau
ID: 436880
Stromversorgung buchstäblich auf den Kopf. Die Bundesnetzagentur mahnt einen
beschleunigten Netzausbau an, damit es nicht zu Engpässen bei der Stromversorgung
und zur Netzüberlastung kommt
http://www.focus.de/immobilien/energiesparen/energiewende-bundesnetzagentur-warnt-
vor-versorgungsluecken_aid_641967.html. Ein Ausbau alleine reicht allerdings nicht aus.
Wurde der Strom bislang zentral in einer überschaubaren Zahl von Großkraftwerken
erzeugt, soll er schon in wenigen Jahren zu einem großen Teil von Zigtausenden von
großen Windrädern, Tausenden von Biogasanlagen und Millionen von kleinen
Photovoltaikanlagen bereitgestellt werden.
Da diese Anlagen den Strom überdies sehr unregelmäßig in das Netz einspeisen, wird die
Stabilisierung der Netzfrequenz zu einer Herkulesaufgabe, die vor allem ein sicheres
Kommunikationssystem erfordert. Das herkömmliche Internet ist dafür nicht geeignet. Es
hat sich zwar als außerordentlich robust und lernfähig erwiesen, doch verfügt es nicht über
die geforderte Dienstgüte (Quality of Service: QoS), wie garantierte Antwortzeiten oder
Bandbreitenreservierung - und das alles in einem sehr großen Netz. Außerdem bleibt es
anfällig für Hackerangriffe. Daran kann auch eine noch so aufwändige Verschlüsselung
von Botschaften nicht viel ändern.
Die großen Stromversorger haben daraus die Konsequenz gezogen, ihre
Kommunikationsnetze völlig vom Internet zu trennen. Doch diese Lösung ist auf die
Vielzahl kleiner Stromerzeuger nicht anwendbar. Deren Steuerung und Koordination bleibt
auf die „Datenwolke" angewiesen. Doch der nachträgliche Einbau Qualitity of Service-
Features macht das klassische Internet schwerfällig. Diese Maßnahmen bekämpfen nur
Symptome, ohne zum Kern des Problems vorzudringen. „Gefragt sind
Kommunikationsnetze, die von vornherein mit Quality of Service einschließlich Sicherheit
konzipiert sind", meint Bernd Stahl, Senior Systems Architekt bei Nash Technologies in
Stuttgart http://www.nashtech.com/index.php?id=61. „Das erfordert aber keine physische,
sondern eine logische Trennung der Netze", erläutert Stahl. „Was wir brauchen, ist ein
Multi-Service-Network."
Bislang folgte die Entwicklung des Internet in Form einer Selbstorganisation nach der
Methode von Versuch und Irrtum. Ergaben sich Probleme, baute man dem Gebäude
einen Balkon nach dem andern an. Dadurch verschlimmerten sich die Probleme
längerfristig. Vor allem verschaffte die wachsende Unübersichtlichkeit Hackern neue
Angriffspunkte. Nicht zuletzt entwickelte sich das Internet, das zunächst als große Chance
für die Ressourcenschonung erschien, zu einem der größten Stromfresser. „Abhilfe kann
hier nur ein neues Systemdesign schaffen", betont Stahl. Allerdings können die Netzwerk-
Designer die Herausforderungen der Energiewende keineswegs alleine bewältigen. Die
Politik hat eine Bringschuld. „Wir erwarten eine Initiative der EU zur Förderung von
Forschung und Entwicklung für den Aufbau intelligenter Stromnetze", fordert der
Netzwerkspezialist von Nash Technologies.
Siehe auch:
Intelligentes Netz für die Energiewende - Experteninterview mit Nash Technologies.
http://soundcloud.com/gsohn/intelligentes-netz-f-r-dieWeitere Infos zu dieser Pressemeldung:
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Datum: 06.07.2011 - 21:16 Uhr
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