DIW-Studie: Deutschland muss nachlegen bei Investitionen für Telekommunikation
Appetit auf Bandbreite wird zunehmen
Berlin, 3. September 2008 - Eine Forschergruppe von Professor Christian Wey, Leiter der Abteilung Informationsgesellschaft und Wettbewerb des DIW http://www.diw.de in Berlin, hat die Industriepolitik in der Telekommunikation in ausgewählten EU-Ländern unter die Lupe genommen und einen speziellen Indikator für den Telekommunikationssektor entwickelt. Danach erhalten Frankreich und Großbritannien die besten Bewertungen. Frankreich setzt konsequent auf die Unterstützung etablierter Unternehmen durch die Regierung, Großbritannien auf sehr liberale Arbeitsmarktbedingungen und hohe öffentliche Nachfrage nach Kommunikationsdienstleistungen. Im Gegensatz dazu fällt die Bewertung der Industriepolitik in Deutschland deutlich schlechter aus, hervorgerufen durch eine verhaltene öffentliche Nachfrage und eine unklare Ausrichtung der Wettbewerbspolitik. Auch Spanien und Italien schneiden besser ab als Deutschland. In Italien spielt nach der DIW-Studie die Infrastrukturhilfe eine große Rolle.
Anders die Situation in den USA: „Die Amerikaner haben das Problem verminderter Investitionsanreize erkannt und durch schrittweise Deregulierung seit 2003 den Hebel umgelegt: Die Stoßrichtung der Politik in den USA liegt jetzt eindeutig auf Förderung von Innovationen und Investitionen“, weiß der Österreicher Johannes Bauer, Professor an der Michigan State University Diese neuen Rahmenbedingungen würden Wirkung zeigen: „Die Branchenriesen Verizon und AT&T haben milliardenschwere Investitionsprogramme aufgelegt, um den Aufbau von Glasfasernetzen voranzutreiben. Sie lassen sich auch nicht von der konjunkturellen Eintrübung von ihrem Wachstumskurs abbringen. Hierzu gibt es auch keinen Grund: Beide Unternehmen haben kürzlich in ihren Halbjahresbilanzen solides Umsatz- und Gewinnwachstum vorgelegt“, schreibt das DIW.
Der neue Regulierungsrahmen in den USA finde auch in Europa erste Nachahmer: Anfang August entschied die spanische Regulierungsbehörde CMT Branchenprimus Telefónica von der Verpflichtung zu befreien, ihr Glasfasernetz für Wettbewerber zu öffnen. Damit erfüllte die CMT eine wesentliche Forderung Telefónicas, die, wie andere Betreiber auch, Investitionen in Glasfasernetze von verlässlichen, investitionsfreundlichen Regulierungsbedingungen abhängig gemacht hat.
Auch Arnulf Heuermann, Managing Director bei der auf Telekommunikation spezialisierten Beratungsfirma Detecon http://www.detecon.com/de, plädiert dafür, alle Möglichkeiten zu nutzen, um Anreize für Investitionen zu schaffen: „Der Appetit auf Bandbreite wird weiter zunehmen, wer nicht über schnelle Internetzugänge verfügt, verpasst den Anschluss“. Heuermann zeigt auf, dass es eine ganze Reihe von Möglichkeiten gibt, den Aufbau von Glasfaserinfrastruktur zu fördern: Ein Vorbild könne die Reform des Regulierungsrahmens in den USA sein.
Zudem sollten die Kommunen in die Pflicht genommen werden: Die Kosten für den Ausbau von Glasfasernetzen könnten deutlich gesenkt werden, wenn Telekommunikationsunternehmen bestehende Rohrkapazitäten von Wasser, Abwasser, Strom oder Gas nutzen könnten. Auch Mobilfunk-Technologien könnten insbesondere in ländlichen Regionen genutzt werden, um Breitbandversorgung sicherzustellen. Dies setzt allerdings voraus, dass Rundfunkanstalten Frequenzen an die Mobilfunker abtreten.
„Eine wettbewerbsfreundliche Regulierung der Infrastruktur ist zweifellos ein wichtiger Pfeiler für Beschäftigung und Produktivität in der Telekommunikation. Der größere Teil der Wertschöpfung wird aber zukünftig in den nach gelagerten Stufen über neue Dienste und medienübergreifende Angebote erzielt. Gerade in diesem wichtigen Zukunftsmarkt fehlt ein integriertes Regulierungskonzept für den konvergierenden Telekommunikations- und Medienmarkt. Dazu zählt insbesondere auch die dringend notwendige technologieneutrale Behandlung von Festnetz und Mobilfunk“, so das Fazit von Renatus Zilles, Vorsitzender der Geschäftsführung der NEXT ID http://www.next-id.de.
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