Nationalpark Nordschwarzwald - Kressl: Bedeutung des Rohstoffs Holz nicht unterschätzen

Nationalpark Nordschwarzwald - Kressl: Bedeutung des Rohstoffs Holz nicht unterschätzen

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Bundes- und Landtagsabgeordnete waren zu Gast bei Keller Holz in Lichtenau-Scherzheim. Geplanter Nationalpark stand im Mittelpunkt der Diskussion.



Auf Werksbesichtigung bei Keller Holz Auf Werksbesichtigung bei Keller Holz

(firmenpresse) - Berlin/Lichtenau-Scherzheim, 3. August 2011 – Auf Einladung des Bundesverbands Säge- und Holzindustrie Deutschland e. V. (BSHD) waren am Dienstagvormittag die Bundestagsabgeordnete Nicolette Kressl (SPD) sowie der Landtagsabgeordnete Ernst Kopp (SPD) zu Gast bei der Firma Keller Holz, einem Hersteller von Verpackungshölzern in Lichtenau-Scherzheim. Schwerpunktthema der Werksbesichtigung war der geplante Nationalpark Nordschwarzwald. Nach Wünschen des Naturschutzbunds (NABU) und der grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg sollen hier mindestens 10.000 Hektar Waldfläche der nachhaltigen Waldbewirtschaftung entzogen werden. Die wirtschaftliche Grundlage der Holz be- und verarbeitenden Unternehmen in der Region stünde damit auf dem Spiel. Naturschutz- und Tourismuseffekte werden jedoch nach Ansicht des BSHD überschätzt.
„Uns ist es ein Anliegen, mit den Unternehmen vor Ort im engen Kontakt zu stehen und uns persönlich über deren Sorgen und Nöte zu informieren. Allerdings müssen wir alle Interessen im Auge behalten – und es gibt eine Reihe von wichtigen Argumenten auf beiden Seiten. Daher wird es einen breiten Abstimmungsprozess hinsichtlich der Nationalparkfrage geben“, sagte Kressl nach ihrem gestrigen Besuch in Lichtenau-Scherzheim. Die Bedenken der Holzindustrie vor Ort sind groß. Lars Schmidt, geschäftsführender Vorstand des BSHD kritisiert: „Bislang völlig ausgeblendet bei der Diskussion wird die Bedeutung des nachwachsenden und klimafreundlichen Rohstoffs Holz für die Bevölkerung und die heimische Industrie. Denn der Nutzungsverzicht in der Nationalparkkulisse wäre keine einmalige Sache, sondern beträfe jedes Jahr fast 100.000 Festmeter Holz. Dies entspräche einer Menge von knapp 1.600 Lkw-Ladungen Holz, die von den Unternehmen in der Region pro Jahr aus dem Ausland importiert werden müsste. Mit dem Nutzungsverbot verzichten wir zu Lasten der regionalen Wirtschaft auf den nachhaltigen und wertvollen Zuwachs aus unseren heimischen Wäldern.“



Wirtschaftsgrundlage: Holz aus der Region

40 Prozent der Landesfläche Baden-Württembergs ist von Wald bedeckt. Die Nutzung dieser Waldfläche stellt einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor für die Region dar. „Es geht um unsere Wirtschaftsgrundlage und damit um Arbeitsplätze“, mahnt Jörg Keller, Geschäftsführer von Keller Holz. Der Unternehmer beschäftigt 30 Mitarbeiter in der Region Nordschwarzwald und hat sich auf die Produktion von Schnittholzsortimenten für die Verpackungsindustrie spezialisiert. Ihn und seine Belegschaft würde das Nutzungsverbot besonders hart treffen. „Mit unserem Standort südlich von Karlsruhe sind wir auf die nahegelegenen Waldgebiete als Rohstofflieferant angewiesen, um eine ganzjährige Rundholzbereitstellung zu gewährleisten“, sagt Keller. „Da wir mit unseren Produkten fast ausschließlich Kunden aus der Region beliefern, müssten sich die Firmen um entsprechende Alternativen kümmern“, erklärt der Unternehmer. Dabei setzt nicht nur Keller bewusst auf den heimischen Rohstoff, sondern auch die weiterverarbeitenden Betriebe. Dirk Hofer, Geschäftsführer der Treyer Paletten GmbH aus Bad Peterstal und Vorsitzender der Gütegemeinschaft Paletten schlägt in die gleiche Kerbe: „CO2-intensive Importhölzer stellen für uns bislang keine Alternative dar. Das soll auch so bleiben, da wir damit einen entscheidenden Beitrag für die Wirtschaftsentwicklung im ländlichen Raum sowie den Umwelt- und Klimaschutz leisten“.

Naturschutz- und Tourismuseffekte überschätzt

Nach Ansicht des BSHD ist die naturschutzfachliche Begründung für ein Großschutzgebiet mit Blick auf den Artenschutz höchst umstritten. „Sich selbst überlassene Wildnis nimmt Förstern die Möglichkeit, die Wälder klimaresistent umzubauen. Wir schützen am besten, indem wir nutzen“, sagt Schmidt, selbst studierter Forstwirt. Auch die Effekte eines Nationalparks auf den Tourismus seien nach Meinung des Bundesverbandes widersprüchlich. Jörg Keller, der in der Region beheimatet ist, erläutert: „Die strengste Schutzkategorie nach Naturschutzgesetz trifft bei den geplanten Vorhaben auf eine bereits bestehende und erfolgreiche touristische Infrastruktur im Wald.“ Keller berichtet weiter: „Schon jetzt verzeichnen wir dreimal so viele Übernachtungen wie beispielsweise der Bayrische Wald. In der Region um den dortigen Nationalpark sind die Übernachtungszahlen rückläufig. Der Grund: Durch die Verwilderung wird der Wald für Touristen unattraktiver, da ein Großteil der Waldfläche nicht mehr betreten werden kann. Aktivitäten wie ein ausgiebiger Waldspaziergang, Wandern oder Mountainbiken sind nur eingeschränkt möglich und aufgrund der kahlen Waldflächen weniger attraktiv. Ein positiver Effekt für den Tourismus ist daher mehr als fraglich.“

Aus diesen Gründen nütze der Nationalpark weder Mensch noch Natur: „Der Wald liefert jedes Jahr wertvollen Zuwachs für die Region. Davon profitieren die Bevölkerung und die regionale Holzindustrie. Tourismus war dazu bislang kein Widerspruch, sondern sinnvolle Ergänzung“, fasst Herbert Körner, geschäftsführender Vorstand des Deutschen Forstunternehmerverbands und selbst Forstunternehmer aus Baden-Württemberg, die Diskussion zusammen.
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Datum: 03.08.2011 - 11:19 Uhr
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