Multiple Sklerose: beschädigtes Myelin ist nicht der Auslöser

Multiple Sklerose: beschädigtes Myelin ist nicht der Auslöser

ID: 582733

Multiple Sklerose: beschädigtes Myelin ist nicht der Auslöser



(pressrelations) - Mainz, Zürich - Schäden im Myelin von Gehirn und Rückenmark führen nicht zur Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose (MS). Diesen Nachweis erbringen Neuroimmunologen der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit Forschern aus Berlin, Leipzig, Mainz und München. In der aktuellen Ausgabe von "Nature Neuroscience" verwerfen sie damit eine gängige Hypothese zur Entstehung von MS. Nun suchen die Wissenschaftler die Ursache für die Entwicklung von MS vor allem im Immunsystem und nicht mehr im Zentralnervensystem.

Millionen Erwachsene leiden an der unheilbaren Krankheit Multiple Sklerose (MS). Als relativ gesichert gilt, dass MS eine Autoimmunerkrankung ist, bei der körpereigene Abwehrzellen das Myelin in Gehirn und Rückenmark angreifen. Dieses Myelin umhüllt die Nervenzellen und ist wichtig für deren Funktion, Reize als elektrische Signale weiterzuleiten. Zur Entwicklung einer MS existieren zahlreiche ungesicherte Hypothesen. Eine davon verwerfen nun die Neuroimmunologen in ihrer aktuellen Arbeit: Sterbende Oligodendrozyten, wie die Myelin-bildenden Zellen genannt werden, lösen MS nicht aus.

Neurodegenerative Hypothese überholt

Die Forscher widerlegen mit ihrer Forschung die so genannte «neurodegenerative Hypothese». Diese stützte sich auf die Beobachtungen, dass manche Patienten charakteristische Myelinschäden ohne erkennbaren Immunangriff aufwiesen. In der gängigen Hypothese gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die MS-auslösenden Myelinschäden ohne Beteiligung des Immunsystems entstehen. In diesem Szenario wäre die gegen das Myelin gerichtete Immunantwort das Ergebnis ? und nicht die Ursache ? dieses pathogenen Prozesses.

Mit ihrer Forschungsarbeit beabsichtigten die beteiligten Forscher, diese Hypothese anhand eines neuen Mausmodells zu bestätigen oder zu widerlegen. Durch genetische Tricks erzeugten sie Myelindefekte ohne die Immunabwehr zu alarmieren. «Zu Beginn unserer Arbeit fanden wir Myelinschäden, die sehr stark den bisherigen Beobachtungen an MS-Patienten glichen», erklärt Burkhard Becher, Professor an der Universität Zürich. Und ergänzt: «Wir konnten jedoch nie die Entwicklung einer MS-ähnlichen Autoimmunerkrankung beobachten.» Um herauszufinden, ob eine aktive Immunabwehr aufgrund einer Infektion zusammen mit Myelinschäden zur Erkrankung führt, haben die Forscher eine Vielzahl weiterer Experimente durchgeführt ? ohne Erfolg. Dazu Ari Waisman, Professor in der Universitätsmedizin Mainz: «Es ist uns nicht gelungen, eine MS-ähnliche Erkrankung nachzuweisen, egal wie stark wir das Immunsystem auch angestachelt haben. Wir erachten die neurodegenerative Hypothese deshalb als überholt.»



Fokus aufs Immunsystem

Die an der Studie beteiligten Arbeitsgruppen wollen weiter an der Ursache und Entstehung von MS forschen. So Professor Thorsten Buch, von der Technischen Universität München: «Aufgrund dieser und weiterer neuer Erkenntnisse wird sich die Forschung an der Krankheitsentstehung der MS in Zukunft sicherlich weniger auf das Gehirn, sondern mehr auf das Immunsystem konzentrieren.»

