Handwerkskammer Cottbus plädiert für duale Ausbildung
29.04.2008 - 11:54 | 47957
Kritik: Kammer spricht sich gegen „verschlanktes“ IHK-Modell aus
Das duale Ausbildungssystem hat sich zu einem Erfolgsmodell entwickelt, über dessen Ausrichtung in Industrie, Handel und Handwerk diskutiert wird.
So favorisiert die Industrie- und Handelskammer Cottbus das Konzept „Dual nach Wahl“: Eine verkürzte Lehrzeit basierend auf Grund- und Spezialkenntnissen, soll sich stärker an den Unternehmen und deren Bedarf an Fachpersonal orientieren. Für wenig praxistauglich hält diese Idee die Handwerkskammer Cottbus (HWK), da bei einer verkürzten Ausbildungszeit auch wertvolle Kompetenzen und Fähigkeiten auf der Strecke bleiben. Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der HWK, übt deshalb Kritik an dem
vorgeschlagenen Modell:
(firmenpresse) - „Das Handwerk als Dienstleister benötigt Nachwuchs mit einem ganzheitlichen, anschlussfähigen Berufslaufbahnkonzept und deshalb ein Bildungsprogramm, das Grund-, Kern- und Spezialmodule enthält. In der ersten Stufe wird breite Basiswissen vermittelt, das mehrere Berufe gemeinsam prägen. Daran schließen sich die Kernmodule an. Sie enthalten berufstypische Kompetenzen, die sich gegenüber anderen Berufen abgrenzen. Im letzten Spezialmodul erhält der Auszubildende die Wahlmöglichkeit entsprechend den branchenspezifischen Besonderheiten. Bei einer ‚Verschlankung‘ der Ausbildungszeit können diese wertvollen Kompetenzen schwerlich erlernt werden.
Ein Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik würde bei dieser neuen Ausrichtung beiispielsweise nur Zugang zu einer bestimmten Technologie, einer Heizungsanlagentechnik, haben. Hier könnte zwar eine Spezialierung und Perfektion in kurzer Zeit erreicht werden, was vielleicht wirtschaftliche Vorteile für das Unternehmen bringt. Doch nicht jeder Auszubildende kann von seinem Betrieb übernommen werden. Beim Arbeitsplatzwechsel des Gesellen wird deutlich, dass er nur eingeschränkt tätig werden kann, da er einseitige Fähigkeiten hat.
Auch für leistungsschwächere Bewerber sehen wir in einer solchen Ausbildungsform deutlich bessere Zukunftschancen. Wir möchten keine Hilfskräfte ausbilden, die von einer kurzen Lehrzeit profitieren. Viel erfolgreicher ist es, leistungsschwächere Jugendliche bereits vor Ausbildungsbeginn mit einer Einstiegsqualifizierung zu unterstützen.“
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