Gartner: Elektroautomobile leiden in Deutschland aufgrund nicht erfüllter Kundenerwartungen an Marktakzeptanz
ID: 455322
Elektroantriebe sind laut aktueller Umfrage die am wenigsten bevorzugte Antriebstechnologie deutscher Autofahrer
Die Gartner-Studie "Elektromobilität in Deutschland" wurde im ersten und zweiten Quartal 2011 durchgeführt und offenbart, dass die Mehrheit der deutschen Konsumenten auch bei ihrem nächsten Autokauf Fahrzeuge mit Benzinmotor bevorzugen. Es folgen Autos, die mit Hybrid-Technologie betriebenen sind; hier stieg das Interesse der Verbraucher im Vergleich zu 2010. Das Interesse an der Diesel-Technologie scheint dagegen zu stagnieren, liegt in der Beliebtheit der Konsumenten aber noch immer an dritter Stelle gefolgt von mit Erdgas betriebenen Fahrzeugen. Die geringste Akzeptanz erfahren Fahrzeuge mit Elektroantrieb - nur 16 Prozent der Deutschen erwägen diese Technologie auf jeden Fall für ihren nächsten Autokauf.
Konsumenten, die sich für die Anschaffung eines EF interessieren, stellen an dieses konkrete Ansprüche, welche die heutigen Modelle jedoch noch nicht erfüllen können: Fast ein Fünftel der deutschen Autofahrer, die ein EF für ihren nächsten Autokauf erwägen, sind nicht bereit, dafür einen Aufpreis zu zahlen. Nur acht Prozent der Befragten wären bereit, einen Aufpreis von 8.000 ? oder mehr für ein EF auszugeben, verglichen mit dem Kaufpreis eines traditionellen Autos mit Verbrennungsmotor. Zudem erwartet fast die Hälfte aller an einem EF interessierter Autofahrer, dass ein komplett elektrisch betriebenes Automobil 30-40 Prozent Betriebskosten einspart im Vergleich zu einem konventionellen Fahrzeug.
"Die Mehrheit der deutschen Autofahrer beurteilt das Elektroauto aus Umwelt- und sozioökonomischen Aspekten weiterhin positiv. Jedoch ist eine kurzfristige, breite Marktnachfrage schwer zu realisieren, da die heutigen Fahrzeugangebote nicht den Anforderungen der Konsumenten hinsichtlich Kosten und Nutzen entsprechen," sagt Thilo Koslowski, Vice President und Leiter der Automobilindustrie-Beratung bei Gartner. "Um den Sprung von einigen wenigen 'Kauf-Pionieren' von Elektrofahrzeugen hin zur 'Mainstream'-Nachfrage zu realisieren, müssen Automobil-Firmen ihre Aktivitäten auf technologische Innovationen fokussieren und Preisstrategien anstreben, die denen von Diesel- oder Hybrid-Fahrzeugen ähneln. Zudem sollten sie diverse EF-Modelle konzipieren, die beispielsweise speziell auf jüngere Konsumenten ausgerichtet sind, deren Interesse an Elektroautos ausgeprägter ist als bei älteren Autofahrern."
Laut Gartner muss auch die Bundesregierung ihre Aktivitäten und Ziele hinsichtlich e-Mobilität klar definieren und eventuell anders ausrichten. Soll das Hauptziel sein, den Verkauf von Elektroautos zu steigern, müssen finanzielle Hilfen für Forschungs- und Entwicklungsprojekte hinsichtlich neuer Batterietechnologien und privater Auflade-Möglichkeiten deutlich erhöht werden. Investitionen in eine öffentliche Auflade-Infrastruktur sind dagegen weniger effektiv, um e-Mobilität kurz- oder mittelfristig zu realisieren.
Ist das primäre Ziel jedoch, den Verbrauch von Rohöl und CO2 zu reduzieren, sollte die Bundesregierung ihre Aktivitäten und finanziellen Hilfen diversifizieren, um etwa die Effizienz von alternativen Antriebstechnologien zu fördern, inklusive des Verbrennungsmotors. Zusätzlich sollte die Regierung Konsumenten dazu motivieren, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen oder neue innovative Mobilitätskonzepte wie 'Car Sharing'-Programme unterstützen.
Gartner hält weiter an der im Jahr 2009 aufgestellten Prognose fest, dass der Anteil von batteriebetriebenen Fahrzeugen (voll elektrisch und hybrid) an allen Autoverkäufen in industriellen Märkten im Jahr 2020 zwischen 5-8 Prozent und im Jahr 2030 zwischen 15-20 Prozent erreichen wird.
"Das Elektroauto und die e-Mobilität werden wichtige Bestandteile zukünftiger Transport-Szenarien in Deutschland werden. Automobilfirmen und die Bundesregierung müssen aber die Problematik der mangelnden Kundenakzeptanz durch technologische Förderungen lösen und die Zusammenarbeit über Industriegrenzen hinweg weiterhin unterstützen", sagt Thilo Koslowski. "Zukünftige Mobilitätskonzepte werden aus diversen Antriebsformen und neuen Geschäftsmodellen bestehen, die Technologien dazu nutzen, um die Mobilitätsbedürfnisse der Konsumenten zu befriedigen und gleichzeitig das traditionelle 'Autobesitztum' neu zu definieren."
Zusätzliche Informationen zu der Analyse finden Sie in der Gartner Studie: "Strategic Market Considerations for Electric Vehicle and e-Mobility Adoption in Germany". Die Studie steht Gartner Kunden auf der folgenden Gartner Webseite http://www.gartner.com/resId=1748416 zur Verfügung.
Im ersten und zweiten Quartal 2011 führte Gartner eine repräsentative Online-Befragung unter 3.000 Autobesitzern in den USA, Deutschland und China durch. Der Schwerpunkt der Analyse lag dabei auf den Präferenzen der Konsumenten, ihren Bedürfnissen und Einstellungen hinsichtlich Elektromobilität sowie auf den Veränderungen im Vergleich zur Vorjahresstudie.
Gartner, Inc. (NYSE: IT) ist ein weltweit führendes IT-Marktforschungs- und Beratungsunternehmen. Führungskräfte in den Bereichen Technologie und Wirtschaft sowie Investoren, Regierungsabteilungen und Service-Anbieter nutzen Gartner, um tagtäglich strategische Entscheidungen zu treffen. Gartner ist ein wertvoller Partner für 60.000 Kunden in 11.000 Organisationen weltweit. Die Firma Gartner wurde 1979 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Stamford Connecticut, USA. Gartner hat 4.400 Mitarbeiter, darunter sind 1.200 Analysten und Consultants. Weitere Informationen über Gartner finden Sie unter www.gartner.com.
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Datum: 03.08.2011 - 09:34 Uhr
Sprache: Deutsch
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