Literatur:

Giuseppe Locatelli, Simone Wörtge, Thorsten Buch, Barbara Ingold, Friederike Frommer, Bettina Sobottka, Martin Krueger, Khalad Karram, Claudia Bühlmann, Ingo Bechmann, Frank L. Heppner, Ari Waisman and Burkhard Becher. Primary oligodendrocyte death does not elicit anti-CNS immunity. Nature Neuroscience. 26 February, 2012. Doi: 10.1038/nn.3062

Weitere Informationen:

Prof. Ari Waisman, Institut für Molekulare Medizin, Universitätsmedizin Mainz
Telefon 06131 17-9129, Fax 06131-17-9039, E-Mail: waisman@uni-mainz.de


Pressekontakt
Dr. Renée Dillinger-Reiter, Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz,
Telefon 06131 17-7424, Fax 06131 17-3496, E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

Nathalie Huber, Media Relations, Universität Zürich
Tel. +41 44 634 44 64
E-Mail: nathalie.huber@kommunikation.uzh.ch
http://www.unimedizin-mainz.de/Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Woche der Anwendungsentwicklung auf IBM System z Mainframes ARCD begrüßt neue Lkw-Fahrverbote vor Feiertagen
Bereitgestellt von Benutzer: pressrelations
Datum: 27.02.2012 - 17:15 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 582733
Anzahl Zeichen: 4492

pressrelations.de – ihr Partner für die Veröffentlichung von Pressemitteilungen und Presseterminen, Medienbeobachtung und Medienresonanzanalysen


Diese Pressemitteilung wurde bisher 483 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Multiple Sklerose: beschädigtes Myelin ist nicht der Auslöser"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Jugendliche zeigen häufig Symptome von Depersonalisation ...
n häufig Symptome von Depersonalisation Die Studienergebnisse wurden jüngst in der Fachzeitschrift "Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology" publiziert. "? seine Stimme klang wie die eines Fremden" - so lässt der japanische Erfolgsautor Haruki Murakmi in seinem Rom

'Renale Denervation' erstmals erfolgreich eingesetzt - überaktive Nerven der Nierenarterien werden mit Strom ausgeschaltet ...
Mainz - Ärzte der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz haben erstmals ein neuartiges Verfahren zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt. Die so genannte "renale Denervation", bei der überaktive Nerven der Nierenarterie mit Strom ausgeschaltet werden,

Neues Informationsportal will Leistungen des Gesundheitssystems für arme und überschuldete Menschen transparent machen ...
- Um dem Teufelskreis von Armut, Überschuldung und Krankheit, zu dem oft auch eine schlechte Gesundheitsversorgung gehört, entgegenzuwirken, haben das Schuldnerfachberatungszentrum (SFZ) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und das Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Univers


Weitere Mitteilungen von Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz


ARCD begrüßt neue Lkw-Fahrverbote vor Feiertagen ...
Tage vor Pfingsten und Ostern künftig tabu für schwere Lkw Kritik von Wirtschaftsverbänden Für verderbliche Lebensmittel gelten Ausnahmen Bad Windsheim (ARCD), 27. Februar 2012 ? Die Bundesregierung will an zwei zusätzlichen Tagen im Jahr Lkw-Fahrverbote einführen. Dies ge

Woche der Anwendungsentwicklung auf IBM System z Mainframes ...
Vom 20. bis 21. März 2012, IBM Forum Ehningen Stuttgart-Ehningen - 27 Feb 2012: Unter dem Motto "Der moderne Entwicklerarbeitsplatz der Zukunft" findet vom 20.-21. März 2012 auf dem IBM Campus in Ehningen die Woche der Anwendungsentwicklung auf IBM System z statt. In Form von Vorträ

Festhalten an Braunkohle blockiert Energiewende ...
Die bündnisgrünen Landtagsfraktionen von Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt haben im Vorfeld des heutigen "Braunkohlegipfels" in Leuna das Festhalten der drei Landesregierungen an der Braunkohleverstromung kritisiert. Der energiepolitische Sprecher der Fraktion von BÜNDNIS 90/DI

Menschenrechtsbeauftragter Löning fordert Freiheit für Andrej Kowalenko ...
inungsdatum 27.02.2012 Der belarussische Aktivist Andrej Kowalenko wurde am 24.02. in Witebsk zu zwei Jahren und einem Monat Haft verurteilt. Kowalenko war am 22.12.2011 unter dem Vorwand von Verstößen gegen Bewährungsauflagen verhaftet und angeklagt worden. Der Menschenrechtsbeauftragte der B


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z