Krebsgefahr durch künstliche Mineralfasern - Asbest-Fehler werden wiederholt
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Selbst krebserregendes Asbest kommt wieder ins Gespräch. Statt eines weltweiten Asbestverbots plädieren Produzentenländer wie Russland, Kasachstan, China und Kanada derzeit dafür, das Chrysotil, auch Weißasbest genannt, weltweit wieder zuzulassen. Trotz zahlreicher schwerer Asbesterkrankungen und vielen asbestbedingten Sterbefällen, soll Weißasbest wieder hoffähig gemacht werden. Obwohl die Asbestose als Krankheit schon um 1900 entdeckt wurde, erließ man in Deutschland erst im Jahr 1993, in der EU sogar erst 2005, ein endgültiges Verbot für nahezu alle Asbestprodukte.
„Aus Fehlern sollte man eigentlich lernen. Als Ersatzwerkstoffe für Asbest haben sich im Laufe der Jahre neben den festen Wärmedämmstoffen, wie etwa Feuerfeststeinen und -platten, die künstlichen Mineralfasern (KMF) etabliert. Das sind zumeist Mineralwollen, wie Stein- und Glaswolle, Aluminiumsilikatfasern, Polykristalline Wolle oder AES-Wolle (Alkaline Earth Silicate). Vor allem die in der Industrie häufig eingesetzten Hochtemperaturwollen bergen große Risiken, die derzeit ganz bewusst verharmlost werden. Vielleicht wurde der bekannte wissenschaftliche Fachausdruck der ‚Fasern’ auch deshalb in dem harmlos klingenden Begriff ‚Wollen’ umbenannt“, kritisiert der Nürnberger Fachjournalist Robert Ruthenberg im Interview mit dem Onlinemagazin NeueNachricht http://www.ne-na.de.
Aufgrund der Erfahrungen mit Asbest hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) http://www.who.int/en eine Definition der lungengängigen Fasern vorgenommen. Bei Faserstäuben, die eine längliche Form aufweisen, sind Faserabmessungen dann besonders kritisch, wenn die Fasern eine Länge von mehr als 5 Mikrometer, einen Durchmesser von weniger als 3 Mikrometer und ein Längen-Durchmesser-Verhältnis von mehr als 3 zu 1 aufweisen. Denn in diesem Fall können sie in die tieferen Atemwege sehr leicht vordringen. Einige Faserstäube gelten als Risikofaktoren für Lungenkrebs, unter anderem Asbest, Glaswolle, Steinwolle, Schlackenwolle und Aluminiumsilikatfasern. Für die Verarbeitung und Entsorgung gelten besondere Anforderungen, die in Deutschland in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe TRGS festgelegt sind.
Allerdings werden einige Hochtemperaturwollen, analog zu Asbestfasern, erst im Körper zu gefährlichen so genannten WHO-Fasern, da sie sich dort längs spalten. Diese Fasersorten sind vor dem Einatmen messtechnisch als WHO-Fasern gar nicht erfassbar. Dieses Problem und andere wurden auf dem Fachkolloquium „Hochtemperaturwollen" der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung http://www.dguv.de in Hennef intensiv erörtert. Veranstalter war die Berufsgenossenschaft Maschinenbau und Metall.
„Analog zur Asbestdiskussion behaupteten die Produzenten auf diesem Fachkolloquium, dass die künstlichen Mineralfasern für den Erhalt der Arbeitsplätze in den Anwenderindustrien unverzichtbar wären. Vor allem der damit erzielbare Umweltschutz aufgrund hoher Wärmedämmung wurde hervorgehoben. Dabei gibt es zahlreiche gute Alternativen, die nicht sehr viel mehr kosten. Substitution wird selbst in der Technischen Regel TRGS 619 gefordert. Häufig lässt sich durch einfache konstruktive Maßnahmen der Einsatz von Hochtemperaturwollen komplett vermeiden. Immerhin dämmen doppelt- oder dreifach verglaste Fensterscheiben auch den Wärmefluss ohne Einsatz von HTW“, weiß der Branchenexperte Ruthenberg. So seien zahlreiche Vakuum-Isolationsprodukte in der Bauindustrie schon heute verfügbar. „Nicht brennbare Keramikschäume mit einem Porenanteil von über 96 Prozent sind völlig faserfrei und sogar temperaturbeständiger als HTW.. Die Schäume sind hervorragende Wärmeisolatoren. Zudem lassen sie sich passend zu den Anwendungen gut formen“, so Ruthenberg.
Im Automobilbau könnten die bewährten Drahtgestricke zur Lagerung der Keramik-Katalysatoren und Dieselpartikelfilter die krebserzeugenden Aluminiumsilikatmatten optimal substituieren. „Oder Automobilhersteller setzen gleich Katalysatoren und Partikelfilter aus Metallfolien und Metallvliesen ein, die gar keine Lagerungsmatten benötigen. Damit lässt sich sogar viel Geld sparen, wie zahlreiche Automobilhersteller dokumentiert haben“, erklärt Ruthenberg. Eine Substitution könne häufig sehr leicht realisiert werden und schützt vor unliebsamen Spätfolgen oder gar Regressansprüchen. „Das Beispiel der so genannten Betrugs-Dieselrussfilter und die ergriffenen Maßnahmen zeigen, dass Regressforderungen heute recht schnell eintreten können, weitaus schneller als bei den Asbestgeschädigten“, resümiert Ruthenberg. Unternehmensinformation / Kurzprofil:
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Datum: 22.07.2008 - 11:57 Uhr
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