IW-Berechnung - Hysterie über Italiens Schuldzinsen ist übertrieben

IW-Berechnung - Hysterie über Italiens Schuldzinsen ist übertrieben

ID: 519395

IW-Berechnung - Hysterie über Italiens Schuldzinsen ist übertrieben



(pressrelations) - Die Zahlen widersprechen der aktuellen Panik: An den Finanzmärkten wird verbreitet, ein Zinssatz von sieben Prozent auf Anleihen überfordere Italien. IW-Ökonom Jürgen Matthes hat dagegen berechnet, dass das Land sogar noch höhere Belastungen verkraften kann.

Italien stellt die Eurozone derzeit vor große Probleme. Wenn die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsgemeinschaft ihre Schulden nicht mehr bedienen kann, stößt auch der Rettungsfonds EFSF an seine Grenzen. Deshalb wird bereits über ein stärkeres Eingreifen der Europäischen Zentralbank spekuliert. Sie solle vermehrt italienische Anleihen kaufen, fordern Experten wie der Nobelpreisträger Paul Krugman - und damit den Zinsdruck für das Land lindern. Doch eine Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt, dass die Panik übertrieben sein könnte. Zwar liegt der aktuelle Zins mit knapp sieben Prozent sehr hoch, doch im langfristigen Durchschnitt kommt Italien weitaus günstiger weg.

Aber warum gilt ausgerechnet der Zinssatz von sieben Prozent als kritische Marke? Der Grund: Bei diesem Niveau nahmen schon Portugal und Irland die Hilfe des EFSF in Anspruch.

Doch die Lage Italiens ist nur bedingt mit jener der anderen Euro-Sorgenkinder vergleichbar: Wie Berechnungen des IW zeigen, wäre die Belastung für Italien selbst bei einem Zinssatz von neun Prozent noch deutlich niedriger als in der Vergangenheit - und da konnte das Land sie bei ähnlich hohem Schuldenstand durchaus verkraften.

Um die Berechnung des IW zu verstehen, muss man wissen, dass sich ein gestiegener Zinssatz für ein Land nur bei der Aufnahme neuer Schulden auswirkt. Der Wert für die alten Schulden ändert sich nicht. Der Zins am Sekundärmarkt, also dort wo Besitzer von Staatsanleihen miteinander handeln, betrifft ein Land also nicht, das kaum neue Schulden aufnehmen muss.

Italien muss bis 2015 allerdings rund 750 Milliarden Euro an alten Schulden tilgen und durch neue ersetzen. Das gilt ? etwa im Vergleich zu Griechenland ? als sehr viel. Deshalb werden an den Märkten Bedenken geäußert, das Land könne mit seiner Refinanzierung überfordert sein. Doch laut IW-Ökonom Jürgen Matthes sind diese Bedenken überzogen: "Der Durchschnittszins erhöht sich nur nach und nach. Bis 2015 wird noch nicht einmal die Hälfte des Schuldenstandes von 1,9 Billionen Euro umgewälzt."



In Modellrechnungen zeigt Matthes, dass sich der Durchschnittswert bei einem aktuellen Zinssatz von sieben Prozent bis 2015 gerade einmal auf 5,3 Prozent erhöht. "Italien musste bis zum Jahr 2001 wesentlich höhere Durchschnittszinsen verkraften und konnte das auch", sagt Matthes. Ein vereinfachtes Beispiel zeigt, wie der IW-Experte gerechnet hat:

  • Der gesamte Schuldenstand beträgt rund 1,9 Billionen Euro, die durchschnittlichen Zinsen darauf liegen laut EU-Kommission im Jahr 2011 bei 4,2 Prozent.
  • 2012 werden rund 300 Milliarden Euro fällig, die annahmegemäß ebenfalls zu 4,2 Prozent im Durchschnitt verzinst sind. In der Modellrechnung verlangen die Investoren für neue Kredite aber sieben Prozent Zinsen.
  • Der neue Durchschnittssatz wird dann aus den 1,6 Billionen Euro an alten Schulden (zu 4,2 Prozent) und den 300 Milliarden Euro an neuen Schulden (zu 7,0 Prozent) berechnet.
  • Das Ergebnis für diesen Fall wäre dann ein Durchschnittssatz von 4,66 Prozent. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag dieser Wert in Italien noch bei 6,0 Prozent - und das Land konnte seine auch damals immensen Schulden problemlos bedienen.

