Über das Spielen mit Hunden
„Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir!“
Was kaum einer weiß: Eigentlich lautet dieser Satz ursprünglich anders herum: „Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.“ Der römische Autor Seneca war wohl schon zu seiner Zeit der Auffassung, dass der Schulunterricht reformbedürftig ist und oftmals einfach an der Realität vorbei geht...
Für Hunde - und damit im weiteren Sinne für alle sozial lebenden Tiere – besitzt dieser eigentlich sinnentstellte Satz allerdings eine zutreffende Gültigkeit. Hunde lernen grundsätzlich ausschließlich auf das Leben bezogen, Lernen zum Selbstzweck ist ihnen fremd.
Auf welche Weise lernen Hunde?
Frontalunterricht, Auswendiglernen, Prüfungen und Noten sind typische Instrumente menschenerfundener Schul-Pädagogik und taugen nicht für das praxisorientierte Lernen der Caniden. Sehen wir dagegen auf unsere Kinder und ihre Art, die Spiel-Regeln des Lebens einzuüben, befinden wir uns auf etwa der selben Ebene, auf der auch Hunde lernen: Spielend erobern sie ihre Welt.
Woran erkennt man, dass Hunde spielen?
Typisch für das Spielen von Hunden ist, dass Elemente aus verschiedenen Bereichen ihres Lebens in willkürlicher und variabler Folge aneinander geknüpft werden. So kann beispielsweise eine wilde Verfolgungsjagd plötzlich mit Sequenzen aus dem Sexualverhalten oder Pflegeverhalten kombiniert werden, ohne dass ein für Menschen erkennbarer „Sinn“ dahinter steckt. Wichtiges Merkmal des Spielens ist natürlich auch der fehlende Ernstbezug und vor allem das grundsätzliche Ausbleiben einer Endhandlung. Andernfalls gäbe es nach jedem Freispiel unter Hunden garantiert Tote...
Unter welchen Bedingungen spielen Hunde?
Nicht nur junge, auch viele erwachsene Hunde spielen gerne miteinander, aber auch mit dem Menschen oder allein.
Anders ihre wilden Verwandten: diese sind - einmal erwachsen - mit lebenswichtigen Aufgaben fast vollständig ausgefüllt: Der Nahrungsbeschaffung, der Fortpflanzung und dem Schutz und der Verteidigung von Rudel und Territorium.
Der Hund unserer heutigen Gesellschaft wird hingegen selten mit Aufgaben, die das Überleben sichern, betraut. Allenfalls wird ihm noch die Aufgabe der Grundstücksbewachung übertragen, ansonsten erfüllt er in der Regel die soziale Funktion eines „Familienmitgliedes“ und bekommt als solches automatisch seinen Anteil an der „Beute“, ohne dass er sich dafür anstrengen muss. Wie Kinder sich an den gedeckten Tisch setzen, so wird ihm regelmäßig der gefüllte Napf vorgesetzt. Und wer nicht um sein Überleben kämpfen muss, der hat Zeit und Lust zum Spielen.
Das ist auch der Grund dafür, dass Hunde auffällig gerne ausgerechnet direkt nach dem Fressen toben. Was dem Hundebesitzer im Hinblick auf eine drohende Magendrehung Anlass zur Besorgnis gibt und unbedingt unterbunden werden sollte, ist für den Hund – und ganz besonders für den jungen Hund- eine ganz natürliche Sache: er hat seinen Sättigungstrieb befriedigt und schon fließen neue Energien, die sich im Spiel Bahn brechen wollen.
Welche Bedeutung hat das Spielen für die Hundeerziehung?
Die Erkenntnis, dass Spielen für einen Hund nicht einfach nur eine Art „Zeitvertreib“ ist, sondern dem Einüben sozial wichtiger Verhaltensmechanismen dient, können sich Hundebesitzer für die Festigung der Bindung zum Hund zu Nutze machen.
Oberstes Gebot ist dabei: Spielzeug wird dem Hund prinzipiell nicht zur freien Verfügung überlassen, sondern nur zum Zweck des gemeinsamen Spiels hervorgeholt und anschließend auch wieder weggeräumt. So erhöht sich automatisch die Aufmerksamkeit des Hundes gegenüber dem Spielzeug, es wird sozusagen zum „Objekt seiner Begierde“.
Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören
Abgesehen davon, dass sich die Attraktivität des Spielzeugs auf diese Weise erhöht, wird so auch der hohe Rang des Hundebesitzers wirkungsvoll unterstrichen: er hat die volle Verfügungsgewalt darüber, wann und wie lange Spaß angesagt ist. Dementsprechend beendet auch der Besitzer und nicht der Hund das Spiel, was natürlich voraussetzt, dass der Besitzer erkennt, wann der richtige Augenblick für eine Beendigung des Spiels gekommen ist. Bei sehr spielfreudigen Hundrassen wie z.B. Border Collies kann eine Spielsequenz ungemein lange dauern, ohne dass der Hund die Lust daran verliert. Bei Hunden mit wenig ausgeprägtem Spieltrieb wie z.B. dem Eurasier kann schon nach 5 Minuten das Interesse nachlassen. Faustregel beim erfolgreichen Spiel mit Hunden: immer genau dann abbrechen, wenn das Spiel sich auf seinem Höhepunkt befindet! Oder anders gesagt: auf keinen Fall so lange spielen bis der Hund das Interesse verliert.
Fazit: das Herz eines Hundes lässt sich immer wieder „spielend“ erobern, wenn man die richtige Technik drauf hat!
„Acta est fabula, plaudite!“ - « Aus ist das Spiel, applaudiert ! » (Augustus)
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Datum: 19.06.2008 - 16:32 Uhr
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Freigabedatum: 19.6.2008
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