Schiffsbeteiligungen in der Krise
ID: 570025
Schiffsbeteiligungen in der Krise
Zwei Fondsschiffe von HCI sind pleite
Die Schifffahrtskrise trifft Anleger mit voller Wucht: Für zwei Schiffe eines 200-Millionen-Euro-Fonds von HCI Capital wurde jetzt Insolvenz angemeldet. Die Beteiligungsgesellschaft stand schon zuvor unter keinem guten Stern. Die Popularität von Schiffsfonds dürfte das erneut schmälern.
Hamburg - Schon in der Vergangenheit machte der Fonds "Shipping Select 28" des börsennotierten Emissionshauses HCI Capital aus Hamburg seinen Anlegern keine Freude, jetzt kommt es erneut Dicke: Für zwei Schiffe aus dem Fonds wurde vor wenigen Tagen der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Das geht aus einem Schreiben an die Anleger hervor, das manager magazin Online vorliegt.
Bei den Pleiteschiffen handelt es sich um die Produkten-/Chemikalientanker "Hellespont Crusader" und "Hellespont Commander". Sie sind Teil des aus insgesamt sechs Schiffen bestehenden Dachfonds mit einem Volumen von insgesamt rund 200 Millionen Euro. Betroffen sind Schätzungen zufolge mehr als 1000 Investoren.
Grund für die Pleite ist laut Anlegerschreiben die Weigerung der finanzierenden Banken, ein Fortführungskonzept zu unterstützen. Im Klartext heißt das: Die Kreditgeber sind offenbar nicht länger bereit auf ausstehende Zahlungen für die schiefliegenden Schiffe zu warten und drehen dem Fonds den Geldhahn zu.
Die Meldung dürfte kaum geeignet sein, die Popularität von Schiffsbeteiligungen wieder zu steigern. Wie sehr die ehemals so beliebten Fonds von Anlegern zurzeit gemieden werden, zeigen Marktdaten, die am Dienstag vom Branchenverband VGF veröffentlicht wurden.
Anleger meiden Schiffsfonds
Demnach brach das Platzierungsvolumen der Schiffsbeteiligungen im vergangenen Jahr erneut um etwa 50 Prozent ein. Nur noch gut 500 Millionen Euro sammelten die Initiatoren mit ihren maritimen Beteiligungsofferten ein. In Boomphasen waren es mehrere Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Gesamtmarkt für geschlossene Fonds blieb 2011 mit einem Eigenkapitalvolumen von knapp sechs Milliarden Euro laut VGF gegenüber 2010 stabil.
Zum Hintergrund: Die Wirtschafts- und Schifffahrtskrise Ende 2008 sowie 2009 brachte viele Schiffsfonds in erhebliche Schwierigkeiten. Der Einbruch der Charterraten, zu denen die Fonds ihre Schiffe vermieten, ließ die Einnahmen wegbrechen. Die Folge waren bei vielen Fonds schon in der Vergangenheit erhebliche Liquiditätsengpässe. Auch Insolvenzen hat es schon mehrere gegeben. In der Folge schwand das Interesse de Anleger, derartige Fonds zu zeichnen. Nach einem zwischenzeitigen Aufschwung 2010 und 2011 kämpft die Schiffsbranche gegenwärtig erneut mit der Krise.
Beim Shipping Select 28 begannen die Probleme allerdings schon vor dem Start der eigentlichen Betriebsphase. Rund 70 Millionen Euro Eigenkapital wollte HCI im Jahr 2008 ursprünglich bei Privatanlegern für den Fonds einsammeln. Weitere gut 120 Millionen Euro waren als Bankdarlehen eingeplant.
Der Ausbruch der Krise machte dem Emissionshaus jedoch einen Strich durch die Rechnung. Das Anlegerinteresse ließ schlagartig nach, so dass die Platzierung beim Stand von rund 40 Millionen Euro Eigenkapital abgebrochen werden musste.
Zwar hatte das Emissionshaus eine Platzierungsgarantie ausgesprochen. Sprich: Für den eingetretenen Fall, dass das Eigenkapital bei Anlegern nicht einzuwerben war, wäre eigentlich HCI verpflichtet gewesen, das fehlende Kapital aufzufüllen. In der fraglichen Zeit war jedoch offenbar auch das Fondshaus, das zu den größten Anbietern geschlossener Fonds in Deutschland gehört, bereits klamm. Das geht aus einem Schreiben an die Anleger vom März 2010 hervor, das manager magazin Online vorliegt.
Die Folge: Die Finanzierung des Fonds musste kurzerhand umstrukturiert werden. Das gelang, weil sich die beteiligten Reedereien bereit erklärten, zusätzliches Geld beizusteuern. Insgesamt rund 20 Millionen Euro kamen von den Reedereien Komrowski, Beluga und Hellespont Harmonia so in den Fonds. Zudem wurde die Kreditfinanzierung ausgeweitet. Für die Anleger hatte das eine unerfreuliche Begleiterscheinung: Die Ausschüttungsprognose wurde erheblich gekürzt.
Beluga-Pleite trifft Fonds hart
Damit fanden die Probleme des Fonds jedoch noch kein Ende. Zwei der Fondsschiffe, die Schwergutfrachter "Beluga Facility" und "Beluga Frequency" waren bei der Bremer Beluga Reederei unter Vertrag. Und zwar gleich auf zweifache Weise: Die Unternehmensgruppe war nicht nur für die Bereederung der Schiffe verantwortlich, sie hatte diese auch gemietet ("gechartet"), musste also für die Einnahmen der Schiffe geradestehen. Die Pleite der Beluga-Gruppe Anfang 2011 traf den Fonds daher hart.
Schließlich: Die aktuellen Insolvenzen sind nicht die ersten Fälle, in denen die Banken bei dem Fonds den Daumen senkten. Schon im September 2011 wurde bekannt, dass die Institute auf den Notverkauf eines weiteren Fondsschiffes, des Tankers "Hellespont Trust", drängten.
Zum Notverkauf dürfte es auch bei den jetzt betroffenen Schiffen "Hellespont Commander" und "Hellespont Crusader" kommen. In ihrem Brief an die Anleger kündigt die Fondsgeschäftsführung an, den Schiffsbetrieb zunächst im Rahmen eines Insolvenzplanverfahrens durch eine Auffanggesellschaft fortführen zu wollen. Sobald sich die Lage auf den Märkten gebessert habe, sei vorgesehen, die Schiffe "zu einem angestrebt höheren Preis" zu veräußern.
Ob dies gelingt ist offen. Die schätzungsweise 1000 bis 2000 Anleger des Fonds werden wohl erneut Einbußen hinnehmen müssen. Bislang haben Sie von den versprochenen Ausschüttungen des Fonds laut Leistungsbilanz von HCI Capital noch so gut wie nichts gesehen.
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Datum: 08.02.2012 - 12:45 Uhr
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