Ansprechpartner
Jürgen Matthes
Telefon: 0221 4981-754Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  â€žKein Investment korreliert dauerhaft positiv mit unserer Strategie.“ Privathaftpflicht: Voraussetzungen für einen Schaden
Bereitgestellt von Benutzer: pressrelations
Datum: 14.11.2011 - 12:15 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 519395
Anzahl Zeichen: 3890

pressrelations.de – ihr Partner für die Veröffentlichung von Pressemitteilungen und Presseterminen, Medienbeobachtung und Medienresonanzanalysen


Diese Pressemitteilung wurde bisher 345 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"IW-Berechnung - Hysterie über Italiens Schuldzinsen ist übertrieben"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Detroit ist pleite ? das Ruhrgebiet bald auch? ...
Die ehemalige Autostadt Detroit hat umgerechnet mehr als 15 Milliarden Euro Schulden angehäuft. Jetzt ist die Stadt bankrott. Droht deutschen Kommunen Ähnliches? Immerhin stehen viele tief in der Kreide: Insgesamt betrug der Schuldenberg aller Städte und Gemeinden am Ende des ersten Quartals 20

Der Lohn der guten Tat ...
Das Thema nachhaltiges Wirtschaften gewinnt für deutsche Immobilienunternehmen zunehmend an Bedeutung. Das hat eine Studie ergeben, die im Frühjahr 2013 gemeinsam von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und dem Kompetenzfeld Immobilienökonomik beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) durchg

Mehr Binnenmarkt, mehr Wachstum ...
Gelingt es, den Verkehr von Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital zwischen den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union weiter zu liberalisieren, könnte dies helfen, die Krise in der Eurozone besser in den Griff zu bekommen. Denn ein starker Binnenmarkt führt zu mehr Wettbewerb, höherem


Weitere Mitteilungen von Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln)


„Kein Investment korreliert dauerhaft positiv mit unserer Strategie.“ ...
Herr Rothe, können Sie uns Ihr Unternehmen, die Altradis Capital AG bitte zunächst einmal vorstellen? Welche Personen stehen hinter AlphAlgo und auf welche Erfahrungen können sie zurückblicken? Martin Rothe: Die Altradis Capital AG ist eine Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Sitz in Züric

Gelungener Einstieg in Lean-Transformation-Prozess bei R. P. Scherer ...
In der Pharmaindustrie werden Prozesswissen und Methodenkompetenz bezüglich schlanker Produktion, Organisation und Verwaltung ebenso benötigt und geschätzt wie in anderen Branchen, wie das Beispiel eines Projektes der Ingenics AG bei der R. P. Scherer GmbH, Marktführer für Weichgelatinekapseln,

Factoring im Unternehmensalltag ...
(München, 14.11.2011) Factoring ist im Unternehmensalltag schon lange kein Fremdwort mehr. Zunehmend rückt diese Art der Finanzierung in den Fokus der Mittelständler, um die Liquidität zu sichern. Laut Zahlen des Deutschen Factoring Verbandes e.V. stieg der Gesamtumsatz im ersten Halbjahr 2011 a

Klassische Rentenversicherung - Mehr Rente durch Abschluss 2011 ...
Klassische Rentenversicherung und die neue Gesetzesänderung ab 2012 Das Bundesfinanzministerium hat beschlossen die garantierten Zinsen für eine klassische Rentenversicherung und Lebensversicherung zum 1. Januar 2012 zu senken. Der aktuell garantierte Zinssatz von 2,25 Prozent fällt nächstes Ja


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z