Im Autohandel fehlt es an der emotionalen Ansprache der Kunden
(firmenpresse) - Bonn/Hannover-Langenhagen - Der Mai war für das deutsche Kraftfahrzeuggewerbe kein „Wonnemonat“. Der Auftragseingang des Automarktes schwächte sich ab. Im Mai 2008 lagen die Neuzulassungen nach Angaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) http://www.faz.net mit rund 275.000 Fahrzeugen um sechs Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Auch eine aktuelle Studie der Dekra Consulting http://www.dekra.de bestätigt: Unser Autohandel steckt in der Krise. Jeder merkt es im eigenen Geldbeutel: Autofahren wird immer teurer. Allein in den letzten zwölf Monaten (von Mai 2007 bis Mai 2008) sind die Kosten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 4,3 Prozent gestiegen.
Warum steckt der Autohandel in der Krise? Die Gründe sind bekannt. Hohe Energiekosten führen zu steigenden Werkstattpreisen. Hohe Benzinpreise vermiesen uns die Fahrt an die Zapfsäule. Außerdem ist die Politik zu einem ganz erheblichen Teil schuld an der Misere. Weil die Bürgerinnen und Bürger immer stärker mit Sozialabgaben und Steuern belastet werden, stagnieren die Nettolöhne schon seit langem.
Die politischen Rahmenbedingungen sind weiterhin unklar. Das gilt für die Umweltzonen in Innenstädten, die Förderung der Russpartikelfilter oder die CO2-Steuer. „Die Autofahrer warten auf klare Steuersignale“, so die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Doch diese bleiben aus. Auf der Website des Magazins Autohaus http://www.autohaus.de klagt ein potentieller Auto-Käufer: „Man nenne mir einen einzigen Grund, warum ich derzeit ein Auto kaufen soll? In Zeiten, wo sich der Ölpreis während der Nutzungsdauer verfünffacht, wo der Dieselkraftstoff pro Liter innerhalb eines halben Jahres um 30 Cent steigt, wo alle möglichen und unmöglichen Umwelt- und Technikexperimente angesagt werden, wo die Preise für Anschaffung, Betrieb und Unterhalt im Schweinsgalopp davonrennen, gehe ich und viele Kunden nicht das Risiko ein, 20.000, 30.000 oder 40.000 für ein Auto auszugeben, das sich nach einigen Jahren als unverkäuflich herausstellt. Solange abwarten, bis man wieder klare und sichere Entscheidungen mit Zukunftsperspektive treffen kann. Das Auto hat viel von seiner Faszination verloren. Es mutiert zum notwendigen Übel. Aus Freude am Fahren wird Frust am Fahren. Dafür lohnt es sich nicht, mehr als unbedingt nötig zu investieren.“
Doch mit einem Dauerlamento ist der Branche und den Millionen Autofahrern in Deutschland nicht gedient, lautet die Überzeugung von Uwe Röhrig. Der Automobilexperte ist Inhaber des Hannoveraner Beratungsunternehmens International Car Concept (ICC) http://www.icconcept.de. Er fordert die Branche auf, das umzusetzen, was sie selbst beeinflussen kann. „Der Autoindustrie mangelt es insgesamt an der richtigen Kundenorientierung. In der Produktion und Entwicklung herrscht die Meinung vor, dass sie so tolle Fahrzeuge herstellen, während der Vertrieb im Großen und Ganzen überflüssig ist und nur Geld kostet. Dass diese Einschätzung falsch ist, sieht man allein in der Tatsache begründet, dass Autos im Wesentlichen immer noch über den Bauch, also mit einem sehr hohen Anteil an Emotionen, gekauft werden“, so Röhrig.
„Unternehmen brauchen couragierte, motivierte, kundenfokussierte, unternehmerisch mitdenkende, loyale, begeisterte, ja geradezu glückliche Mitarbeiter. Mit ihnen lässt sich Großes gewinnen. Mit den reinen Zahlenmenschen, Technokraten und Bürokraten hingegen kann man viel verlieren – zu allererst die Kunden“, sagt der ICC-Chef. Vielleicht kann sich die Branche auch ein Beispiel nehmen an einigen Kickern bei der derzeitigen Europameisterschaft. „Schauen Sie sich nur die Türken an, wie sie in zwei Partien mit ihrer Leidenschaft die Spiele gedreht haben. Warum sollten wir uns eine solche Einstellung nicht zum Vorbild nehmen für unseren Berufsalltag? Auf die Automobilbranche bezogen: Diejenigen, die von ihren eigenen Produkten und Dienstleistungen fest überzeugt sind und mit Leidenschaft für sie werben, die haben es auch leichter, andere zu überzeugen.“
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