Fitch: Stabiler Ausblick für Deutsche Private Krankenversicherer
02.07.2008 - 18:31 | 52745
Die Ratingagentur Ficht vergibt in einem neu veröffentlichten Report einen stabilen Ausblick für die Branche der deutschen privaten Krankenversicherer. Hierin spiegelt sich die Erwartung, dass die Zahl der Ratingherauf- und herabstufungen in den nächsten 12 - 18 Monaten gleich groß sein wird. In ihrer Studie analysiert Fitch die Auswirkungen des Wettbewerbstärkungsgesetzes („WSG“) und die Finanzstärke der deutschen privaten Krankenversicherungsbranche („PKV“).
Tim Ockenga, Director im europäischen Versicherungsteam von Fitch Ratings in Frankfurt/Main.
(firmenpresse) - „Das Wettbewerbsstärkungsgesetz wird weitere finanzielle Belastungen schaffen. Jedoch erwartet Fitch, dass die endgültigen Belastungen der Reform geringer ausfallen werden als zunächst angenommen“, sagt Tim Ockenga, Director im europäischen Versicherungsbereich von Fitch. Diese Beurteilung wird von der noch erfreulichen fundamentalen Ausgangslage des Krankenversicherungssegments unterstützt. Fitch betrachtet die deutsche Krankenversicherungsbranche als gut kapitalisiert und profitabler als die Lebens- und Schaden-/Unfallversicherung. Trotz der zusätzlichen finanziellen Belastungen aus dem WSG, erwartet Fitch, dass sich diese Situation mittelfristig nicht ändern wird.
In den letzten Jahren konnte die PKV ihre Eigenkapitalausstattung und ihre Rückstellungen für Beitragsrückerstattung („RfB“) deutlich ausbauen. Zum Jahresende 2006 belief sich die Rückstellung für Beitragsrückerstattung auf rund 9,4 Mrd. Euro und weist damit seit 2003 eine sehr positive Entwicklung auf. Trotz des Rückgangs der stillen Reserven auf festverzinsliche Wertpapiere verfügte die PKV über eine gute Kapitalausstattung zum Jahresende 2006. Der weitere Rückgang der stillen Reserven im Jahr 2007 wird diese Einschätzung voraussichtlich nicht ändern.
Im Jahr 2006 konnte die PKV einen weiteren Anstieg ihres Rohüberschusses auf 4,7 Mrd. Euro verzeichnen. Dabei ist die Qualität des Überschusses eindrucksvoll, da 2,7 Mrd. Euro beziehungsweise 57% des Rohüberschusses aus dem Sicherheitszuschlag und dem Risikoergebnis stammen, die nicht von Schwankungen der Kapitalmärkte betroffen sind.
Mit Ausnahme eines Rückgangs im Nettoneuzugang und im Neugeschäft der Krankheitsvollversicherung, hatte das WSG bis jetzt noch keine wesentlichen Auswirkungen auf die PKV. Besonders sind bis jetzt deutlich weniger Nicht-Versicherte als angenommen in den modifizierten Standardtarif eingetreten. Sollte es nicht zu einer Mindestverweildauer von zwei oder drei Jahren für den Basistarif kommen, erwartet Fitch, dass die Portabilität der Alterungsrückstellung zu intensivem Wettbewerb und einem deutlichen Anstieg des Neugeschäfts führen wird. Bei Einführung einer Mindestverweildauer erwartet Fitch, dass die Portabilität der Alterungsrückstellung keinen wesentlichen Einfluss auf das Neugeschäft der PKV haben wird.
„Nach Ansicht von Fitch wird der Basistarif keine wesentliche Rolle im Neugeschäft spielen, da seine Ausgestaltung für den größten Teil potentieller Kunden zu unattraktiv ist“, sagt Axel Großpietsch, Associate Director im europäischen Versicherungsbereich von Fitch. „Diese Situation kann sich mittelfristig ändern, besonders wenn ältere Versicherungsnehmer die Schutzfunktion des Basistarifs in Anspruch nehmen sollten.“
Fitch geht davon aus, dass gewisse politische Kreise die Gesundheitsreform als Versuchsballon ansehen, um die Effekte der Portabilität der Alterungsrückstellung und des Basistarifs testen zu können. Im Falle von überschaubaren Konsequenzen, wird aus diesen Kreisen weiterer Druck auf die PKV erwartet.
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