Heise-Kolumnist Sicking und die verfehlte Rehabilitierung der Hardware

Heise-Kolumnist Sicking und die verfehlte Rehabilitierung der Hardware

ID: 59084
(firmenpresse) - Wohlstand von Wissens- und Dienstleistungsberufen abhängig

Hannover/Düsseldorf - In einem offenen Brief an den Venture-Capital-Unternehmer Dr. Gottfried Neuhaus reibt sich der Heise-Kolumnist Damian Sicking http://www.heise.de/resale/Kolumne-Rehabilitierung-der-Hardware--/artikel/114024 an einer allzu optimistischen Betrachtung des Dienstleistungssektors. Er verweist auf die Blütenträume der New Economy. Die damaligen Verheißungen vom Wandel der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft hätten sich als Irrtum erwiesen. „Besteht nicht ein wesentliches Fundament unseres Wohlstands darin, dass wir Produkte (Autos, Maschinen, chemische Erzeugnisse etc.) herstellen und global vermarkten? Welche Dienstleistungen können wir denn statt dessen exportieren“, fragt sich Sicking und verweist auf den viel zitierten Satz „Wir können nicht davon leben, dass wir uns gegenseitig die Haare schneiden."

Für den IT-Experten Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer Unternehmens Harvey Nash http://www.harveynash.com/de, ist der Sicking-Kommentar symptomatisch für das Meinungsklima in Deutschland - mit verheerenden Folgen für die Zukunft: „Der Dienstleistungssektor wird doch nicht von Friseuren oder Pizzabäckern geprägt. Ein Blick in das Jahrbuch des Statischen Bundesamtes könnte Herrn Sicking vielleicht helfen. In Deutschland sind besonders jene Bereiche gewachsen, die Dienstleistungen für andere Unternehmen erbringen. Der sektorale Strukturwandel vollzieht sich also nicht primär über eine Verdrängung von Industriewaren durch Dienstleistungen, sondern durch eine Verdrängung alter Produkte durch dienstleistungsintensiver hergestellte Produkte“, kontert Nadolski.

Und auch bei der deutschen Exportbilanz sollte der Heise-Kolumnist genauer hinschauen. „Er könnte von den Statistikexperten in Wiesbaden einiges lernen. Das Verhältnis zwischen in den Exporten enthaltener inländischer Bruttowertschöpfung und importierten Vorleistungen hat sich stark zu Gunsten des Auslandes verschoben. Die Fertigungstiefe in Deutschland nimmt extrem ab. Das ist leicht ablesbar an den Effekten des Exports für die Wachstumsrate in unserem Land. Durch den Boom der Weltwirtschaft konnten wir vor vier Jahren unsere Exporte deutlich steigern, dass Inlandswachstum lag aber nur bei mageren 1,2 Prozent. Die positive außenwirtschaftliche Entwicklung bringt keine ausreichende Initialzündung für die Binnenwirtschaft“, erläutert Nadolski.



Massenfertigung finde immer mehr im Ausland statt. Das werde sich nicht mehr ändern. „Wir müssen uns auf die Forschung und Entwicklung konzentrieren, auf die enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft, auf die Veredelung von Produkten, auf die Verbesserung der Produktvermarktung und auf smarte Servicekonzepte. Wir müssen massiv den ökonomischen Wandel von der klassischen industriellen Produktion zu Dienstleistungen und Wissen sowie zur Informations- und Kommunikationstechnik vorantreiben. Wir können nur als Wissens- und Dienstleistungsökonomie überleben“, so der Ratschlag des Harvey Nash-Geschäftsführers. Treffend analysiert habe das der Zukunftsforscher und Kondratieff-Kenner Erik Händeler. Konjunkturforscher Nikolai Kondratieff schrieb, dass die Märkte von morgen durch knappe Produktionsfaktoren entstehen. In der Informationsgesellschaft von morgen werde der Wohlstand davon abhängen, wie effizient die Wissensarbeiter zusammenwirken.

Die Informationsgesellschaft sei weit mehr als die Fortsetzung der alten Industriegesellschaft mit Computern. „In den Generationen unserer Eltern und Großeltern standen die meisten Menschen noch in der Fabrik und haben geschraubt, gefräst, montiert, haben mit ihren Händen die reale materielle Welt bearbeitet; nur ganz wenige haben geplant, organisiert, vermarktet. Dieses Verhältnis hat sich umgedreht: In einer Welt, die ihre Wissensmenge alle fünf Jahre verdoppelt, geht es nicht mehr in erster Linie um ein Mehr an Information, sondern darum, sie effizient zu verwalten, um schnell an jene Infos zu kommen, die man braucht, um ein aktuelles Problem zu lösen“, schreibt Händeler in seinem Buch „Die Geschichte der Zukunft“ http://www.kondratieff.biz/seiten/buch/zukunft.htm. Knapp seien gebildete Menschen und die gewinnträchtigste Investition sei deshalb heute die Investition in Menschen. „Der Management-Berater Peter Druck hat es noch klarer formuliert: Die wirtschaftliche Priorität der Industrieländer muss darin bestehen, die Produktivität in den Wissens- und Dienstleistungsberufen zu erhöhen. Wem das zuerst gelingt, wird das 21. Jahrhundert wirtschaftlich dominieren. Mit der Geisteshaltung von Damian Sicking wird das leider nicht gelingen“, resümiert Nadolski im Gespräch mit NeueNachricht http://www.ne-na.de.
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