Börsen-Zeitung: Trügerische Zuversicht, Kommentar zum Einzelhandel von Martin Dunzendorfer
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Einzelhandel. Zu diesem Schluss kommt, wer sich die Analysen des
Vorjahresumsatzes, die das Statistische Bundesamt in einer ersten
Schätzung nannte, und die Prognosen vieler Experten für das neue Jahr
zu eigen macht. Allerdings klammert man dann große makroökonomische
und weltpolitische Probleme aus wie die schwelende
Staatsschuldenkrise, die bei einer neuerlichen Verschärfung -
Griechenlands Ministerpräsident Lucas Papademos warnte gerade
eindringlich vor einer "unkontrollierbaren Staatspleite" - ebenso
alle Kalkulationen und Voraussagen zur Binnennachfrage zunichtemachen
würde wie eine Eskalation im Atomstreit zwischen dem Westen und Iran.
Solche Ereignisse ("Black Swan Events") würden jedes Kalkül sprengen.
Deswegen ist ihr Eintritt aber nicht ausgeschlossen und in den
genannten Fällen bis zu einem gewissen Grad sogar wahrscheinlich. Die
zuversichtlichen Prognosen für den Handel sind also trügerisch.
Nach vorläufigen Daten wuchsen die Erlöse im Einzelhandel 2011
nominal mit 2,8% so stark wie seit Beginn der gesamtdeutschen
Statistik 1994 nicht mehr. Tatsächlich sprechen viele Faktoren für
eine Fortdauer dieser Aufwärtsentwicklung. So sollen - trotz
Konjunkturabkühlung - die verfügbaren Einkommen nach Konsensmeinung
spürbar steigen; die Bundesregierung sagt ein Plus von knapp 3%
voraus. Auch die etwa 20 Millionen Rentner in Deutschland dürfen zur
Jahresmitte mit einer kräftigen Anhebung ihrer Bezüge rechnen. Neben
Einkommen und Renten hat die Lage am Arbeitsmarkt maßgeblichen
Einfluss auf die Verbraucherstimmung und damit auf den Konsum. So
soll nach Ansicht führender Ökonomen die Zahl der Arbeitslosen im
Jahresschnitt weiter sinken und die der Erwerbstätigen steigen - um
je 200000. So viel Optimismus sollte misstrauisch machen.
Kann es wirklich auf Dauer sein, dass - wie 2011 - im übrigen
Euroland die Konjunktur darbt und die Arbeitslosigkeit steigt,
während gleichzeitig die deutsche Wirtschaft kräftig wächst und die
Zahl der Erwerbstätigen auf Rekordhöhen steigt? Eher liegt ein Novum
vor, über das man sich freuen darf. Auf eine Wiederholung sollte man
angesichts der engen ökonomischen Verflechtungen in Europa aber
besser nicht bauen, auch wenn Volkswirte dies voraussagen. Während
Lebensmittelketten oder Anbieter von Körperpflege- und
Haushaltsprodukten immer Zulauf haben werden, könnte deshalb für
Händler zyklischer Konsumgüter, etwa Autos, 2012 alles andere als ein
Superjahr werden.
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Datum: 05.01.2012 - 20:50 Uhr
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