Winter der Extreme – Ein Rückblick auf den ungewöhnlichen Winter 2011/12
November
Es begann alles andere als winterlich: Der Goldene Herbst hielt bis Ende November an. Seinem Ruf als grauer Regenmonat widersetzte er sich mit milden Temperaturen und so wenig Niederschlag wie noch nie. So wurde der elfte Monat 2011 zum trockensten November seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Claudia Salbert, Meteorologin beim privaten Wetterdienst MeteoGroup, erklärt dieses Phänomen: „Ein permanenter Hochdruckeinfluss lenkte alle Tiefs weit um Mitteleuropa herum. So kam es dazu, dass an vielen Wetterstationen gar kein Niederschlag gemessen wurde und es im Deutschlandlandmittel nur zu 3 Liter pro Quadratmeter im gesamten Monat reichte. Mit gut 4,5°C war der Monat deutschlandweit knapp ein halbes Grad zu warm.“
Dezember
Im Dezember musste sich die Wetterlage erst einmal auf die kalte Jahreszeit einstellen. Vom Westwind dominiert, führte sie zu einer Reihe von typisch herbstlichen Sturmtiefs, örtlich sogar mit Orkanböen: „Der richtige Herbst wurde Anfang Dezember nachgeholt“, so Claudia Salbert. „Hatten wir letztes Jahr noch einen kalten und schneereichen Winterstart, brachte der Dezember dieses Jahr im Flachland fast gar keinen Schnee. In Berlin wurde nicht an einem einzigen Tag ein Eistag oder gar Schnee registriert.“
So wurden dann auch die Hoffnungen auf Weiße Weihnachten enttäuscht. Mit fast zweistelligen Temperaturen blieb es an den Feiertagen häufig trüb und ungemütlich. Alles in allem wurde der Dezember mit durchschnittlich über 3°C einer der wärmsten und zudem noch niederschlagreichsten Dezembermonate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
Januar
Über den Jahreswechsel hielt die milde Westwindwetterlage an. Das neue Jahr startete verbreitet mit zweistelligen, fast rekordverdächtigen Temperaturen. „Im Tiefland wurde vielerorts bis zum Ende Januar immer noch kein einziger Tag mit Schneedecke verzeichnet“, so Meteorologe Jörg Riemann von MeteoGroup.
Skifahrer und Schneefreunde konnten sich trotzdem freuen: In den Bergen, insbesondere in den Alpen, bringen gerade solche Wetterlagen durch Staueffekte viel Schnee, so bildete sich z.B. auf der Zugspitze eine fünf Meter dicke Schneedecke. Weiter anhaltende Sturmtiefs sorgten allerdings auch für Lawinengefahr.
Februar
Zum Monatsende schlug die Witterung um und ließ den bis dato recht milden Winter noch richtig kalt werden. Der Wind drehte auf Ost und führte arktische Luftmassen heran. „Zwischen reger Tiefdruckaktivität über dem vorwiegend zentralen und östlichen Mittelmeerraum und einem kräftigen Hoch über Nordrussland wurde trockene Kaltluft aus Westsibirien über ganz Europa weit nach Westen und Süden transportiert“, erklärt Meteorologe Riemann.
In der ersten Februarwoche sanken somit die Temperaturen vor allem im Osten und Süden Deutschlands wiederholt auf Werte unter -20°C. Die Nacht zum 06.02.2012 war dabei die kälteste mit Tiefstwerten bis -30°C in Oberstorf im Allgäu. In Ueckermünde (Vorpommern) führte der Tiefstwert von -29° am 06.02.2012 zu einem neuen Allzeitkälterekord (Aufzeichnungsbeginn 1951).
Die Kältewelle erfasste ganz Europa und sogar Nordafrika: In Rom fiel so viel Schnee, wie seit über 30 Jahren nicht mehr. In Nordafrika sah man schneebedeckte Palmen. Nach drei Wochen klirrender Kälte, taute Europa dann ab Mitte, besonders aber Ende Februar wieder auf. Der Frost ist zwar noch tief im Boden, doch tagsüber wurden schon wieder zweistellige Temperaturen gemessen. Fazit: Somit geht der Winter 2011/12 so zu Ende, wie er begonnen hat – sehr mild.
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