Menschen mit Behinderung: Fachleute warnen vor Versorgungslücken / Interdisziplinäres Forum der Bundesärztekammer
ID: 566987
Erwachsenen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung stellt noch
immer eine besondere Herausforderung für Ärztinnen und Ärzte dar.
Besonders beim Übergang von der Kinder- und Jugendmedizin in die
Erwachsenenbehandlung tut sich eine beträchtliche Versorgungslücke
auf. "Dieses Defizit ist vor allem darauf zurückzuführen, dass
Medizinstudium, Weiterbildung sowie die große Palette ärztlicher
Fortbildungen auf diesem Teilgebiet kaum spezialisierte Inhalte
bereitstellen", erklärte Dr. Peter Martin, Chefarzt der Séguin-Klinik
für Menschen mit schwerer geistiger Behinderung in Kork, auf dem 36.
Interdisziplinären Forum "Fortschritt und Fortbildung in der Medizin"
in Berlin.
"Bei erwachsenen Menschen geht eine geistige oder mehrfache
Behinderung oftmals auf eine seltene Erkrankung zurück",
verdeutlichte Martin. Spezielle fachliche Kenntnisse seien ebenso
notwendig wie bestimmte personelle, räumliche und organisatorische
Voraussetzungen in ambulanten und stationären Zentren. Darüber hinaus
fehle es an entsprechenden Forschungsdaten, um ein solides, empirisch
untermauertes ärztliches Handeln in diesem Gebiet zu garantieren.
Der Deutsche Ärztetag hatte bereits mehrfach auf die Defizite in
der Versorgung von Menschen mit Behinderungen hingewiesen. Auf dem
113. Deutschen Ärztetag in Dresden hatten die Delegierten die
konsequente Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention gefordert.
Es müsse sichergestellt werden, dass Menschen mit Behinderungen eine
bedarfsgerechte medizinische Behandlung zur Verfügung steht. "Diese
Forderungen sind unverändert aktuell", sagte Gerd Freytag, Facharzt
für Innere Medizin aus Hamburg vor den Teilnehmern des Forums. "Ein
politischer Aktionsplan ist noch nicht in Sicht". Um Menschen mit
Behinderungen ausreichend und umfassend versorgen zu können, seien
unterstützende Maßnahmen und eine angemessene Vergütung der
medizinischen Leistungen dringend notwendig. "Ohne deutlich
verbesserte Anreize wird sich bei der derzeit streng budgetierten
Vergütung die ambulante Versorgung von Menschen mit geistiger oder
mehrfacher Behinderung nicht substantiell verbessern", sagte Freytag.
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Datum: 03.02.2012 - 10:14 Uhr
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